| 11.15 Uhr
Oper in Düsseldorf
Strawinskys "Nachtigall" für Kinder
Märchenoper: Das sagen Düsseldorfer Kinder
Märchenoper: Das sagen Düsseldorfer Kinder FOTO: Bretz, Andreas
Düsseldorf. Staunend erlebten Kinder zwischen fünf und 15 Jahren in der Rheinoper die Premiere von Strawinskys Märchenoper. Sie sahen ein wunderbares Stück, in dem Bäume tanzen und Landschaften versinken. Die Vorstellung beeindruckte – das belegen die Antworten der jungen Opernscouts. Von Armin Kaumanns

Wie der Anfang von Strawinskys Märchenoper "Die Nachtigall" klingt, wissen die Kinder nicht, die in der Premiere sitzen. Vor lauter Vorfreude können sie kaum leise werden, nachdem sie beim Abdimmen der Saalbeleuchtung in vorfreudiges Kreischen ausgebrochen sind. Aber die süß-geheimnisvollen Klänge, die die Duisburger Philharmoniker unter Zauberstabführung von Wen-Pin Chien im Graben hervorbringen, verfehlen ihre Wirkung nicht: Mit staunenden Augen und Ohren erleben junge Leute zwischen fünf und 15, wie aus dem Dunkel ein verwunschener Wald erwächst, mit lebendigen Bäumen, einem armen Fischer und einer Nachtigall, die auf einer Schaukel aus dem Himmel einschwebt und eine wunderschön singende Frau ist.

Es ist der ganze Zauber des Theaters, den die Rheinoper vor ihren jungen Zuschauerinnen ausbreitet. Videoprojektionen lassen heimelige Unterwasserwelt oder abweisende Großstadt entstehen; nicht nur das Ballett: Bäume, selbst Hub-Podien tanzen, ganze Landschaften fahren gen Himmel, versinken im Boden. Gar eine richtige Rutschbahn gibt's in diesem Zauberwald, der auch eine böse Stadt und ein von Alpträumen und des Todes grausiger Armee heimgesuchtes Schlafzimmer sein kann. Eine Pracht sind die Kostüme, der vielköpfige Drache, die riesenhaft aufgeblähte Kaiser-von-China-Puppe.

Wunderbar die Idee, beim Gesang der Nachtigall den Menschen hinter dieser Kaiser-Maske herauspurzeln zu lassen. Und schön und spannend und wahr die Geschichte, bei der der Kaiser dem Tod noch mal von der Schippe springt, weil er wieder fühlen kann. Sibylla Duffe tiriliert unbeschwert die Koloraturen der Nachtigall, in der Figur des Fischers entwickelt der Tenor von Ovidiu Purcel kostbar gefärbten Schmelz, dem Tod hat Stravinsky eine Alt-Partie zugeordnet, die Geneviève King meistert. Solisten, Chor, Statisten, Tänzer geben ein Bild der Freude – selbst wenn es zwischendurch todernst, lebensfeindlich kalt, geradezu Winter um den Kaiser von China wird. Regisseurin Svenja Tiedt und ihr Team haben eine wunderbare Arbeit abgeliefert, in der Strawinskys bizarre Musik zu strahlen beginnt.

Quelle: RP
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