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Düsseldorf
Tina Teubner spielt groß auf

Düsseldorf. Sie sei in glänzender Verfassung, lässt Tina Teubner wissen: "Nicht ausgeschlossen, dass ich bis zum Ende der Veranstaltung bleibe." Gut so. Denn ihretwegen ist das "Kom(m)ödchen" ja schließlich ausverkauft. Für die Premiere ihres Programms "Wenn du mich verlässt, komm ich mit" suchte sich die Musik-Kabarettistin erneut ihre Lieblingsbühne in Düsseldorf aus. Sie und ihr Partner Ben Süverkrüp fühlen sich dort heimisch, Vertrautheit auf beiden Seiten. Von Regina Goldlücke

Der überwiegende Teil der Zuschauer erlebt die Mixtur aus Liedern und Texten wohl nicht zum ersten Mal. Sie lieben Teubners Frotzeleien gegen Süverkrüp, der einiges abkriegt und geduldig erträgt. "Du wirkst im besten Sinne der Welt ein wenig abhandengekommen", blubbert sie. Raunzt sie: "Ben, das war geschludert", protestiert er nur milde. Gegen Ende aber, sie sitzt im Schatten, er im Licht, trumpft der Pianist mit einem hinreißenden Solo auf. Er malt sich das Verhalten der großen Komponisten im Zeitalter der permanenten "Medienbeballerei" aus. Hätten Mozart oder Beethoven jedes vollendete Werk gepostet? Und gefragt, ob es den Kollegen gefällt? So virtuos wie er auf dem Piano, spielt Tina auf der Klaviatur der Gefühle. Sie ist frech, bissig, ironisch, aufgebracht, witzig und hin und wieder melancholisch.

Was sie anprangert, sitzt. Aber nie hebt sie moralinsauer den Zeigefinger. Es wird viel gelacht bei ihren Galoppsprüngen durch Menschliches und allzu Menschliches. Urkomisch ist, wenn sie bei "Armer Emil" die Verbissenheit von Eltern karikiert, ihr Kind schon im Mutterleib ("pränatales Ballett!") zu fördern. Sie nimmt sinnlose Diäten und selbstgemachte Marmelade aufs Korn, hechelnde Jogger, den Wellness-Wahn und, schlimmer noch, die Yoga- und Psychozentren, in denen man Atmen lernt. Bis man merkt, dass Atmen gar kein Beruf ist. "Massenachtsamkeit", das sei auch so eine neumodische Erscheinung. "Wenn alle das Gleiche gut finden, ist höchste Vorsicht geboten", sagt sie

Dieser erquickliche, beglückende Abend hat stille Inseln, aber keine einzige Delle. Kleinkunst? Von wegen. Tina Teubner ist eine ganz Große.

Quelle: RP
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