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Düsseldorf
Heine-Institut zeigt "Dichter in Badehosen"

Treppenhausausstellung: Heine-Institut zeigt "Dichter in Badehosen"
Schriftsteller und Humanist Herbert Eulenberg badet im Jordan (1927). FOTO: Heinrich-Heine-Institut Rheinisches Literaturarchiv
Düsseldorf. 14 Urlaubsfotos von Schriftstellern sind seit gestern in der Treppenhausausstellung zu sehen. Vorträge begleiten die Ausstellung. Von Jessica Balleer

Umstritten war dieser Hanns Heinz Ewers schon zu Lebzeiten. Ein Provokateur von Dichter, der die Themen Erotik und Fantastik liebte und bediente. Auch in der neuen Ausstellung des Düsseldorfer Heine-Instituts ist es ein Bild von Ewers, das in Erinnerung bleibt: Auf einem Foto aus dem Jahre 1903 ist der Globetrotter mit seiner Frau beim Nacktbaden am damaligen "FKK-Hotspot" Capri zu sehen. Ein Schriftsteller im Urlaub? Das gab es.

Heinrich Spoerl mit Gertrud und Sohn Alexander am Schliersee (1933). FOTO: Heinrich-Heine-Institut Rheinisches Literaturarchiv

Und genau genommen ist es nicht nur ein, sondern sind es gleich 14 Schnappschüsse, die die Treppenhausausstellung "Dichter in Badehosen" zeigt. Jan von Holtum, Mitarbeiter am Heine-Institut, eröffnete sie mit seinem Vortrag "Heinrich Heine im Seebad" - dazu wurden leichte Petit Fours und Sanddorn-Cocktails gereicht. "Schriftsteller werden oft als reine Geistesmenschen gesehen, sie sind aber auch in den Urlaub gefahren und haben natürlich alltägliche Dinge getan", sagt Kurator Martin Willems. Die Idee zu dieser Ausstellung kam Willems und Jan-Christoph Hauschild während einer Recherche in den eigenen Nachlassbeständen des Heinrich-Heine-Instituts. "Das leichte Thema passt zum Sommermodus unserer Besucher."

Badespaß in zeitgemäßer Mode zu Beginn des 20. Jahrhunderts. FOTO: Heinrich-Heine-Institut Rheinisches Literaturarchiv

Aus dem Deutschen Literaturarchiv Marbach und der Feuchtwanger Memorial Library an der University of Southern California kamen weitere Originalaufnahmen hinzu. Doch "Dichter in Badehosen" ist nicht nur ein Abbild der Urlaubsziele und Bademode der vergangenen Zeit. Bloßgestellt werden die Schriftsteller auf keinem Bild. Denn einen ernsten Aspekt verschweigen gerade die Fotos nicht, die Dichter im Exil zeigen. Viele Auslandsreisen sind durch deutsche NS-Machthaber erzwungen worden. So sind Heinrich Mann und Lion Feuchtwanger am Strand von Sanary-Sur-Mer an der französischen Côte d'Azur zu sehen - einem Treffpunkt vieler im Exil lebender Dichter.

Zitate, Einsichten in Tagebucheinträge und die Vorlesungen rund um die Treppenhausausstellung verleihen der Schau weitere Tiefe. Etwa die Lesung "Die Geburtsstunde der Feuerzangenbowle am Starnberger See" am 7. September (19.30 Uhr). Sie wird Einblicke in die Gedanken Heinrich Spoerls zulassen, der im August 1931 mit einer Schreibblockade und in Geldnot nach Leoni reiste. Briefe bezeugen, wie verzweifelt Spoerl zunächst war. Am Starnberger See aber fand er Inspiration.

Rose Ausländer in New York (1927). FOTO: Heine-Institut/Rhein. Literaturarchiv

Die "Feuerzangenbowle" entsprang seiner Feder - und damit eines der heute bekanntesten Werke deutscher Literatur- und Filmgeschichte. Den Vortrag im September wird eine Nachfahrin von ihm mitgestalten: Anna-Katharina Spoerl Kolb, die Enkelin des Dichters, wird im Heine-Institut aus den Briefwechseln zwischen Heinrich Spoerl und dessen Ehefrau lesen - passenderweise werden an dem Abend "Brezn" und Weißbier gereicht.

Quelle: RP
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