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Düsseldorf
Viel Vergnügen auf der "Großen"

Düsseldorf. Seit "Die große Kunstausstellung NRW Düsseldorf" sich als "Die Große" abkürzt, kommt sie flotter daher. Die neue Ausgabe ist amüsant. Von Bertram Müller

Kaum sind die Reste des Rundgangs in der Kunstakademie verschwunden, dient sich der nächste Rundgang an. Was die Gäste freuen kann, gab der Klasse Gursky zu denken. Denn mit ihrer neuesten Produktion hatte sie sich schon in der Akademie verausgabt. Was also sollte sie in der "Großen 2016" noch hervorzaubern?

Die Antwort ist von morgen an im Museum Kunstpalast zu besichtigen. Dort haben die 17 Studenten von Fotokünstler Andreas Gursky eine Werkstatt eingerichtet, die die Atmosphäre ihrer täglichen Arbeit spiegelt. Halbfertige Kunstwerke sind dort versammelt, dazu Werkzeuge und Krimskrams. Sogar eine Portion Müll hat die junge Mannschaft mitgebracht. Alle treten anonym hinter ihr Gesamthalbkunstwerk zurück.

In einer anderen Ecke der Ausstellungsräume darf sich der Träger des "Kunstpreises der Künstler" ausbreiten - oder besser: Er erweist dem gastgebenden Verein die Ehre. Denn der mittlerweile 76-jährige Benjamin Katz hat weit über die Kunstszene hinaus einen Namen. Den hat er sich gemacht, indem er mit seiner Kamera über Jahrzehnte Künstler vor allem aus dem Land an Rhein und Ruhr bei ihrer Arbeit begleitete.

Da hängen sie nun an den Wänden: Gerhard Richter, wie er ein Kerzenbild malt, Georg Baselitz bei der Auseinandersetzung mit dem Holz für seine Skulpturen, Günther Uecker liegend in einem Zugabteil auf der Fahrt zu seiner Ausstellung im Münchner Lenbachhaus und Joseph Beuys vom Betrachter abgewandt in der Ausstellung "Westkunst" in Köln. Oft scheint der Fotograf beim Druck auf den Auslöser gezwinkert zu haben. Das Doppelbödige seiner Kunst jedenfalls erhöht das Betrachten zum Vergnügen.

Demgegenüber hat es Förderpreisträger Andrej Wilhelms aus Düsseldorf mit seiner Malerei schwer, und das nicht nur, weil sie nicht an den Unterhaltungswert der Katzschen Fotokunst heranreicht. Andrej Wilhelms' Gratwanderung zwischen Abstraktion und Gegenständlichkeit wirkt recht designhaft. Vielleicht verkauft sich so etwas gut, bei Preisen von 1400 Euro werden die Chancen nicht schlecht stehen. Neben privaten Sammlern decken sich wieder die Stadt Düsseldorf und das Land NRW mit junger Kunst ein.

Das sollte man nicht vergessen: "Die Große" ist auch eine große Verkaufsausstellung. Eine ihrer teuersten Arbeiten stammt vom Ratinger Künstler Johannes Lenhart und trägt den Titel "Erweiterte Hoffnung". Sie füllt als Installation die vordere Stirnwand des größten Ausstellungssaals: ein ausgemustertes Vierer-Ruderboot, das schräg an Drahtseilen von der Decke hängt. Originale Etagen-Hinweisschilder des alten Düsseldorfer Arbeitsamts sind dem symbolisch aufgeladenen Boot beigegeben.

Während die meisten Künstler der "Großen" die Besucher im Unklaren darüber lassen, was sie im Schilde führen, gibt Lenhart an Ort und Stelle schriftlich Auskunft: Sein Werk will Beuys' "Erweiterten Kunstbegriff" illustrieren, zum Gelingen der "Sozialen Plastik" und damit zu einem guten Zusammenleben der Menschen untereinander beitragen. Und wer es nicht schon ahnte, erfährt dazu, dass die "Erweiterte Hoffnung" auf Caspar David Friedrichs Gemälde "Das Eismeer (Die gescheiterte Hoffnung)" anspielt.

Die Schau umfasst rund 430 Kunstwerke von 126 Künstlern, ausgewählt von einer Jury: viel Malerei zwischen gegenständlich und ungegenständlich, dazu Fotografie, Objekte und ein wenig Videokunst. Was man beim Flanieren nicht übersehen sollte: Katharina Veerkamps hochästhetisches Objekt "Raumkrümmung", eine Reihe aufgeblätterter Glasscheiben, die auf schwarzem Grund an einem Kantholz befestigt sind. Dazu vom Kölner Fotografen Boris Becker das großformatige Lichtbild "Tanzsaal", auf dem ein Piano inmitten eines heruntergekommenen Repräsentationsraums zu sehen ist, darüber steht in kyrillischen Buchstaben: "Vorwärts zum Sieg des Kommunismus".

Vom Künstlerpreisträger des vorigen Jahres, Felix Droese, stammt ein roh gezimmertes "Standbein", von dem der Künstler den Schriftzug "Libertas" auf ein darunter liegendes Tuch gedruckt hat. Und wer ein Faible für die Vereinigten Staaten von Amerika hat, der kann sich an Thomas Schielas großformatigem Aquarell-Diptychon "Las Vegas Stratosphere" berauschen; zu sehen sind eindrucksvolle Luftaufnahmen bei Nacht.

Mit einem Preis von 48.000 Euro ist dies das teuerste Angebot der "Großen". Die meisten Werke sind mit vierstelligen Preisen versehen, einige mit nur dreistelligen. Und das Schöne daran: Viele sind ihren Preis wert.

Quelle: RP
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