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Düsseldorf
Wechselbad der Gefühle als "Terror"-Pilot

Düsseldorf. Der Schauspieler Moritz von Treuenfels ist neu in Düsseldorf. In Ensemble des Schauspielhauses ist er glücklich. Von Regina Goldlücke

Nach der Premiere von "Terror" in Düsseldorf und dem ersten Freispruch für den angeklagten Kampfpiloten befand der anwesende Autor Ferdinand von Schirach mit sanfter Ironie: "Das Publikum hatte wohl auch Mitleid mit dem netten jungen Mann, es wollte ihn nicht hängen lassen." Ein Dutzend Vorstellungen später hat sich nichts geändert. Noch nie kam es in Düsseldorf zu einer Verurteilung von Lars Koch, der sich für den Abschuss einer Passagiermaschine mit 167 Menschen rechtfertigen muss. Und bis auf eine einzige Ausnahme in Berlin auch an keinem der anderen Theater, an denen "Terror" sich in diesen Wochen als Zuschauermagnet erwiesen hat.

"Die Figur wurde ganz bewusst als Sympathieträger angelegt", sagt Moritz von Treuenfels über seine Rolle. "Da sitzt keine Killermaschine vor Gericht, sondern ein reflektierter, sensibler und reifer Mensch. Er hat Schuld auf sich geladen, weil er nicht anders konnte. Diese Gewissensentscheidung verstehen die Zuschauer." Er selber auch?

Von Treuenfels zögert. "Ich bin mit meiner Meinung durch viele verschiedene Phasen gegangen, ein Prozess, der für mich noch nicht beendet ist. Anfangs war ich natürlich ganz klar für Freispruch. Inzwischen würde ich wohl für schuldig plädieren, aber eine milde Strafe verhängen. Doch dieses Hintertürchen lässt uns der Autor leider nicht offen." Die Premiere habe er zwiespältig empfunden, erinnert sich der Schauspieler. "Die ganze Zeit, in der ich dort oben saß, dachte ich - was passiert hier eigentlich? Wir sind im Theater, das ist doch immer noch Illusion!"

Auch beim Blick auf die hochkonzentrierten Zuschauer habe er seitdem stets das Gefühl, sie hätten vergessen, ob sie einer echten Gerichtsverhandlung oder einem Bühnengeschehen folgten. "Die Aufführungen bleiben unverändert spannend", sagt von Treuenfels, "jedes Mal kann sich alles neu und anders entscheiden."

Moritz von Treuenfels spielt erst seit einem Jahr in Düsseldorf und gleich diese wunderbaren, gegensätzlichen Rollen: den verliebten Ferdinand in Shakespeares "Sturm", den seelisch belasteten Angeklagten und parallel dazu einen der leichtfüßigen "Comedian Harmonists" - ebenfalls ein Renner am Schauspielhaus. Den einen Abend "Terror", den anderen Abend beschwingtes Musiktheater, wie lässt sich das vereinbaren? "Ich finde diesen Kontrast sehr befreiend", antwortet der 26-Jährige. "Er könnte größer kaum sein. Einmal die volle und fast bewegungslose Konzentration auf eine Debatte, der man sich nicht entziehen kann. Und dann der Unterhaltungsabend, bei dem ich mich freispielen und zusammen mit den anderen entwickeln kann. Aber das Schönste dabei ist für mich am Ende die Musik."

Fast hätte er sich ganz für sie entscheiden. "Ich bin auf einem Dorf bei Eutin aufgewachsen", erzählt Moritz von Treuenfels, "wir waren fünf Kinder, da wurde ständig Musik gemacht. Als Siebenjähriger fing ich mit dem Cello an." Übers Theaterspielen in der Waldorfschule und die seltenen Fernseherlebnisse, die ihm und seinen Geschwistern von den Eltern zugebilligt wurden, entdeckte der Junge eine faszinierende Welt. "Ich mochte mich gern in Dinge hineinfantasieren und wollte alles ausprobieren. Deshalb die Schauspielschule." Nach dem Studium in München und Auftritten an diversen Theatern gehört Moritz von Treuenfels zum ersten Mal fest einem Ensemble an. Er ist glücklich: "Man hat mich in Düsseldorf mit offenen Armen empfangen. Eine Willkommenskultur, wie ich sie nicht erwartet hätte."

Quelle: RP
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