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Düsseldorf
Tanztheater über den Herzschlag der Stadt

Düsseldorf. Sebastian Matthias sucht mit Tänzern aus Düsseldorf und Tokio im Tanzhaus den urbanen Groove. Von Thomas Hag

In seiner Serie "Groove Space" erkundet der Choreograph Sebastian Matthias, Factory Artist am Tanzhaus, den urbanen Herzschlag. Fündig geworden ist er dabei bereits an Orten wie Berlin oder Freiburg, Zürich und Jakarta. Nun also "x/groove", die Erkundung von Tokio und Düsseldorf - eine spannende Gegenüberstellung zweier Orte, die ihn haben, den Groove. Da ist zum einen die bestimmte rhythmische Qualität einer Clubmusik, die von einem treibenden Beat getragen wird, und die zumeist ihre Wurzeln in Soul und Techno hat. Auf der anderen Seite gibt es die Begegnung mit dem Menschen, in der Stadt, bei der Arbeit oder der Freizeit.

Das Setting ist aus den vorhergehenden Folgen bekannt: Die Zuschauer befinden sich gemeinsam mit den Akteuren auf der Bühne, den traditionellen Zuschauerraum gibt es nicht mehr. Die herkömmlichen Grenzen sind aufgelöst, wer ist hier Tänzer, wer nicht? Die Beteiligten werden Teil einer Installation, die eine Art DJ-Pult umfasst. Megafone, Propeller, Lichteffekte: Sind wir hier in einem Club oder ist der nicht überall? Das im Tanzhaus und in Tokio entwickelte 60-minütige Stück bringt die Ansätze Matthias´ auf ideale Weise zusammen. Ein echter Groove entsteht, wie auch immer wir ihn auffassen.

Da ist der Takt, irgendwo zwischen ambienten Tönen und tranceartigen Höhepunkten, Tänzer aus Tokio und Düsseldorf schlängeln sich zwischen den Zuschauern hindurch, berühren sie auch dann und wann. Es ist kaum eine Performance, mehr eine Einladung zum Mitmachen. Irgendwann werden schwarze Müllsacke ausgepackt, das Team um den "Bandlead" Matthias, so kann man ihn nennen, schüttet unzählige weiße Papierschnipsel vor den Zuschauern aus oder gibt sie ihnen wie ein Geschenk in die Hände. Man kann das Konfetti fallen lassen oder in die Luft werfen. Auch dass die Schnipsel zusammengekehrt werden, gehört zum Stück, genau so wie die Videos, die am Ende im Foyer zu besichtigen sind: die Tänzer und das Publikum, aus der Vogelperspektive - ein Nachtrag zum Vorigen, ein neues eigenes Stück über dem Stück.

Quelle: RP
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