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Düsseldorf
Späte Würde für den Künstler Achim Duchow

Düsseldorf. Achim Duchow war Student und enger Mitarbeiter von Sigmar Polke. Auf dem legendären Gaspelshof in Willich traf er auf Künstler wie Katharina Sieverding, Klaus Mettig, Memphis Schulze - und eben auch Polke. An der Qualität der oft humorvollen, experimentellen und sozialkritischen Arbeiten Duchows kann es wohl nicht liegen, dass er nie zu Weltruhm gelangte wie sein Lehrer, mit dem er sogar einige Kunstwerke gemeinsam schuf. Aber woran liegt es dann? Von Klaus Sebastian

Unweigerlich stellt sich diese Frage, wenn man die originellen Gemälde in den edlen Räumen der Setareh Gallery auf der Königsallee genauer betrachtet. Unbegreiflich ist, warum Duchow (1948 bis 1993) nicht schon zu Lebzeiten die Chance erhielt, sein Werk in einer so repräsentativen Umgebung vorzustellen.

Man liest, dass er ein schwieriger Charakter war. Mit Polke prügelte er sich einst auf der Treppe der Düsseldorfer Kunsthalle, berichten Augenzeugen. Die beiden Künstler arbeiteten zusammen, inspirierten sich wechselseitig, stritten und versöhnten sich wieder. In einem Gutachten für ein begehrtes Japan-Stipendium lobte Polke den sieben Jahre jüngeren Assistenten Duchow über den grünen Klee: "Die meisten Projekte, die ich realisierte, kamen durch seine Hilfe zustande. Konzeption und Ausführung wurden von uns gleichermaßen erarbeitet." Duchow erhielt das begehrte Stipendium. Bis zu seinem Lebensende unternahm er einige oft mehrjährige Reisen nach Japan und Fernost. Die Gemälde, die nun in der Setareh Gallery gezeigt werden, stammen aus dem Nachlass des Künstlers. Ähnlich wie Polke hielt Duchow nicht an einem unverwechselbaren Stil fest. In Japan hatte er fotografiert. Zurück im Rheinland widmete er sich einer Malerei, deren Motive häufig aus dem Alltag stammen. So können auf einer Leinwand Pop und Politik, karikaturhafte Figuren und luftige Malerei zu einem irritierenden Amalgam verschmelzen. In manchen Bildern wird die Kritik an den Gesetzen des Kunstmarkts selbst zum Thema. So malte Duchow serienweise "Picassos für Arme" - mit wuchtigen Pinselstrichen schnell hingehauene Gemälde. Und er scheute auch nicht davor zurück, sich über Polkes berühmtestes Werk ("Höhere Wesen befahlen: rechte obere Ecke schwarz malen!") lustig zu machen. Bei Duchow sollen die höheren Wesen einem Comic-Männlein bei der Autowäsche helfen.

Den gleichermaßen sozialkritischen und humorvollen Blick des unangepassten Bilderfinders zeigt eine Arbeit, in deren Mitte Duchow das kitschige Klischee-Kaufhausbild einer aufreizend schlecht gemalten Zigeunerin montiert hat. Die feurige Exotin dient hier als Medium für eine Sehnsuchtsbotschaft, die aktueller nicht sein könnte: "Hey Gringo, kannst du mich über die Grenze bringen und sagen, ich wäre deine Tochter?" Die Ausstellung mit dem vielseitigen Werk des beinahe vergessenen Künstlers ist noch bis zum 29. Oktober an der Königsallee 27 zu sehen.

Quelle: RP
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