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Düsseldorf
Schwelgen mit der "Zirkusprinzessin"

Düsseldorf: Schwelgen mit der "Zirkusprinzessin"
In der Manege (v. l.): Boris Eder (Toni Schlumberger), Susanne Grosssteiner (Miss Mabel Gibson), Franz Wyzner (Zirkusdirektor Stanislawsky), Gisela Ehrensperger (seine Frau Wanja), Tänzerinnen und Tänzer FOTO: Hans Jörg Michel
Düsseldorf. Josef Köpplinger inszeniert das Stück von Emmerich Kálmán für die Rheinoper als prächtiges Artisten-Liebesmärchen mit tänzerischen und komödiantischen Einlagen. Ein Abend der ungebrochenen Operettenseligkeit. Von Regina Goldlücke

Noch bevor der Vorhang sich hebt, wird das Publikum in der Rheinoper heiter eingestimmt auf "Die Zirkusprinzessin". Buntscheckige Clowns und biegsame Artisten tollen durchs Foyer und schieben sich durch die besetzten Ränge. Dann erobert das Trüppchen die Bühne und umrahmt eine farbenfrohe Szenerie. "Zirkus"steht über der Manege. Der Deckel einer Kiste wird gelüftet, Glitter und Flitter sprühen heraus, ein rotes Herz schwebt in die Höhe. Ein Fest fürs Auge, dazu schmelzende Musik: Operetten-Seligkeit pur.

Nach dem Erfolg in Duisburg, wo Josef Köpplingers Inszenierung vor einem Jahr Premiere feierte, schickt sich "Die Zirkusprinzessin" an, die Düsseldorfer Zuschauer zu verzaubern. Emmerich Kálmán verlegte seine 1926 im "Theater an der Wien" uraufgeführte Operette nach St. Petersburg. Dort gastiert der Zirkus der betagten Stanislawskys, anrührend gespielt von Franz Wyzner und Gisela Ehrensperger. Attraktion ist der tollkühne Reiter Mister X, der nur mit Maske auftritt und ein Geheimnis hütet. Eines Tages erblickt er Fürstin Fedora Palinska. In sie verliebte sich der Adelige einst, doch sie wurde die Frau seines inzwischen verstorbenen Onkels. Nun wird ihm der unerfüllte Traum schmerzlich bewusst: "Ein schönes Märchen, es war einmal."

Die fesche Witwe umschwärmen schneidige Husaren. Dass sie die Männer abblitzen lässt, nehmen die nicht krumm. Wohl aber Prinz Sergius Wladimir (Wolfgang Schmidt), der es auf Fedoras Güter abgesehen hat und eine Intrige spinnt: Er lädt Reiter X zu einem Empfang, gibt vor, dieser sei von hohem Stand und führt ihn mit der Fürstin zusammen. Sie verfällt ihm sofort, was Sergius frohlockend beobachtet. Ist das Paar erst verheiratet, so sein perfider Plan, wird er Fedora damit verhöhnen, einen Zirkusreiter zum Mann zu haben.

Leidenschaftlich und stimmlich famos singen sich Romana Noack und Carsten Süss durch Kálmáns Liebesduette. Doch die Geschichte läuft nicht glatt. Man trennt sich, man leidet. Bei einer Oper wäre jetzt Schluss. In dieser Operette aber darf sich das Paar am Ende wonnetrunken in die Arme sinken.

Für Wiener Schmäh im fernen Russland sorgen Toni Schlumberger und Miss Mabel mit der Hundenummer: Er ist vernarrt in das Mädchen, das so wenig Engländerin ist wie er ein Herzog. Susanne Grosssteiner und Christoph Filler begeistern stimmlich wie mit komödiantischen Einlagen. "Erst heiraten, dann naschen" - so hält sie ihn in Schach. Wenn das Paar zu "Liese, Liese, komm mit auf die Wiese" auf der Schaukel schmust und Blümlein sprießen, ist das mit arg viel Zucker überzogen. Doch das Genre wird umwerfend bedient.

"Die Zirkusprinzessin" führt bei aller Leichtigkeit die fatalen Folgen von Standesunterschieden und blinder Titelgläubigkeit vor. Doch den Operetten-Spaß will die Rheinoper nicht verderben, und so kommt die Inszenierung so mitreißend, prächtig und schwelgerisch daher, dass den Gute-Laune-Abend nichts trüben kann. Alles schnurrt wie am Schnürchen und fügt sich in bewundernswerter Harmonie: Solisten, Ensemble und Chor, die schwungvollen Symphoniker und die verspielten Clowns. Großer Jubel.

Quelle: RP
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