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Düsseldorf
Ulrich Wickert spricht über Freiheit der Medien

Düsseldorf. "Guten Abend, meine Damen und Herrn", sagt Ulrich Wickert, da hat er seine Zuhörer im vollbesetzten Henkel-Saal an der Heine-Uni schon auf seiner Seite, denn es hört sich an wie damals, als er noch "Mr. Tagesthemen" war, der stets ein wenig aristokratisch wirkende Nachrichtenmann der ARD, der in New York und Paris gelebt hat und berufen wirkte, den Menschen mit feiner Ironie und beruhigender Stimme die Welt zu erklären. Nun hat ihn die Universität auf die Heinrich-Heine-Gastprofessur berufen und 1100 Menschen sind gekommen, ihn zu hören. Von Dorothee Krings

"Ich bin ein Handwerker", bekennt Wickert (73) gleich, und zitiert mit gewohnt milder Süffisanz aus einer linguistischen Arbeit über seinen Moderationsstil. Mit wissenschaftlichen Analysen könne er wenig anfangen, gesteht er, um dann aber doch mit Kant zu beginnen. Denn Wickert will Grundsätzliches zum Journalismus sagen. Die Medien hätten die Aufgabe, Menschen so zu informieren, dass sie sich ihres kritischen Verstandes bedienen und sich eine Meinung bilden könnten, formuliert er sodann mit Kant.

Im Gespräch vor der Antrittsvorlesung hatte er daraus auch seine Kritik an der Berichterstattung über die Ereignisse in der Silvesternacht abgeleitet. Für Journalisten dürfe es keine Tabuthemen geben, die Furcht, etwa durch Angaben zur Herkunft der Täter Rassisten in die Hände zu spielen, führe zu Selbstzensur. "Wenn wir die Dinge nicht benennen, können wir uns auch nicht damit auseinandersetzen", so Wickert. Insgesamt habe sich die Presse aber gerade in Köln "hervorragend bewährt". Es sei schließlich der "Kölner Stadtanzeiger" gewesen, der als erster die Berichte der Betroffenen von der Kölner Domplatte in die Öffentlichkeit gebracht habe. Und auch in den Tagen danach hätten die Medien weiter recherchiert und damit ihre Aufgabe erfüllt.

Hart ging er dagegen mit Russland ins Gericht. Die russischen Vorwürfe über die angebliche Vertuschung einer angeblichen Vergewaltigung eines russlanddeutschen Mädchens in Berlin seien der Versuch eines fremden Landes, in Deutschland Propaganda zu machen. Wickert ging noch weiter. Der Begriff "Lügenpresse" sei möglicherweise bewusst lanciert worden, um in Deutschland Unfriede zu sähen. Allerdings hätten auch die USA 2003 mit angeblichen Beweisen zu Massenvernichtungswaffen im Irak die Öffentlichkeit belogen.

Wickert stellte seine Antrittsvorlesung unter das Thema "Freiheit und Journalismus", zwei weitere Vorträge wird er im April halten. Die Rektorin der Universität, Anja Steinbeck, sagte, die Berufung Wickerts sei kein Bekenntnis zur freien Presse gewesen, sondern zu Wickert als Person. "Ich gehöre zu der Generation, die sich von ihm eine geruhsame Nacht wünschen ließ", sagte sie. Wickert sei ein kritischer Journalist wie Heine, er habe den Frankreichbezug wie Heine, da sei seine Berufung nahezu zwangsläufig.

Der Andrang bei seinem Antritt war jedenfalls so groß, dass in zwei Säle übertragen werden musste. Da war der Publizist dann allerdings nur wieder indirekt zu erleben, wie damals, als er noch "Mr. Tagesthemen" war.

Quelle: RP
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