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Düsseldorf
Stifterin Schnetkamp will Kai 10 vergrößern

Düsseldorf: Stifterin Schnetkamp will Kai 10 vergrößern
Erfolgreich als Unternehmerin, Stifterin und Sammlerin: Monika Schnetkamp hat das Kai 10 zum Leuchten gebracht. FOTO: andreas Bretz
Düsseldorf. Das Ausstellungshaus im Medienhafen platzt aus allen Nähten. Seit der Teilnahme an der Biennale wird es auch international beachtet. Von Annette Bosetti

Als Gregor Schneider Dienstagabend zu seinem Künstlervortrag ins Kai 10 lud, platzte das Ausstellungshaus aus allen Nähten. Ein Drittel der 150 angereisten Besucher musste draußen bleiben. Traurig für diese, ein Zeichen der Anerkennung für den Künstler und die Hausherrin. Monika Schnetkamp ist bald acht Jahre, wenn man so will, eine der schillerndsten Start-up-Unternehmerinnen des Medienhafens. Und sie ist die Einzige, die in dem hippen Areal 100-prozentig auf Kunst gesetzt hat.

Warum nimmt eine Norddeutsche aus der Nähe von Bremen einen siebenstelligen Betrag in die Hand und gründet eine Stiftung, um in der Kulturstadt ihrer Wahl ein reges Ausstellungsleben zu organisieren? Die Kunst liebt Schnetkamp von Kind an, und die Kunst hat sie nach Düsseldorf getrieben, wo ihr die Dichte der Ausstellungshäuser, die Überschaubarkeit und das Miteinander der regen Szene wie auch das hochwertige Lehrangebot in der Kunstakademie zusagten. "Ich wollte das fördern, was ich liebe", sagt die 54-Jährige, die Betriebswirtin und Kunsthistorikerin ist.

Durch Zufall hörte sie damals von der frei werdenden Immobilie in der Kaistraße 10, die sie vom Galeristen Hans Mayer erwarb, sanierte und alsbald als lichtes, funktionstüchtiges Ausstellungsgebäude mit einer ersten Schau ("No Illusions") präsentierte. 600 Quadratmeter direkt am Rhein, in freundschaftlicher Nachbarschaft zu zwei ebenso liebenswerten wie berühmten Künstlern. Zwei Häuser weiter unterhält Gabriele Henkel ihr Atelier "Tintoretto", schräg gegenüber liegen Kulturamt und Zero-Foundation.

Die überregional tätige gemeinnützige Stiftung sollte sich bewusst von der Privatperson und Kunstsammlerin absetzen, daher nicht Schnetkamps Namen tragen. "Arthena Foundation" ist vielmehr zusammengesetzt aus Ars und Athene - über die Kunst hinaus versteht sich die Stiftung als Bindeglied zu Bildung und Wissenschaft. "Meine persönlichen Vorlieben sollten stets getrennt von der Stiftungsarbeit gesehen werden", sagt Schnetkamp, die als künstlerischen Direktor Zdenek Felix (ehemals Deichtorhallen) benannte und ihm ein professionelles Team an die Seite stellte.

Sie habe sich alles Know-how von null an aneignen müssen, sagt Schnetkamp. Dabei blitzen ihre Augen vor Unternehmergeist, man spürt, dass ihr das Kunstprojekt besondere persönliche Freude bereitet. "Ob in der Wirtschaft oder in der Kunst - ", sagt sie, "es gelten dieselben Prinzipien, die zum Erfolg führen. Immer ist es der Dreiklang aus Idea, Inventio und Innovatio - Kreativität, Mut zum Aufbruch und Drang zur Erneuerung." Diesen Leitlinien getreu handelt sie und hat das Kai 10 bundesweit auf die Rangliste ernstzunehmender Ausstellungshäuser befördert. Die Einladung zur Teilnahme an der Biennale von Venedig 2013 hat das Kai 10 international positioniert. Über ein dreiviertel Jahr war Schnetkamp damals mit ihrem Team in der Lagune tätig, der Aufwand war erheblich, die Resonanz auf Thomas Zipps psychogrammartige Installation fiel positiv aus. Sogar das Magazin "Der Spiegel" berichtete. Im Jahr 2018 wird das Kai 10 Austragungsort des renommierten Ars-Viva-Preises, den der Kulturkreis der deutschen Wirtschaft vergibt.

Auf drei Säulen ruht das Stiftungswesen: Gleich wiegen im Kalkül des Kai 10 Gruppenausstellungen mit zeitgenössischer Kunst, deren Vermittlung sowie die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses. Für all diese Pläne ist das Haus längst zu klein, so will Monika Schnetkamp mit ihrem Kunstbetrieb wachsen, die Räume erweitern. Am liebsten im Medienhafen, sagt sie, und am liebsten bliebe sie in Düsseldorf, wo sie sich gut aufgehoben und wohlfühlt.

Vielleicht könnte man in einem zweiten oder erweiterten Kai 10 einmal die Privatsammlerin Schnetkamp kennenlernen, die bis heute ihre rund 1000 Werke noch niemandem gezeigt hat. Allerdings sähe man auch dann nicht eine reine Aneinanderreihung von Schätzen, sondern eine thematische Umrundung und Einordnung von zeitgenössischen Positionen in der Kunst. Denn Schnetkamp will mit der Kunst der Gegenwart Prozesse sichtbar machen, Dialoge anregen und Diskussionen provozieren.

Quelle: RP
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