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Düsseldorf
Sommerstimmung in der Akademie

Sommerrundgang 2016 an der Kunstakademie Düsseldorf
Sven Raik Bernick hat in einem Akademie-Raum 72 keramische Pferde arrangiert. FOTO: Andreas Endermann
Düsseldorf. Zum dritten Mal lädt die Düsseldorfer Kunstakademie auch im Sommer zu einem öffentlichen Rundgang ein. Die Ausstellung der Studenten, die zurzeit ihre Examen ablegen, bietet junge Kunst aus erster Hand. Von Bertram Müller

Der Sommerrundgang ist der kleine, gelassene Bruder des Winterrundgangs. Drängen sich die Sammler im Winter schon zwei Tage vor Eröffnung der halbjährlichen Leistungsschau durch die hohen Gänge der Akademie, so kommt der Betrieb im Sommer gemächlich in Gang. Während gestern im Erdgeschoss noch längst nicht jeder Raum geöffnet war, hielten die Studenten in den beiden Obergeschossen bereits Wache vor ihren Arbeiten. Für manche gab es noch einen anderen Grund, zur Stelle zu sein: Sie legten ihr Examen ab.

So war es schon immer im Sommer wie im Winter, doch erst seit 2014 ist auch zur Präsentation im Sommer Publikum zugelassen. Wer der Einladung folgt, den erwartet vor allem im zweiten Geschoss Sommerstimmung. Gemalt wird immer, und wer sich davon überzeugen will, der ist in den Klassen der Professoren Katharina Grosse, Stefan Kürten, Eberhard Havekost, Herbert Brandl und Andreas Schulze gut aufgehoben.

Jährlicher "Rundgang" der Kunstakademie Düsseldorf FOTO: dpa, rwe pzi

Experimenteller geht es im Erdgeschoss und im ersten Stock zu. Sven Raik Bernick aus der Klasse Fritsch hat in seiner Installation "Seventy Two" 72 keramische Pferdchen zu zwei einander feindlich gegenüberliegenden Heeren arrangiert. Jede Gestalt ist individuell geformt, links sind alle Pferde hell, rechts dunkel. Religiös bestimmte Gewalt von heute, so erläutert der Künstler, ist das Thema dieser Arbeit. Und er fügt hinzu, dass sich die Zahl 72 auch auf die jüdische Kabbala beziehe. Dort sei von den 72 Namen Gottes die Rede - wohlgemerkt 72 Namen ein und desselben Gottes.

Ein paar Schritte weiter hat im Atelier der Klasse Didier Vermeiren die Studentin Tokiko Yukawa der Kargheit ein Denkmal gesetzt. Ein mit Gips übergossener Holzbalken verbindet diagonal die Wand mit dem Boden. Was will uns die Künstlerin damit sagen? "Ich wollte weg vom frei stehenden Objekt", wie man es in jedem Kunstmuseum erleben kann, sagt sie. Das eigentliche Thema aber ist Tokiko Yukawa zufolge ihre Schwierigkeit, Formen zu finden.

Ulrike Katzmaier aus der Klasse Martin Gostner hat einen vollständigen Raum mit ihren Arbeiten gefüllt. Da werden die Prüfer Augen machen, die ihr heute zum Examen verhelfen sollen. "Print Screen" ist der Titel der Schau, jener Griff in die Computer-Tastatur, der einen Schnappschuss vom Bildschirm ermöglicht. Ulrike Katzmaier reproduziert auf diese Weise Kunstwerke, zoomt in sie hinein und überträgt das Ergebnis auf andere Materialien, etwa auf einen Teppich. So entsteht eine neue Formensprache - "digital und zugleich menschengemacht", darauf legt die Künstlerin Wert.

Längst hat sich herumgesprochen, dass in der Klasse von Andreas Gursky nicht nur fotografiert wird. Doch so viel Skulptur- und Objektkunst wie diesmal gab es selten zuvor in seinen Akademie-Räumen. Künstler Camillo Grewe, frisch examiniert, hat einen der hohen Säle mit anthropomorphen Gestalten aus Pappmaché gefüllt, die mit ihrem Sockel verwachsen sind. "Kommunikation zwischen Charakteren", so benennt er das Thema seiner Kunst.

Überhaupt ist das Schöne am Rundgang, dass man mit den Künstlern ins Gespräch kommt. Etliche Werke sind verkäuflich. Auch über Preise lassen die jungen Künstler mit sich reden - bestimmt!

Quelle: RP
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