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Düsseldorf
Tänzer spielen mit der Brutalität

Düsseldorf: Tänzer spielen mit der Brutalität
"Overhead Project" persiflieren Posen des Wrestlings. FOTO: Meyer Originals
Düsseldorf. Die animalische Tanzshow "Carnival of the Body" imitiert das Wrestling. Von Dorothee Krings

Bevor es in den Kampf geht, ziehen die Tänzer schillernde Morgenmäntel über und dünne Masken über ihr Gesicht, die aus Silber gewirkt sind. Sie sind Ritter der modernen Zeit, Wrestler, die in die Manege müssen. Aber erst sitzen sie noch einträchtig nebeneinander und teilen eine Banane. Eigentlich wollen sie einander ja gar nicht das Rückgrat brechen. Ist ja alles nur Show.

Tim Behren und Florian Patschovsky sind Tänzer und Akrobaten, haben an der Zirkuskunstschule ESAC in Brüssel studiert und treten seit 2012 als "Overheadprojektor Project" auf. In ihrem Stück "Carnival of the Body", das jetzt beim Asphalt-Festival zu erleben war, entwickeln sie aus Imponiergehabe, Drohgebärden und Kampfstellungen eine fließende Körpersprache, die das Wrestling zugleich ernst nimmt und ironisiert. Der Griff in den Nacken, der Schulterwurf, der Sprung auf den Gegner, all diese Elemente aus Wrestling-Shows tauchen in ihrer Arbeit auf. Und in besonders rasanten Passagen verwandeln Behren und Patschovsky diese Posen in hochvirtuosen, artistischen Tanz. Aber es geht ihnen nicht um Kulinarik, sie wollen über die gespielte Aggression, das inszenierte Animalische nachdenken. Dazu stellen sie Gesten der Kämpfer aus, den stierenden Blick etwa, das Kreisen um den Ring, das Brustklopfen. In einer besonders komischen Sequenz ringen die stolzen Krieger minutenlang mit dem Kabel der Ansager-Mikrophone, bis diese zu Lassos ziemlich verzweifelter Cowboys werden. Die Arbeit hat auch Längen, etwa, wenn das gespielte Lachen der Sprecher bei Wrestling-Kämpfen in unendliche Länge gezogen wird. Doch die ungeheure Vertrautheit der beiden Tänzer, ihre Schnelligkeit, Beweglichkeit und Geschmeidigkeit ist faszinierend. So setzen sie der gespielten Wut und Brutalität des Wrestlings die stärkste Waffe entgegen: Zärtlichkeit. Es gab viel Applaus.

Das Asphalt-Festival dauert bis Sonntag: www.asphalt-festival.de.

Quelle: RP
 
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