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Düsseldorf
Viele wollen einfach nur mal Dorothee Achenbach sehen

Düsseldorf. Die Journalistin und Kunsthistorikerin las aus ihrer Autobiografie "Meine Wäsche kennt jetzt jeder" in der Mayerschen Droste Buchhandlung. Von Thomas Hag

Jürgen Kron, der Geschäftsführer des Droste-Verlages, bei dem das Buch von Dorothee Achenbach erschienen ist, darf sich freuen. Nicht nur darüber, dass die Autobiografie bereits über 50.000 Mal verkauft worden ist, sondern auch darüber, dass eine Verfügung gegen das Buch durch die Witwe des betrogenen Supermarkt-Moguls Albrecht zurückgezogen wurde. Es darf nun also ohne Schwärzungen weiterhin vertrieben werden. Das waren die einführenden Worte für Dorothee Achenbach, die in der Mayerschen Droste Buchhandlung aus "Meine Wäsche kennt jetzt jeder" las.

Die Autorin, groß, schmal, mit grüner Bluse und schwarzem Rock, ist als Kunsthistorikerin und Journalistin mit dem gesprochenen Wort vertraut, zumal mit ihrem eigenen - sie liest dem oft distanzierten Humor angemessen, da stören eigentlich nur ein paar Aussetzer des Mikrofons und eine unerklärlich blinkende Lampe in der Decke der Leseinsel. In den Regalen stehen Globen und Atlanten, und es erscheint passend, dass das Unglück die Familie Achenbach - denn hineingezogen wurden viele Menschen - nach dem Rückflug aus Amerika 2014 ereilte. Eben war der Orkan Ela über Düsseldorf getobt, jetzt senkte sich ein Unwetter anderer Art über den damaligen Kunstberater.

Der Lauf der Geschichte bis heute ist bekannt. Was also treibt das Publikum, die meisten davon Frauen, so zahlreich zur Lesung? Zum einen ist es die Geschichte eines Falls, der Sturz der Schönen, der Reichen und der Mächtigen auf eine Ebene, die weit unter der des Betrachters liegt, zumindest auf den ersten Blick. Neben den Neugierigen sind aber auch die gekommen, die vielleicht früher mit dem Kunstbetrieb Helge Achenbachs zu tun hatten, der in dem Buch Bernhard Krämer genannt wird und gegen den derzeit eine neue Anzeige läuft.

Viele möchten auch einfach mal die Frau sehen, die aus der feinen Stadtwohnung in eine normale Mietwohnung ziehen und im Supermarkt auf Sonderangebote achten musste. Mag sein, dass mancher diese Düsseldorfer Geschichte auch mit Häme betrachtet. Dorothee Achenbach scheint aber fast unangetastet zu bleiben,

So gab es dann auch beim anschließenden Signieren aufmunternde Worte wie "Lassen Sie sich nicht unterkriegen" zu hören. Welches Licht die Tragödie um Aufstieg und Fall auf die Szene um Kunstbetrieb, Sammelleidenschaft und Eitelkeiten wirft, das ist eine andere Geschichte.

Quelle: RP
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