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Düsseldorf
Voll unter Strom: Richling im Schauspielhaus

Düsseldorf. Mathias Richling hatte angekündigt, für sein neues Programm nur einen einzigen Stuhl auf die Bühne zu stellen. Im Großen Haus des Schauspiels wurden es dann doch ein paar Dutzend, die, ähnlich wie in Eugène Ionescos frühem Einakter "Die Stühle", für bestimmte Personen standen. Von Claus Clemens

"Richling spielt Richling" heißt der zweistündige Abend, und eine irrwitzige Vorszene um den Kartenverkauf für eine nicht stattfindende Vorstellung hetzt den Kabarettisten auf die Riesenbühne. Dann geht es gleich weiter im bekannten Richling-Tempo, und bald wundert sich niemand mehr darüber, warum der Mann aussieht wie ein Hungerhaken. Allein um das scheinbare Durcheinander der Stühle zu seinem dramaturgischen Klettergerüst zu ordnen, rennt er viele Dutzend Mal von rechts nach links. Dazu ein Zappeln, ein ständiges Rucken des Körpers, als ob seine Finger in der Steckdose schmorten. Richling steht unter Strom.

Auf dem mächtigen schwarzen Stuhl mit Armlehnen spielt er das Interview mit Altkanzler Helmut Kohl, auf dem kleineren roten wechselt Ulla Schmidt mit Andrea Nahles - "ezättera, ezättera", um es mit den Worten Wolfgang Schäubles zu sagen. Jeder bespielte Stuhl wird als aufgebraucht zur Seite geräumt.

Herausragend gerät eine längere Szene: Angela Merkel bei Sigmund Freud zur Psychoanalyse. Dafür gibt es viel Applaus, genau wie für viele Hammersprüche. "Lassen wir doch mal den Ausländer heraus aus dem Dorf", fordert Seehofer, und Wowereit hat keine Lust, über das BER-Desaster zu greinen: "Vorfreude ist die schönste Freude, die haben wir den Berlinern auf Jahre garantiert." Nicht immer trifft der Parodist den Dialekt oder Sprachduktus des Originals, da hilft die Namensnennung.

Wenn er die Bühne fast leer geräumt hat, könnte Mathias Richling sich im goldenen Schaukelstuhl zur Ruhe setzen und fernsehen. Könnte, doch in dem vor sich hin knötternden "Fernsehschwaben" toben Ampère und Volt weiter.

Quelle: RP
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