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Düsseldorf
Wenig Hellsicht in der blinden Stadt

Düsseldorf. Das Stück nach dem Roman von José Samarago funktioniert im FFT Juta kaum. Von Thomas Hag

Zunächst einmal ein großes Lob für die zwei Tänzerinnen und drei Tänzer der Cooperativa Maura Morales in "Stadt der Blinden" im FFT Juta. Was sie zeigen, verlangt Bewunderung ab: die Leichtigkeit der Bewegungen, die Athletik, die Aggressivität, das alles zeugt von großem Können. Akrobatische Hebefiguren wirken wie leichte Übungen.

Dennoch kann das Stück nicht völlig überzeugen, und das hat seine Gründe. Da ist zum einen die Vorlage nach dem apokalyptischen Roman von José Saramago, in der die Blinden eine Stadt bevölkern und schließlich in eine Art Lager gesperrt werden. Auch wenn die Regisseurin dies nur als Ausgangspunkt benutzt, so wird die Vorgabe doch arg strapaziert. Zu augenfällig ist das Herumtasten, das Aneinander-Stoßen, die Aggression, zu naheliegend ist das Bild, wenn die Blinden die Blinden führen. Da scheint es manchmal nicht genug Platz zu geben für die Akteure auf der Bühne. Auch die elektronische live eingespielte Musik von Michio ist zu plakativ, verlässt sich auf schwer dräuende Sounds, die in sich zwar überzeugen, als Begleitung aber nur selten funktionieren. Eingestreute Perkussion, die durch Loops und Echos verfremdet wird, ist attraktiv, wirkt jedoch oft nur wie der Anfang von etwas, das vielversprechender scheint, als es ist.

So wie auch das Bühnenbild, dessen halb durchsichtige Paneele zunächst streng und künstlerisch wirken, vor denen das Ensemble jedoch etwas deplatziert scheint. Das Weiß, das Bühne, Licht und Kostüme dominiert, überzeugt jedoch als Metapher für die plötzliche Blendung, eine Krankheit, die auch für unkontrolliertes Zucken sorgt. Das letzte Viertel der 70 Minuten ergeht sich zudem in plakativen Einzelheiten, immer wieder kann man sich nur an der Brillanz der Akteure erfreuen. Bei all ihrer Begabung, Morales wurde bereits mit dem Förderpreis Darstellende Kunst der Stadt Düsseldorf ausgezeichnet, kann sie sich dieses Stück nicht wirklich aneignen.

Quelle: RP
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