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Gastro-Tipp
Superfood mit Überblick

Düsseldorf. Zum fünfjährigen Bestehen des Lokals Cho haben die Geschwister Nguyen die Speisekarte erneuert. Nicht austauschbar ist das wohl höchste Restaurant-Möbel der Stadt. Von Holger Lodahl

Wer das Cho zum ersten Mal betritt, wundert sich. Statt mehrerer kleiner Tische wird der Platz vor der offenen Küche von einem riesigen, fast 1,80 Meter hohen Tisch beherrscht. Entsprechend ist auch die Frage von Kim Nguyen. "Seid Ihr schon mal hier gewesen?" Wer nicht naiv erscheinen möchte, sagt mutig "Ja", so dass Kim entgegnet: "Dann wisst Ihr ja, wie Ihr hochklettert", und eilt zurück in die Küche.

Es sich am Tisch bequem zu machen, ist eine Herausforderung. Die Stühle haben zwei Stufen, mit deren Erklimmen es aber noch nicht getan ist. Denn wer erst einmal sitzt, stellt fest, dass der Abstand zwischen Tisch und Stuhl nicht passt - und sitzend nachrücken klappt nicht. Daher der Tipp: Der Tisch hat etwa zehn kleine Flächen, die es erst hochzuklappen gilt. Anschließend erst den Stuhl geschickt vor den Tisch schieben, hochsteigen - und dann alles noch einmal von vorn, wenn der Stuhl letztlich zu nah am Tisch steht. Wer es geschafft hat und schwindelfrei ist, kann seinen Überblick genießen.

Das Cho mit dem wohl ungewöhnlichsten Tisch-Konzept der Stadt gibt es im März genau fünf Jahre. "Wir bieten viele vietnamesische Gerichte nach Originalrezepten aus unserer Heimat", sagt Kim Nguyen, die das Cho mit Bruder Minh führt. Zu den Vorspeisen gehören mehrere Varianten von Glücksrollen: in Reisblätter gerollte Zutaten (9,90 Euro). Nicht frittiert, sondern kalt in Reisblättern und sogar etwas fad. Das sei Absicht, erklärt ein Stammgast. Nur mit den Soßen werden die Rollen so schmackhaft. Sein Tipp, die Rollen der Länge nach zu öffnen und die Soße hinein zu kippen, ist wertvoll.

Die Entscheidung für ein Hauptgericht fällt schwer. Lieber Thit Bo xao ot tay (gebratenes Rindfleisch, 10,90 Euro), Rau kimchi thap camp (scharfer Chinakohl aus dem Wok, 11,50 Euro) oder Muc xao thom (scharfer Tintenfisch, 10,90 Euro)?

Wie scharf die einzelnen Speisen sind, zeigen kleine Flammensymbole. Viele grüne Zeichen verweisen auf vegetarische Menüs: Rau xao dac biet etwa sind verschiedene Gemüsesorten mit Cashewkernen und einer vietnamesischen Soße (8,50 Euro). Gemüse mit Wasserkastanien und Mango in roter Kokos-Curry-Soße heißt Cary dac biet (9 Euro). "Zum Jahreswechsel und wegen unseres fünfjährigen Bestehens haben wir die Karte neu gestaltet, weil wir zunehmend viele Gäste haben, die Essen ohne Fleisch mögen", sagt Kim Nguyen. "Superfood" nennt sie das Konzept. "Wir schwenken das frische Gemüse nur kurz im Wok, so dass alles knackig bleibt und die meisten Vitamine erhalten bleiben." Hinzu kommen im Cho unter anderem brauner Naturreis und viele weitere natürliche Zutaten.

Um die Qualität des Essens zu beschreiben, reichen Blicke in die Runde: Allen Gästen ist schnell anzusehen, wie gut es ihnen schmeckt, viele - auch vormals Fremde - unterhalten sich und amüsieren sich von oben herab über die Neuankömmlinge und ihre Fehlschläge, die Stühle zu erklimmen. Die Höhe des Tisches hat auch einen Nachteil: Kim Nguyen muss Teller und Schalen über ihren Kopf heben, um die Speisen zu servieren.

Der Vorteil des Tisches ist aber, dass manch' Gast einfach vom Stuhl klettert und unterm Tisch durchgeht - und zwar aufrecht, ohne sich eine Beule am Kopf zu holen. Dann taucht er an der gegenüberliegenden Seite des Tisches zur Überraschung der dortigen Gäste aus dem Untergrund auf.

Quelle: RP
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