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Düsseldorf
Schmuckkünstler zeigen ihre schönsten Stücke

Düsseldorf: Schmuckkünstler zeigen ihre schönsten Stücke
Ivonne Rutz mit einer von ihr gefertigten Silberkette im Hof ihres Ateliers an der Bilker Straße. Auch die Kolleginnen hinter ihr öffnen am kommenden und dem darauf folgenden Wochenende ihre Werkstätten. FOTO: Andreas Endermann
Düsseldorf. Parallel zu den "Kunstpunkten" gewähren Düsseldorfer Designer bei den "Schmuckpunkten" Einblicke in ihre Ateliers. Von Dorothee Krings

Wer Ivonne Rutz finden will, muss von der Bilker Straße in der Carlstadt erst in einen dieser verwunschenen Düsseldorfer Innenhöfe einbiegen. Der ist zugewuchert wie ein wilder Garten, durch eine alte Glastür geht es in die Goldschmiede: Werktische mit feinem Brettwerkzeug stehen dort, die hintere Ecke des Raums ist mit feuerfesten Steinen zum Schmelzen eingerichtet, neben dem Eingang wacht ein junger Riesenschnauzer. Ivonne Rutz legt eine Kette auf den Werktisch: luftige silberne Hohlkörper wechseln sich ab mit hellblau beschichteten Elementen. "Ich hatte in einer Kiste zuhause noch alte Singles. Die haben in der Mitte diese Plastik-Klickelemente für den Plattenteller", erzählt Rutz (39), "die Form hat mir gefallen, daraus habe ich dann diese Kette entwickelt." Aus einem Puck wurde Schmuck.

Goldschmiede und Schmuckgestalter machen Kunst, die angewandt werden soll. Sie lassen sich von Formen, Materialien, Themen zu Stücken inspirieren, mit denen andere ihre Individualität unterstreichen. Sie pflegen die alte Handwerkstradition und entwickeln zugleich neue Techniken, denn längst arbeiten sie nicht mehr nur mit Edelmetallen und teuren Steinen, sondern etwa auch mit Aluminium, Kunststoffen, Leder und Stoff. Düsseldorf ist unter anderem wegen der Hochschule Düsseldorf, an der man Schmuckdesign studieren kann, ein Zentrum für den sogenannten Autorenschmuck. Viele Absolventen arbeiten in Gemeinschafts-Werkstätten oder Ateliers im Hinterhof - an Orten, die man erst finden muss.

An den kommenden beiden Wochenenden ist das leicht. Denn parallel zu den "Kunstpunkten" öffnen auch die Schmuckkünstler wieder ihre Wirkungsstätten. Besucher der "Schmuckpunkte" können in den Werkstätten sehen, wie Schmuck von Hand gefertigt wird, und mit den Designern über deren Ideen sprechen. "Manche kostet es ja Überwindung, den ersten Schritt in ein Atelier zu tun", sagt Sofia Beilharz (34). Auch sie arbeitet in einem Gemeinschaftsatelier - im Hof hinter einem indischen Restaurant an der Düsselthaler Straße. Darum habe die Schmuckgestalter ihre Werkstatt "Atelier hinter Indien" genannt. Beilharz arbeitet vorwiegend mit Aluminium in unterschiedlichen Tönungen und fertigt etwa aus feinen Röhrchen Halsschmuck, der aussieht wie die zweidimensionale Zeichnung eckiger Körper. "Das Spiel mit Fläche und Raum interessiert mich sehr", sagt Beilharz. Sie hat vor zwei Jahren an der Fachhochschule ihren Abschluss gemacht und beteiligt sich an den "Schmuckpunkten", weil das neue Kontakte verschafft.

"Das Publikum bei den Schmuckpunkten ist sehr aufmerksam", sagt Anna Huberman. Auch sie arbeitet mit anderen Künstlern zusammen - im Atelier Ring und Rabe an der Bilker Allee. Huberman nimmt einen Armreif in die Hände, der aus einem langen Silberstreifen gebogen ist. Schlüpft man hinein, sieht es aus, als ob das Metall mehrfach um den Arm gewickelt sei.

Dazu passend hat sie Ohrringe und einen Ring entworfen. "Mich beschäftigt gerade das Thema Tango Argentino", sagt die Künstlerin, die selbst tanzt. Bewegung, Umarmung, die gesamte Schwingung der Musik regten in ihr sofort Bilder an, daraus habe sie ihre Entwürfe entwickelt.

Nicht bei allen Schmuckkünstlern sind die Anregungen so konkret. Viele lassen sich auch von Materialien inspirieren. Ursula Biskup zum Beispiel hat aus Gelbgold und türkisfarbener Seide einen geometrischen Ohrschmuck entworfen, in dem sie Scheiben durch das feine Seidenband verknüpft hat. Für diesen wunderbar versponnenen Schmuck hat sie gerade den Staatspreis im Kunsthandwerk NRW bekommen, der in der nächsten Woche verliehen wird. Biskup hat ihr Atelier in Neuss, zeigt ihre Arbeiten aber ebenfalls bei den "Schmuckpunkten" - bei ihrer Kollegin Anke Plöger an der Neusser Straße.

Feine Drahtgespinste, Halsketten mit 3D-Effekt und sogar Schmuck aus alten Fahrradreifen sind an den kommenden Wochenenden in Düsseldorf zu entdecken - und so mancher paradiesische Hinterhof, in dem die Kunst, die schmückt, ihre Gestalt findet.

Quelle: RP
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