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Düsseldorf
Tanz durch die digitale Welt

Düsseldorf. Beim Festival "Temps D'Images" wollen Künstler neun Tage lang die Möglichkeiten von Technologie im Tanz erforschen. Von Klas Libuda

Dieses Festival ist eine Leistungsschau, denn hier wird Leistung zur Schau gestellt. Jene von Maschinen nämlich und das, was Menschen damit machen. "Temps D'Images" heißt dieses Festival im Tanzhaus NRW, bei dem Tänzer sowie Studierende der Hochschule Düsseldorf sich und die Möglichkeiten des technischen Fortschritts herausfordern. Ziel der Künstler ist es, an zwei Wochenenden das Verhältnis zwischen Tanz, Videoinstallationen und neuen Technologien auszuloten.

Am Freitag eröffnet der Multimedia-Künstler Hiroaki Umeda das Festival mit seinen Solo-Arbeiten "Intensional Particle" und "split flow". Der Japaner arbeitet in seinen Performances mit Sensoren und Lasern. Umeda stehe für "die ungemeine japanische High-Tech-Präzision", sagt Festival-Programmleiter Stefan Schwarz. In "Intensional Particle" werden gewaltige Bilder auf die Bühne projiziert, gegen die sich der aus dem HipHop stammende Künstler behaupten muss. "Die Bilder haben eine solche Kraft, dass sich das Publikum wie in einem 3D-Spiel oder in einer Matrix vorkommen wird", sagt Schwarz.

Ebenfalls am Freitag nimmt Choy Ka Fai seine Arbeit im Tanzhaus auf. Am ersten Festival-Wochenende stellt er seine Performance-Installation "Introspective" aus. Der Künstler möchte das Verhältnis zwischen Körper, Nervensystem und Gehirn erforschen und misst und visualisiert dazu die Hirnströme von Tänzen. Nach seiner Performance reist der in Berlin lebende Choy Ka Fai nicht wieder ab, sondern bleibt dem Tanzhaus für die Dauer des Festivals erhalten. "The Choreography of Things" ist die Residenz des Künstlers betitelt. Bis zum zweiten Festival-Wochenende möchte er sein Projekt "Cortex" weiterentwickeln und anschließend präsentieren. Ausgangspunkt dieser Arbeit ist die Frage, ob neuronale Impulse, die bei Choreografien entstehen, veränderbar sind. Wie das gelingen könnte, bleibt abzuwarten. "Wir wollen die Arbeit mit neuen Techniken vorantreiben", sagt Schwarz, "wir zeigen nicht nur Endprodukte."

In diesem Jahr findet die elfte Ausgabe des Festivals statt, das einst vom Fernsehsender Arte initiiert wurde und in zehn Ländern über die Bühnen ging. Zwischenzeitlich setzte man gemeinsame Programmschwerpunkte, mittlerweile aber bestehe der Kontakt zwischen den Festivalmachern nur noch lose, sagt Schwarz. Arte hat sich im vorletzten Jahr aus der Förderung zurückgezogen, "Temps D'Images" aber sollte in Düsseldorf weitergehen. Im vergangenen Jahr fand das Festival nur noch an drei Tagen statt, nun wieder von Wochenende zu Wochenende. Auch weil neben Choy Ka Fai ein weiterer Künstler länger in Düsseldorf arbeiten möchte: Der norwegische Elektromusiker Gisle Martens Meyer spielt zunächst sein Konzert "The Bow Corpse", bei dem er Töne auf die Leinwand überträgt und so Interaktion schaffen möchte. Anschließend beschäftigt er sich eine Woche mit der digitalen Identität. Abschließend präsentiert er "There is no here, here", eine Arbeit, in der er durch Musik, Film und soziale Medien eine digitale Welt entwickelt.

Ebenfalls über die gesamte Festivaldauer ist das Projekt "Video-Tagging" der Düsseldorfer Hochschule im Hofgarten zu erleben. Mit einer extra entwickelten Smartphone-App können Besucher an bestimmten Orten Kunst auf ihren Handys erleben - die Werke sind zuvor an eben diesen Orten entstanden. Zugleich präsentiert Hochschul-Absolvent Marcel Bückner gemeinsam mit dem Kollektiv Xenorama im Foyer des Tanzhauses die audiovisuelle Installation "Kinetic Stream".

Das Festival schließt der Choreograf Chris Haring mit seiner Erstaufführung "Shiny, shiny. Imploding Portraits Inevitable". Der Künstler setzt sich mit der Selfie-Kultur auseinander, lässt sich von Andy Warhols Pop-Ästhetik inspirieren, die gesamte Performance filmen und live übertragen. Er möchte zeigen, wie Identität produziert wird.

Quelle: RP
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