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Düsseldorf
Wenn der Nussknacker HipHop tanzt

Düsseldorf: Wenn der Nussknacker HipHop tanzt
Klassische Elemente, aber auch Schritte aus dem HipHop und Breakdance sind bei der Neuinszenierung zu sehen. Auch das Bühnenbild hat einiges zu bieten: Laserstrahlen zucken wild, und 3D-Videoprojektionen illustrieren Metropolen wie das fiebrige New York oder das schillernde London. FOTO: Daniel Ohlsson
Düsseldorf. Mit einer rasanten Bühnenshow und moderner Handlung präsentiert sich das Tanzmärchen "The Nutcracker Reloaded". Vom 16. bis 21. Januar ist die Neuinszenierung von Tschaikowskis Klassiker im Capitol-Theater zu sehen. Von Regina Goldlücke

Man nehme einen der bekanntesten Ballett-Klassiker, kreuze ihn mit HipHop und Breakdance, verpasse ihm eine aktualisierte Handlung und spektakuläre visuelle Effekte: Nach dieser Rezeptur entstand "The Nutcracker Reloaded". Schöpfer des modernen Tanzmärchens nach Tschaikowskis "Nussknacker" ist der schwedische Choreograf Fredrik Rydman. Von Mitte November bis nach Neujahr war das Spektakel im Stockholmer Dansens Hus zu sehen. Jetzt bricht die Truppe zu einer kleinen Deutschland-Tournee auf, gastiert in Hamburg, Frankfurt und vom 16. bis 21. Januar auch im Düsseldorfer Capitol-Theater.

Die Neu-Interpretation behält das Grundmuster des "Nussknackers" bei. Der rote Faden bleibt erkennbar, mehr aber auch nicht. Dem dreifachen Vater Fredrik Rydman erschien die Geschichte um die kleine Clara, die sich in der Ballett-Vorlage ins Reich der Süßigkeiten träumt, allzu zuckrig. Die Kämpfe wiederum, die sie sich dabei ausmalt, waren ihm zu militaristisch. Aber leicht macht er es seiner kleinen Heldin nicht. In seiner Version haust Clara auf einer Müllkippe. Ein verlassenes Kind, dessen Eltern in einem fernen reichen Land betteln gehen, um die Existenz der Familie zu sichern.

Die Idee kam ihm in den Sinn, als er im Radio die rührende Geschichte von zwei Obdachlosen hörte: "Jemand schenkte ihnen einen Teddybären, den sie dann zu ihrer Tochter nach Rumänien schickten", erzählt Rydman. "Das hat mich sehr bewegt und dazu angeregt, mit meinem Tanz-Theater das Schicksal einer getrennt lebenden Familie aufzugreifen." Der Patenonkel, von dem Clara den Nussknacker bekommt, ist hier ein gewissenloser Organhändler. Das Spielzeug befindet sich in einem erbärmlichen Zustand, dem hölzernen Kerl fehlen die Beine.

Clara ist trotzdem selig über den ramponierten Gefährten, bastelt ihm aus Abfall neue Füße und erweckt ihn so zum Leben. Und wie gut er damit tanzen kann! Weil der böse Onkel Drosselmeyer noch weitere Figuren bei dem Mädchen ablädt, entfesseln sich mit Darth Vader ("Star Wars") und Super Mario (aus dem Nintendo-Spiel) rasante Szenen. Eine wilde Schar fegt in hohem Tempo über Gerüste, klettert geschmeidig wie Katzen in die Höhe. Laserstrahlen zucken wild durchs Bühnenbild, 3D-Videoprojektionen illustrieren Metropolen wie das quietschbunte London der Swinging Sixties, das fiebrige New York oder die Farbenpracht von Peking. Augen und Ohren werden ständig bedient: von atemberaubenden Breakdance-Einlagen, von Electronic-Sounds und Pop-Songs. Bei Tschaikowskis klassischer Original-Musik aber kehren Ruhe und Zauber ein.

Fredrik Rydman glaubt an die generationenübergreifende Faszination von "The Nutcracker Reloaded". Er habe bei seinem Konzept die ganze Familie im Sinn gehabt: "Die Erwachsenen werden das Kind in sich entdecken, wenn sie die Show mit den Augen eines Kindes sehen. Sie verstehen den brennenden Wunsch, mit den Eltern vereint zu sein. In diesem Märchen ist alles möglich, und alles kann passieren." Dabei scheut er auch vor krassen oder zutiefst traurigen Szenen nicht zurück, die aber durch Witz und Komik gleich wieder aufgebrochen werden.

Dieser pulsierende Stilmix funktionierte 2011 schon bei "Swan Lake Reloaded". Darin verlagerte Rydman "Schwanensee" ins Rotlichtmilieu - mit einem Riesenerfolg und 250.000 Zuschauern. Der kurze Vorjahres-Abstecher mit "Nutcracker Reloaded" nach München zeigte ihm erneut: "Das deutsche Publikum hat eine stärkere Verbindung zum Ballett als meine Landsleute. Es gibt eine inspirierende Kommunikation zwischen dem Saal und der Bühne. In Schweden will man lieber nur bedient werden." Wohl deshalb bettete er einen Schauspieler ein, der das Geschehen mehrfach unterbricht und humorvoll erläutert. Die Tänzer stehen daneben und werden in seine Kommentare eingebunden. Das wirkt für uns tatsächlich etwas gewöhnungsbedürftig. Die Stockholmer Zuschauer verfolgten die lustigen Einlagen jedoch höchst amüsiert. Auch in Düsseldorf wird dieser Erzähler dabei sein, er spricht Deutsch mit schwedischem Akzent. Fredrik Rydmans Erfahrung: "Bei einem Handlungsballett kann es hilfreich sein, wenn man genau weiß, was gerade geschieht."

Er ist ein vielseitiger Künstler. 2016 war er für die Eröffnungs- und Pausenchoreografien beim "Eurovision Song Contest" in Stockholm verantwortlich. Aktuell schuf er die Tanzszenen für das Musical "Fack Ju Göthe", das am 21. Januar im Münchner Werksviertel-Theater Premiere feiert.

Quelle: RP
 
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