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Düsseldorf
Schmuck von Nord bis Süd

Düsseldorf. Bei den "Schmuckpunkten" an diesem und am nächsten Wochenende öffnen die Düsseldorfer Schmiede ihre Werkstätten.. Von Regina Goldlücke

Auf einem Sandhügel, begrenzt von Kakteenblättern, hat Almudena Simón Sánchez ihre Preziosen ausgebreitet. Unter Glasglocken schimmern Schmuckstücke mit grünem Türkis, Braundiamanten und Perlen. Die kleine Wüstenlandschaft hat die Goldschmiedin in ihrem Atelier an der Nordstraße 80 aufgebaut - als Blickfang für die Flaneure, die bei den "Schmuckpunkten" den Weg zu ihr finden sollen.

Zum siebten Mal gibt es diesen Rundgang durch die Schmuck-Szene der Stadt. Heute und morgen präsentiert sich der Düsseldorfer Norden, am kommenden Wochenende der Süden. 36 etablierte und junge Kreative öffnen ihre Werkstätten und Ateliers, zeigen klassische Goldschmiedearbeiten und ausgefallenen Unikatschmuck.

Parallel zu der Aktion weiht Siegfried Büeler diesen Samstag sein neues Atelier "Siggnatur Jewellery" an der Gerresheimer Straße 100 ein. Einer seiner Anhänger erinnert an Lady Gagas legendäres "Fleischkostüm" im Miniformat: Büeler hat das Foto eines Schweinestücks unter langlebige Folie gepackt. Tiere liefern bei den "Schmuckpunkten" auch ein Motiv für Margarete Kuhles-Marschall. Sie hat sich mit Martina Eiselein und Svenja Hebel zu einer Ausstellung im Zoo-Pavillon am Brehmplatz zusammengetan. "Die Umgebung inspirierte mich zu Entwürfen mit Tiersilhouetten von Elefanten, Giraffen und Leoparden", erzählt sie, "auch Krokodilzähne sind dabei." Der Halsschmuck baumelt an feinen Stahlseilen.

Svenja Hebel verwendet ebenfalls hauchdünne Stahlketten, auf die sie Korallen oder Edelsteinkügelchen fädelt. Sie weist auf das Design ihrer Ringe hin: "Aus ihnen habe ich jede Symmetrie entfernt, sie können in alle Richtungen getragen werden." Anke Plöger gehört mit ihrer Galerie Steinreich zu den Gründerinnen der "Schmuckpunkte". Für 2016 hat sie eine herausragende Kollektion von "Zwischenfingerringen" entworfen, Quadrate, Dreiecke, Kreise, verziert mit Mondsteinen oder dem australischen Gaspeit. "Wir wollen die Düsseldorfer dazu verlocken, von Atelier zu Atelier zu bummeln", sagt sie. Als Anreiz dienen die "schmucken Punkte": Wer Stempel aus fünf Werkstätten vorweisen kann, nimmt an der Verlosung eines Schmuckstücks teil. Für Vivien Reig-Atmer ist der Rundgang eine willkommene Möglichkeit, auf sich aufmerksam zu machen. "Bei mir in der Parkstraße 21 sind Atelier und Wohnung eins, ich habe keinen Laden. Da muss man schon mal die Tür öffnen, damit man gesehen wird", sagt sie.

Bemerkenswert ist die künstlerische Vielfalt der Arbeiten. Sunsanta Stamatopoulos serviert in ihrer Unikat-Manufaktur in Flingern (Ackerstr. 215) ein komplettes Menü: "Ironage" (geschwärztes Eisen) als Vorspeise, "White Gold" (Porzellan) als Hauptgericht und "Bionic Skin" (Schmuck mit natürlichen Oberflächen und Mustern) zum Dessert. Die Schmuck-Designerin hat thailändische Eltern, wurde im Westerwald geboren und setzt Einflüsse beider Kulturen kreativ um. In der Ateliergemeinschaft "hinter Indien" (Düsselthaler Str. 1a) stellen Maren Düsel, Sofia Beilharz, Melanie Warnstaedt mit der diesjährigen Organisatorin Lynne Philippé ihre Schmuckobjekte aus: "Ich arbeite spielerisch und linear", sagt Philippé. "Bei einer dreiteiligen Kette richten sich die einzelnen Elemente nach den Körperbewegungen aus und formieren sich immer wieder neu."

Weg von edlen Juwelen, hin zu dem, was er "den kontrollierten Zufall" nennt: Goldschmied Patrik Moroder lässt sich von Fundstücken inspirieren. Er trägt ein grobes Armband, an dem allerlei Kleinzeug zu entdecken ist: "Von meinen Kindern angeschleppt oder im Sand auf dem Spielplatz gefunden", erzählt er. Es komme vor, dass er etwas ausbuddele, sagt er. "Es darf gern rostig sein." Dann mache er sich mit dem Gefundenen an die Arbeit und lasse "die Emotionen fließen".

Quelle: RP
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