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Düsseldorf
"Switch"-Star macht Theater

Düsseldorf: "Switch"-Star macht Theater
Max Giermann: Es gibt genügend Rollen, in die er schlüpfen kann FOTO: dapd
Düsseldorf. Max Giermann kennen Fernsehzuschauer als meisterhaften Parodisten von Stefan Raab und Markus Lanz. In der "Komödie" führt er nun Regie: "Rubbeldiekatz" ist die Bühnenfassung des gleichnamigen Films von Detlev Buck. Von Regina Goldlücke

Wie Max Giermann da so sitzt, mit breitem Lächeln und blendend weißen Zähnen, entdeckt man unwillkürlich verwandte Züge mit Stefan Raab, den er in "Switch Reloaded" so meisterhaft parodiert. Ein verblüffendes Phänomen. Man sieht im Gesicht des Schauspielers, was man zu kennen glaubt. Markus Lanz dagegen ähnelt er so gar nicht. Aber wie fabelhaft er sich in ihn verwandeln kann, wie perfekt er dessen Stimme, Mimik und Gestik beherrscht! Das gilt auch für Dieter Bohlen, Reinhold Beckmann, Tim Mälzer. Selbst für einen talentierten Parodisten muss es mühselig sein, sich fremde Charakterzüge anzueignen. "Fleißarbeit", bestätigt Giermann. "Ich schaue mir an, was ich finden kann, imitiere Körperhaltung und Sprechweise. Manche Figuren erschließen sich nur schlecht. Dann reizen sie mich besonders."

Leider läuft "Switch Reloaded" derzeit nur als Wiederholung, neue Folgen sind vorerst nicht geplant. Was Max Giermann aber keineswegs arbeitslos macht. Es gibt genügend Rollen, in die er schlüpfen kann, genügend Aufgaben, die er mit seiner Comedy-Erfahrung glänzend erfüllt. Und es gibt den Part des Regisseurs, den er gelegentlich mit großem Vergnügen ausübt. So wie jetzt in der "Komödie", wo kommenden Dienstag "Rubbeldiekatz" Premiere hat. Zuerst kam Giermanns Inszenierung im Frühjahr 2015 in der Comödie Dresden heraus. Mit der gleichen Truppe will er nun auch den Düsseldorfer Boulevard erobern. Den Regieauftrag habe ihm der Dresdner Intendant Christian Kühn sicher auch deshalb anvertraut, weil er zuvor in dem gleichnamigen Film von Detlev Buck mitgewirkt habe, vermutet Max Giermann. Als was? "Ich war der Hitler-Darsteller", erklärt er. Der taucht in der Bühnenfassung von Gunnar Dressler ebenfalls auf. Keine Berührungsängste? "Nein", antwortet er. "Ich halte es grundsätzlich für legitim, Hitler nachzumachen. Aber natürlich ist nicht jede Parodie witzig. Es kommt auch immer auf den Kontext an."

Das Schöne an der turbulenten Verwechslungskomödie "Rubbeldiekatz" sei, dass die Spiellust der Schauspieler herausgekitzelt werde. "Vier Darsteller teilen sich ein knappes Dutzend Rollen", erzählt der Regisseur. "Und alle müssen rasend schnell zahlreiche Kostüm- und Szenenwechsel bewältigen." Ihm kommt das sehr entgegen, die hurtigen Verwandlungen sind ihm von seiner Fernseharbeit vertraut. Regie zu führen, erweitere den Horizont um einen neuen Blickwinkel, sagt Max Giermann. Das gefällt ihm. Vielleicht probiert er es auch einmal mit der Kamera. Vermutlich aber wird es für ihn auch weiterhin beim heiteren Fach bleiben.

Dass er diese Nische eines Tages dauerhaft besetzen würde, war nicht vorherzusehen. Max Giermann, 1975 in Freiburg geboren, entdeckte beim Schultheater seinen Spaß an der Bühne. Nach dem Zivildienst wollte er Medienkunst studieren, hatte auch bereits einen Platz. Dennoch bewarb er sich an der Ernst-Busch-Schauspielschule in Berlin. Er wurde genommen, was einem Sechser im Lotto gleicht. "Ich dachte, diese Chance musst du auch ergreifen." Danach ging es auf dem klassischen Weg weiter. Max Giermann spielte ernste Rollen wie den Ferdinand in "Kabale und Liebe" am Schauspiel Essen, den Steckmann in "Rose Bernd" am Volkstheater Wien. Rückblickend sieht er sich in einer Art Hassliebe mit dem Theater verbunden: "Ich habe mit mir gerungen, ob eine Festanstellung das Richtige für mich ist und mich dagegen entschieden." Lieber baute er seine Fähigkeiten als Clown aus. Er mag die dafür nötige körperhafte Komik und ging durch eine harte Schule. "Wenn keiner lacht, kann man sich das nicht schön reden." Dann lockte das Fernsehen und ließ ihn nicht mehr los. Das Lampenfieber, das den Wahl-Kölner stets begleitet, steigert sich noch, wenn er Regie führt. "Bei jeder Premiere sitze ich im Publikum und schwitze. Vielleicht sollte ich besser auf ein Bierchen in die Kneipe gehen."

Quelle: RP
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