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Düsseldorf
Sehnsuchtsorte der Düsseldorfer

Düsseldorf: Sehnsuchtsorte der Düsseldorfer
Dorle Trachternach, Sophie Maria Zimmermann und Philippe Waldecker (v. l.) vor dem von Christian Dünow besprayten Wohnwagen. FOTO: Hans-Jürgen Bauer
Düsseldorf. Im "Caravan of Dreams" des Jungen Schauspielhauses können Menschen von ihrem persönlichen Paradies erzählen. Von Saskia Nothofer

Wie sieht der perfekte Ort aus? Was bedeutet Glück? Welche Sehnsüchte wollen erfüllt werden? Fragen wie diese können sich Passanten im "Caravan of Dreams" stellen. Der vom Düsseldorfer Sprayer Christian Dünow gestaltete Wohnwagen ist Teil des Projekts "Garten Eden", einem gemeinsam mit Flüchtlingen und Düsseldorfer Bürgern realisierten und spielzeitübergreifenden Kultur- und Theaterprojekt des Jungen Schauspielhauses.

"Wir sammeln Stimmen von allen Menschen auf der Straße", sagt Dorle Trachternach, die künstlerische Leiterin. Ob Polizisten, Straßenfeger, Mütter mit Kindern, Obdachlose - "wir sprechen alle an und fragen, ob sie uns in einem kleinen Video etwas von ihrem Sehnsuchtsort erzählen", erzählt Sophia Maria Zimmermann, die ihr Freiwilliges Soziales Jahr am Jungen Schauspielhaus absolviert.

Wer sich dafür entscheidet, über seinen individuellen und besonderen Ort zu berichten, wird in eine kleine Kammer in dem bunten Wohnwagen geführt. Sie ist wie ein Garten Eden aus dem Bilderbuch gestaltet. Die Tür schließt sich, und durch das Ziehen an einem roten Seil kann man die Aufnahme der Kamera starten und auch wieder beenden. "Die Antworten sind ganz unterschiedlich", sagt Dorle Trachternach. "Das macht das Projekt unglaublich spannend." Ein Deutscher, der genug vom kalten Winter hat, sehne sich beispielsweise oftmals nach einem warmen, sonnigen Ort. Ein Mensch dagegen, der vielleicht eine abenteuerliche Reise nach Europa hinter sich hat, sehe im winterlichen Deutschland das Paradies. Zumindest bis zu seiner tatsächlichen Ankunft. "Aber die Antworten sind nicht vorhersehbar", so die Projektleiterin. "Manche Leute werden plötzlich auch religiös."

Der 30-jährige Peer Seuken hat sich ebenfalls in den bunten Wohnwagen getraut. "Das war eine überraschende Erfahrung", sagt der Toningenieur. Er habe nicht mit Fragen wie diesen gerechnet und sie auf sie nicht vorbereitet gewesen. "Aber der Gedanke, wie mein Sehnsuchtsort aussieht, ist sehr interessant." Zuvor habe er noch nie ernsthaft darüber nachgedacht.

Wenn genug Videoclips aufgenommen sind, werden sie zu einer Art Dokumentarfilm von Philippe Waldecker zusammengestellt. Bisher hat das junge Team auf dem Oberbilker Markt sowie am Worringer Platz schon rund 25 kurze Sequenzen sammeln können. An drei weiteren Orten in der Stadt (siehe Infokasten) wollen sie noch viele weitere Stimmen finden. "Wir sind einfach auf der Suche nach schönen Momentaufnahmen", so Dorle Trachternach.

Den Abschluss des Projekts "Garten Eden" bildet das Theaterstück "El Dorado" im Mai. Auch hier sollen Teile der im "Caravan of Dreams" gesammelten Elemente verwendet werden. "Das Drehbuch muss aber noch geschrieben werden", sagt die Projektleiterin. Doch es sind auch weitere Programmpunkte geplant: Ende Januar 2016 steht eine Schreibwerkstatt unter der Leitung von Pamela Granderath im Zakk an. Zur gleichen Zeit soll zudem ein Gartenbauprojekt auf dem Vorplatz des Jungen Schauspielhauses umgesetzt werden.

Quelle: RP
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