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Düsseldorf
Theater zeigt, wie eine Magersüchtige verschwindet

Düsseldorf. Hat doch eh keinen Sinn alles! - schreit Lucinda dem Publikum entgegen. Ihre Mutter schreckt zusammen und wendet den Blick ab. Das Gefühl der Aussichtslosigkeit, der Willenlosigkeit überträgt sich langsam auch auf die Zuschauer. Im Stück "Und auch so bitterkalt", für das der gleichnamige Roman von Lara Schützsack als Vorlage dient, wird das Publikum mit auf Lucindas Reise genommen. Es ist ein Stück über die Magersucht, das beim Asphalt-Festival in den Alten Farbwerken seine Premiere feierte.

Aber eigentlich geht es gar nicht um die Krankheit. Es geht ums Verschwinden und um die Reise nach Tenebrien, einem Traumland, von dem Lucinda ihrer kleinen Schwester Malina so viel erzählt. Ohne Gegenwehr steuert Lucinda auf diesen scheinbar paradiesischen Ort zu.

Dabei wird das Publikum, durch die grandiose Leistung der Schauspielerinnen, Teil von Lucindas Verwandlung. Gegensätze wie hell und dunkel, laut und leise, stark und schwach, bestimmen ihre Persönlichkeit - und das Stück. An einem hellen Tag erlebt das Publikum Lucinda, wie sie singt und lacht und tanzt. Am Ende ist alles schwarz. Dann liegt sie schwach auf einem dicken Teppich und deckt sich damit zu. Darin verschwindet sie.

(wun)
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