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Düsseldorf
Tönerne Zeugnisse uralter Kulturen Südamerikas

Düsseldorf. Das Hetjens-Museum hat eine erstaunliche Schau mit Keramiken der Inka und ihrer Vorgänger zusammengetragen. Von Regine Müller

Das sollen Objekte sein, die weit mehr als 1000 Jahre alt sind? Die anthropomorphe Figur etwa mit dem riesenhaft eckigen Kopf und den kurzen Ärmchen könnte auf den ersten Blick durchaus im Atelier von Max Ernst in den späten 1960er Jahren entstanden sein. Tatsächlich ist die imposante Keramikfigur kein Kunstobjekt des 20. Jahrhunderts, sondern eine Grabbeigabe, die in der Zeit zwischen 1100 und 1500 nach Christus entstanden ist und aus der Chancay-Kultur in Peru stammt. Die ungemein ausdrucksstarke Figur ist Teil einer Schau mit kostbaren Stücken aus eigenen Beständen des Hetjens-Museums und Leihgaben, die sich der Keramik der Inka und vor allem ihrer Vorgänger widmet. Denn als der spanische Konquistador Francisco Pizarro auf der Suche nach dem Gold der Inka 1532 Peru erreichte, war deren mächtiges Reich von Kolumbien bis Chile noch jung, nämlich kaum älter als 100 Jahre. Erst im 15. Jahrhunderts hatten die Inka begonnen, die Gebiete zahlreicher lokaler Kulturen zu erobern und unter ihre Vorherrschaft zu bringen. Die Ausstellung vermittelt eine Überblick über die Vielfalt dieser schriftlosen Kulturen, ihrer Geschichten, Sitten und Gebräuche, die sich über diese Keramiken vermitteln oder zumindest ahnen lassen. Die stark stilisierte Grabbeigaben-Figur aus der Chancay-Kultur war offenbar für eine hochstehende Person gedacht und sollte vermutlich böse Geister abwehren.

Aus der wenig bekannten Kultur der ecuadorianischen Jama-Coaque-Kultur gibt es die Figur eines Schamanen bei der Einnahme von Coca-Blättern zu sehen, aus der Kultur der Nazca beeindrucken expressive Raubkatzengötter und ein hinreißendes Figurengefäß in Gestalt eines Vogels.

Keramik war in Südamerika damals offenbar allgegenwärtig. Die gezeigten Musikinstrumente und Alltagsgegenstände wie Trink- und Transportgefäße, aber auch Opfergefäße und sonstige Ritualgegenstände erzählen von den Lebens- und Essgewohnheiten der uralten Kulturen. Abbildungen von Tieren und Pflanzen, Liebesszenen und Jagddarstellungen erlauben sogar Detail-Eindrücke.

Nicht alle der Objekte sind eindeutig entschlüsselbar. Wie einige der ältesten überlieferten keramischen Funde aus Südamerika: Frauendarstellungen der Valdivia-Kultur, die um 2000 v. Chr. gebrannt wurden. Man vermutet, dass die schmalen Objekte rituellen Zwecken dienten.

Taufrisch in seiner schnörkellosen Modernität wirkt das Porträtgefäß aus der Moche-Kultur, die sich vom 1. bis zum 8. Jahrhundert n. Chr. entwickelte. Das Gesicht eines Kriegers oder Würdenträgers (Foto) wirkt unglaublich lebendig und lebensnah.

Kannten die Moche doch schon zweckfreie Kunst ohne rituellen Überbau?

Quelle: RP
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