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Düsseldorf
Sehenswertes Verwirrspiel der Gefühle

Düsseldorf. Großer Applaus für die erste Premiere in der Komödie: "Rubbeldiekatz" auf der Bühne ist die gelungene Adaption des Filmstoffs. Von Regina Goldlücke

Wenn helles Licht die Bühne flutet, befinden wir uns im leicht verlotterten Wohnzimmer der Gebrüder Honk. Alexander ist Schauspieler, krebst seit Ewigkeiten in Frauenkleidern bei "Charleys Tante" herum. Jürgen, prollig, aber herzensgut, schwingt sich zu seinem Manager auf. Er und der hibbelige Basti wollen dem Bruder zu einer Bombenrolle verhelfen, schließlich soll er sich künstlerisch weiterentwickeln. Sie wittern ihre Chance, als ein Team aus Hollywood in die Stadt einzieht und den Film "Naziland" dreht. Gebraucht wird eine zackige BDM-Führerin. Alex soll zum Cas-ting. Er ist genervt. Schon wieder eine Verkleidung. Aber das Geld ist knapp. Also geht er hin und wird umgehend engagiert.

Spätestens dann, wenn die Brüder wieselflink aus dem molligen Alexander eine Alexandra machen, ausstaffiert mit Lipgloss, Nylons und Äpfeln im BH, hat "Rubbeldiekatz" die Sympathien des Publikums in der "Komödie" gewonnnen. Das Verwirrspiel der Gefühle und Geschlechter überrascht mit einer ungewöhnlichen Erzählweise.

Zwischen den Szenen werden quietschbunte Videoclips vorgeführt, die zweierlei Zwecken dienen. Sie überbrücken die Zeit, die für die vielen Verkleidungen der Schauspieler benötigt wird, Christian Kühn etwa schlüpft in sechs Rollen. Und sie untermalen die Handlung mit filmischen Mitteln, treiben sie voran. Ein geschickter Schachzug von Regisseur Max Giermann, der hier aus seiner Erfahrung als Fernseh-Profi schöpft. Ein bereichernder Aspekt ist auch die Musik. Fetzige Songs reißen mit, das sanft perlende Klavierspiel zur Deutschland-Hymne lässt berührt innehalten.

Es war sicher ein Wagnis, den gleichnamigen Film von Detlev Buck fürs Theater umzumodeln. Doch wie in Dresden (dort lief die Inszenierung mit gleicher Besetzung) zogen die Premierenbesucher auch in Düsseldorf mit, sie hatten Spaß an der schrägen Kurzweil. Die Bühnenfassung von Gunnar Dressler wird frisch umgesetzt und mit neckischen Einfällen garniert.

Jan van Weyde nimmt man die Verzweiflung ab, in die ihn der ungeliebte Rollenwirrwarr stürzt. Man leidet mit, weil er sich seiner Herzensdame nicht offenbaren darf. Und erst recht, wenn der Schwindel schließlich auffliegt. Dorothea Maria Kriegl schwankt als Hollywood-Star zwischen gut ausgespielter Schnippischkeit und Zuneigung. Oliver Geilhardt darf sich in saftigen Rollen austoben - als raubeiniger Jürgen Honk, cholerischer Regisseur oder schnöseliger Filmheld.

Am meisten aber sahnt Christian Kühn ab. Er glänzt als schwäbelnder Regieassistent, schwuler Kostümbildner und gibt fabelhaft den polternden Führer. Das sonnige Grinsen, mit dem der Hitler-Darsteller seine Angebetete anschmachtet, wird höchstens noch getoppt von Labrador "Rubbel". Der Hund stößt beim romantischen Ende zum Ensemble und badet ebenfalls im begeisterten Applaus.

Info "Rubbeldiekatz" läuft bis zum 10. September in der "Komödie" an der Steinstraße. Karten: Tel. 133707, www.komoedie-steinstrasse.de

Quelle: RP
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