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Düsseldorf
Sogar Einkaufstüten machen Musik

Düsseldorf. Düsseldorf gilt als Geburtsstadt der elektronischen Musik. Dabei wird oft verkannt, dass auch heute innovativer elektronischer Sound in der Stadt wächst, wuchert und Wurzeln schlägt. Ein feines Beispiel ist die Band Moglebaum. Von Meike Glass

Moglebaum - das sind experimentelle elektronische Kompositionen gepaart mit akustischen Instrumenten und einer souligen Gesangsstimme. Begonnen als Solo-Projekt des Düsseldorfer Musikstudenten und Jazz-Pianisten Simon Eberle Hölscher, besteht die Band heute aus fünf Mitgliedern. Ihre Lieder changieren zwischen atmosphärischer Melancholie und tanzbaren Beats - der Sound ist geprägt durch die Kombination von technoiden Synthesizer-Klängen und akustischen Instrumenten. Violine und Saxofon ziehen sich durch die meisten Lieder und geben der Musik ihre eigene Dynamik. Im vergangenen Jahr gewannen Moglebaum mit diesem außergewöhnlichen Klangspektrum den mit 10.000 dotierten Bandförderpreis des Kulturamts der Stadt Düsseldorf.

Genau wie Eberle Hölscher studieren auch Michael Kemkes (Drums) und Jonas Geyersberg (Saxofon) am Institut für Musik und Medien der Robert-Schumann- Hochschule. Die Sängerin Franziska Geiß hat eine klassische Gesangsausbildung an der Hochschule absolviert und studiert momentan in Köln. Co-Produzent Alessandro Fáma studiert Musikwissenschaft in Köln. Aus diesem breiten musikalischen Hintergrund schöpft die Band immer wieder für ihre Aufnahmen.

Gemeinsam haben sie schon zwei EP's veröffentlicht und auf einigen nationalen und internationalen Festivals gespielt. Noch in der letzten Woche war die Band in Indien, um dort auf dem "The Lost Party Festival" in Mumbai aufzutreten. "Die ganze Reise, die vielen Begegnungen mit klassischen indischen Musikern und die elektronische Szene Mumbais kennenzulernen, war ein schönes Abenteuer", so Simon Eberle Hölscher. Und die Abenteuer gehen für die Band weiter: In diesem Jahr folgen noch weitere Festivalauftritte unter anderem auf der "MS Dockville" in Hamburg, einem der Lieblingsfestivals der Band. Es geht anscheinend also steil aufwärts für die Düsseldorfer Band.

Das mag vor allem daran liegen, dass sich ihre Musik durch besondere kleine Akzente von der Masse elektronischer Musik absetzt. Viele Samples entstehen durch sogenannte "Field Recordings" - wenn man genau hinhört, erkennt man das verfremdete Geräusch einer Kaffeemaschine oder das Rascheln von Einkaufstüten. Auch Kakteen sollen zu Samples gemacht worden sein.

Generell zeichnet sich die Musik von Moglebaum durch eine interessante Verbindung natürlicher Klänge und elektronischer Sounds aus. "Organic Electronic" oder "Waldtechno" nennt die Band das selbst. Im Bezug dazu steht auch der Bandname. Angelehnt an eine Figur aus dem japanischen "Pokémon" steht der Name auch für die Musik der Band. "Baum" repräsentiert die natürlichen, akustischen Instrumente, wogegen der Passus "Mogle" sich auf "mogeln" bezieht und die elektronischen Einflüsse meint.

Am Samstag treten Moglebaum im Salon des Amateurs auf - Eberle Hölscher schaut mit Vorfreude darauf: "Das Konzert ist für uns sehr besonders, da es unser vorläufig letztes Konzert in Düsseldorf für eine Weile ist, wir unsere Bandförderung, die wir 2015 gewonnen haben, damit feierlich beschließen und wir unseren Fans in Düsseldorf das neue Set-up mit Live-Drums präsentieren können!" Danach geht es direkt weiter: Ein neues Musikvideo, eine EP und viele Clubkonzerte stehen auf dem Plan der Band. Eine Band, die sicherlich bald häufiger erwähnt werden wird, wenn es um neue elektronische Klänge aus Düsseldorf geht.

Quelle: RP
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