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Pepe Lienhard
"Udo Jürgens war der deutsche Frank Sinatra"

Pepe Lienhard: "Udo Jürgens war der deutsche Frank Sinatra"
Pepe Lienhard war viele Jahre Udo Jürgens' Big-Band-Kollege. FOTO: Steingießer
Düsseldorf. Der Schweizer Saxofonist und Bandleader Pepe Lienhard hat 37 Jahre mit Jürgens zusammengearbeitet. Jetzt kommt er in die Tonhalle. Von Barbara Steingießer

Im Sommer gestaltete Pepe Lienhard mit dem großen Musikproduzenten Quincy Jones das Jubiläumskonzert zum 50. Montreux Jazz Festival. Nun geht er auf Deutschland-Tournee. Was er an Stars von Frank Sinatra bis Udo Jürgens geschätzt hat, zeichnet auch ihn aus: Professionalität und Leichtigkeit.

Sie sind mit Udo Jürgens und bei Fernsehshows schon oft in Düsseldorf aufgetreten. Gibt es etwas, das für Sie zu jedem Düsseldorf-Besuch dazugehört?

Lienhard Ich gehe gern shoppen auf der Kö. Und ich mag es, dort zu flanieren. Das ist schon speziell.

Sie sind Hobby-Ornithologe. Wissen Sie, dass auf der Kö Papageien leben?

Lienhard Ja. Ich kenne die Halsbandsittiche natürlich. Die halten unser Klima gut aus, auch wenn sie eigentlich nicht hierhin gehören. Wenn es dann so viele sind, ist das witzig und exotisch. Lieber eine Papageienplage als eine Rattenplage.

Sie haben schon mit zwölf Jahren eine Dixieland-Band gegründet, mit 17 eine 28-köpfige Big Band. Wie kam es dazu?

Lienhard Ein Schlüsselerlebnis hatte ich mit 15, als mein älterer Bruder mich mitnahm zu einem Konzert von Quincy Jones. Der ist mein großer Held bis heute. Ich bin gleich frech hinter die Bühne gegangen und habe Autogramme geholt.

Sie sind in den 80ern in Monte Carlo mit Frank Sinatra aufgetreten. Wie war das?

Lienhard Sinatra, das ist wirklich der Größte im Showbusiness aller Zeiten. Wir waren sehr ehrfürchtig, gespannt und auch nervös. Er hatte ja das Image, arrogant zu sein. Aber er war völlig easy.

Diese Einstellung kennen Sie auch von Udo Jürgens ...

Lienhard Durch meine Vogelzucht habe ich Freunde auf der ganzen Welt. Wenn ich denen von meinem Job und von Jürgens erzähle, habe ich bisher immer gesagt: "Ich arbeite mit einem berühmten Sänger. Er ist der deutsche Frank Sinatra."

Eine Komposition von Udo Jürgens ist sogar von Sammy Davis Jr. gesungen worden?

Lienhard Ja, "If I Never Sing Another Song". Das hat übrigens auch Shirley Bassey aufgenommen. Im Konzert sage ich immer: Wenn Frank Sinatra den Song gesungen hätte, wäre das ein Hit geworden wie "Strangers In The Night". Das ist eine so starke Melodie. Ja, der Udo hat schon ein paar richtig große Songs geschrieben.

Und welche Erinnerung haben Sie an Whitney Houston?

Lienhard Whitney habe ich noch erlebt, bevor sie eine Primadonna wurde. Ich hatte damals meine eigene Sendung im Schweizer Fernsehen, und sie hatte ihren ersten Nummer-1-Hit. Ihr Manager wollte ein Vollplayback. Aber nachdem sie uns gehört hatte, durften wir sie live begleiten. Sie war reizend, hatte überhaupt keine Allüren und hat nach der Sendung noch lange mit uns in der Kneipe gesessen.

Worauf kann sich das Düsseldorfer Publikum freuen?

Lienhard Wir machen eine populäre Art von Swing-Musik, also keinen abgehobenen intellektuellen Jazz. Das sind Melodien, die man kennt, von Glenn Miller, Benny Goodman und Count Basie. Was auf dieser Tour speziell ist, ist im zweiten Teil die Hommage an Udo Jürgens.

Wie kam es dazu?

Lienhard Wenn ich früher gebeten wurde: "Spielt doch mal was von Udo", dann habe ich immer gesagt: "Nein. Wir spielen mit dem Original oder gar nicht." Aber jetzt, wo er nicht mehr da ist, ist das eine andere Lage. Wir müssen auch an Udo zurückdenken, denn wir verdanken ihm viel. Dank Udo konnten wir diese große Band so viele Jahre durchziehen.

Wie kann man sich dieses Tribute-Set vorstellen?

Lienhard Wir werden da keinen Imitator hinsetzen, der einen auf Udo macht am Glasflügel. Das wäre für uns nicht denkbar. Es ist kein Ersatz-Udo da, definitiv nicht. Aber es wird auch gesungen, natürlich. "If I Never Sing Another Song" wird unsere Sängerin Dorothea Lorene singen. Und wir spielen zum Beispiel auch einen italienischen Hit, den kein Mensch mehr kennt. Wir zeigen also auch wenig bekannte Seiten von Udo. Seine großen Hits spielen wir dann im Big-Band-Sound.

Haben Sie sich vorher Gedanken darüber gemacht, wie es ohne ihn weitergeht?

Lienhard Nein. Udo war zwar 80, aber er war so lebendig. Ich war am Abend vor seinem Tod noch mit ihm essen. Und wir haben Pläne geschmiedet. Wenn man das Video anguckt vom letzten Konzert, dann kann man nicht fassen, dass er eine Woche später gestorben ist. Er war 80, aber er war kein alter Mann. Es war seine erfolgreichste Tournee, "Mitten im Leben". Wer denkt da ans Aufhören?

Quelle: RP
 
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