| 00.00 Uhr

Düsseldorf
Struffsky & Co.: Becher-Schüler stellen in ihrem alten Klassenzimmer aus

Düsseldorf. Bilder erzählen oft die besten Geschichten. Und die Geschichten über die Bilder verstärken deren Aussage noch. So hat die junge Candida Höfer ein Stillleben des Alltags aufgenommen. Im Mittelpunkt der Fotografie: ein Wäscheständer, der im Flur steht. Kindersachen sind darauf zum Trocknen aufgehängt. Von Annette Bosetti

Ganz dicht ist er an einen Hocker gerückt, auf dem eine fleischige Grünpflanze steht, daneben wurde ein Schirmständer gequetscht, links davon ein Schaukelpferd. Diffuses Licht hüllt die Szenerie in eine eigentümliche Stimmung. Verblühter Moment, Erinnerung jener Zeit.

In den 1970er Jahren war es kaum verbreitet, Alltagsdinge zum Motiv der Kunst zu erklären. Die Becher-Schülerin agierte stilbildend und wegweisend, so wie ihre Kommilitonen, die Struffskys, es auch taten, Andreas Gursky, Thomas Ruff, Thomas Struth. Bilder von den Weltstars der Düsseldorfer Photoschule und von 18 auch nicht unbekannten Kommilitonen werden nun an dem Ort gezeigt, wo Bernd und Hilla Becher einst die Bande anleitete. Nach Uecker und Rinke kam Becher 1976 als Letzter zum Unterrichten ins Ausweichquartier in der Karl-Anton-Straße. In seinen Klassenräumen wurde bis 1989 gelehrt. Man arbeitete nicht so viel in einem Atelier als Fotograf. Man diskutierte mehr, und in den Dunkelkammern machte man die Abzüge von Hand.

Einige dieser Vintage-Prints hängen nun wieder, wo sie einst entstanden sind. Die Idee des Architekten Piet Neiser, die keinen anderen Zweck verfolgt, als Kunstgeschichte, wieder lebendig werden zu lassen. Dass die Künstler dabei mitmachen - wie zuvor schon die Klassen Rinke und Uecker - ist Hilli Hassemer zu verdanken, die Verbindungen knüpfte und Menschen überzeugte.

Thomas Ruff sagte als Erster zu, er schickte ein Frauenporträt in Farbe. Schon bald tat es ihm Candida Höfer gleich, sie sandte ein Bild von dem Ort, an dem die Klasse zusammen war.

Axel Hütte gab ein Porträt von Georg Herold in die Schau und Andreas Gursky eine Schrebergartenaufnahme. Kleine Formate sollten es sein, Architekturaufnahmen und Porträts wurden es. Die Bereitschaft der Fotokünstler ist auch als Dankeschön an ihre Lehrer zu bewerten. Hilla und Bernd Becher, die verstorbenen Gründer der Düsseldorfer Photoschule, würden sich freuen, dabei zu sein, und wundern, was aus ihren Ehemaligen geworden ist.

Info Vernissage: Freitag, 18-21 Uhr. Finissage: So, 12-16 Uhr. Samstag geöffnet von 12 - 18 Uhr. Karl-Anton-Straße 16.

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Düsseldorf: Struffsky & Co.: Becher-Schüler stellen in ihrem alten Klassenzimmer aus


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.