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Düsseldorf
Stephan Kaluzas rätselhafte Reise

Düsseldorf. Der in Düsseldorf lebende Stephan Kaluza ist ein "Jack of all trades", wie die Engländer sagen, im Deutschen hört sich das despektierlicher an. Er ist ein "Hansdampf in allen Gassen", jemand, der sich nicht auf ein Genre beschränkt. Von Thomas Hag

Er ist Fotograf, Künstler, Regisseur, Theater- und Roman-Autor. Man kann von seinen Fotoarbeiten bis zu seinem neuen Roman "Ein möglicher Ort" Verbindungen herstellen. Er beschäftigt sich mit vermeintlichen Idyllen und der Realität. Er ist einmal den Rhein abgegangen, hat ihn Meter für Meter fotografiert und so dem Mythos das Idyllische entrissen.

"Ein möglicher Ort" folgt den Motiven. Der Protagonist Yann, auf der Suche nach oder der Flucht vor Liebe, ist ebenfalls Fotograf, er entfernt am Computer die Menschen aus seinen Landschaftsaufnahmen, weil sie "stören".

Kaluza zitiert, auch bildlich, die retuschierten Ausnahmen aus der Ära Stalins, auf denen unliebsame Konkurrenten plötzlich verschwunden sind, entweder aus dem Bild oder in der Wirklichkeit.

Die Reise in das Exotische wird zum verzerrenden Spiegel der eigenen Seele, in dem man sich verlieren kann. Kaluzas Buch ziert nicht nur ein Hologramm, auf jeder einzelnen Seite ist die untere Zeile mit dem Foto einer Urwaldfront versehen, die immer mehr verblasst. Gute Ideen also, auch wenn die Sache mit dem Urwald eher irritiert, aber Kaluza gelingt es nur selten, seinen Roman in eine Form zu bringen, die den Leser fasziniert.

Fast verschwindet in seinem Werk der Autor, der sich nicht entscheiden kann, ob er nun ein Abenteuer beschreibt, eine psychologische Irrfahrt, eine Liebesgeschichte - oder alles. Vieles ist dabei schwierig. Die Anweisungen eines Navigationsgerät und Computerbefehle eignen sich nur schlecht für einen Roman, aber auch die Dialoge "echter" Menschen wirken eher hemmend. Kaluza ist ein Ideenmensch, es mangelt dem Roman an einem inneren Kern, man kann sich auch als Leser darin verlieren. Der Urwald ist nach 300 Seiten verblasst, das Interesse des Lesers schon lange vorher.

Stephan Kaluza, Roman "Ein möglicher Ort", Frankfurter Verlagsanstalt, 320 Seiten, gebunden, 22,90 Euro

Quelle: RP
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