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Düsseldorf
Theater von Hörenden und Gehörlosen

Düsseldorf. Was tut man in einer schlaflosen Nacht, wenn draußen ein Gewitter tobt und man mit seinen Ängsten, Wünschen und Fantasien allein ist? Am besten, man tut sich mit anderen zusammen. Das FFT Juta zeigt, wie das geht. Von Thomas Hag

Etwas Besonderes hat die Aufführung auf alle Fälle, denn es stehen Hörlose und Hörende auf der Bühne, und sie sitzen auch auf den Zuschauerplätzen. Aber "Wach?", das Stück von Wera Mahne nach dem Bilderbuch von Michéle Lemieux' "Stormy Night", ist viel mehr als Didaktik und Inklusion. Zusammen mit Kindern der LVR (Landschaftsverband Rheinland)-Gerricus-Schule in Düsseldorf hat die Autorin Assoziationen und Beiträge zum Thema versammelt und daraus ein poetisches Stück gemacht, das wir als Generalprobe sehen konnten, Katrin Maren-Enders (hörend), Rafael-Evitan Grobelka und Pia Katharina Jendreizik (gehörlos) stehen auf der Bühne und erleben diese "Stürmische Nacht". Sie sind Freunde, die eine vielleicht letzte Nacht miteinander verbringen. Zwischen Couch und Bett wechseln sie, vielleicht beruhigt ja der Schein des Fernsehers.

Dabei findet keine bloße Übersetzung von der Gebärdensprache in die "normale" statt, beide Ausdrucksformen stehen gleichberechtigt nebeneinander. Nach einer wechselvollen Geschichte ist die Gebärdensprache in Deutschland relativ spät als eigenständige Sprache anerkannt worden. Wie schwierig aber auch reizvoll ein solches Zusammentreffen sein kann, zeigt das Stück. Wie drücke ich ohne Worte die Farben aus?, ist eine Frage. Zwischen Traum- und Wachszenen wechselt das, der Video-Künstler Declan Hurley hat die Ängste, die eine solche Nacht bringt, eindrucksvoll in Szene gesetzt. Da krabbelt ein fieses Insekt als Lichtfleck über T-Shirt und Laken, da hängt ein Skelett am Fenster, das auch verscheucht werden muss. Aufgelöst wird wenig, der Fantasie dafür umso mehr Platz gelassen, denn die Gedanken im Kopf, die sich da in die Wirklichkeit oder in den Traum einschleichen, beanspruchen ihren Platz.

Neben den visuellen Reizen beansprucht auch die Gebärdensprache ihren Platz. Gehörlose oder auch schwer hörgeschädigte Menschen benutzen sie untereinander zur entspannten Kommunikation. Dabei setzen sie Mimik und Körperhaltung ein. Das eignet sich besonders gut zum Theaterspielen. Die Gebärdensprache ist übrigens in jedem Land unterschiedlich. Das "Theatralische" dieser Kommunikation zu beobachten, das macht natürlich einen Reiz dieser Vorstellung aus, in der es auch um das Erzählen von Geschichten geht. Da überlagert die Story vom rosafarbenen Kleid schon mal eine andere, die vielleicht wichtiger ist. Wie im richtigen Leben.

Info Wera Mahne: "Wach?", ab sechs Jahre, Termine: 2. und 3. Dezember um 9 und 11 Uhr, 4. Dezember um 9.30 Uhr, 5. Dezember um 16 Uhr. Telefon 8767871.

Quelle: RP
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