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Düsseldorf
Überlebender des Punk: John Lydon im Zakk

Düsseldorf. Der 60 Jahre alte frühere Sänger der Sex Pistols überzeugte mit seiner Band PIL in Flingern. Von Vom Thomas Hag

Bebrillt, beleibt, die Songtexte auf einem Notenständer vor sich - manches an John Lydon, dem Kopf der Band PIL, erinnert eher an einen Professor als an einen Rockstar. Bis der ehemalige Johnny Rotten, einst Frontmann der Sex Pistols, die ersten Töne singt. Da ist sie wieder, diese Stimme: quengelnd, geifernd, bellend, röhrend - manchmal leider auch mit einem fiesen Gurgeln. Wenn er die Arme ausbreitet, was er an diesem Abend im fast ausverkauften Zakk des Öfteren tut, erinnert er fast an einen fanatischen Prediger. Aber Lydon ist kein Hassprediger, auch wenn er einen Song "Warrior" und seine kürzlich erschienene Autobiografie "Anger is an Energy" nennt.

Denn aus dem einstigen Staatsfeind Nummer eins ist im Laufe der Jahre, er ist jetzt 60, so etwas wie ein Nationalheiligtum geworden - very british, auch wenn er mittlerweile amerikanischer Staatsbürger geworden ist. Bei aller Wut ist er ein großer Humanist, seine Konzerte sind so etwas wie Gemeindetreffen, auch wenn er organisierte Religion verabscheut. Die Konzertgemeinde ist ebenso wie der Sänger in die Jahre gekommen, auch wenn jüngere Leute darunter sind. Da sieht man alles, vom Irokesen bis zu ergrauter Lockenpracht, vom "Never Mind The Bollocks"- bis zum Rolling-Stones-T-Shirt. Vom häuslichen Krach über verstopfte Toiletten in "Double Trouble" bis zur Pin-up-Ikone Betty Page reicht der Reigen der Songs, mit "Dies ist nicht ein Liebeslied" kündigt Lydon "This is not a Love Song" auf Deutsch an, und schnell merken die Fans, dass der Sänger nicht nur fit ist, sondern auch eine hervorragende Band um sich versammelt hat, aus der besonders Lu Edmonds, früher mal Gitarrist bei The Damned, heraussticht. Aber auch der schwere Bass von Scott Frith und das kompakte Schlagzeug von Bruce Smith tragen zu einem durchweg überzeugenden Klang bei. Bei "Death Disco" von der legendären Metal Box wird Schwanensee von Tschaikowsky adaptiert, und es fällt auf, wie viel Platz dieser Band eingeräumt wird, wie viele Anleihen beim Dub gemacht werden, auch wenn die Basis gitarrenlastiger Rock ist.

Über all dem tobt sich der Sänger aus, der nach vielen Irrungen wie der englischen Ausgabe vom Dschungelcamp oder Werbung für irische Butter seinen Platz gefunden zu haben scheint. Aber unter all dem brodelt Wut, die sich beim Titelsong des Albums "What the World Needs Now" Luft verschafft. Also, meint man zu vernehmen: Traut dem ganzen Schwachsinn nicht, hier sind Public Image Ltd.

Quelle: RP
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