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Düsseldorf
Wie gemalt

Düsseldorf. Die Düsseldorfer Fotokünstlerin Claudia Rogge stellt ihre neuesten Werke unter dem Titel "PerSe" ab heute in der Galerie Voss aus. Von Dagmar Haas-Pilwat

Seit ihren künstlerischen Anfängen in den 90er Jahren ist sie ihrem Thema treu geblieben: Die Spannung zwischen dem Individuum und seinem Versinken in der Masse.

Bislang galt Claudia Rogge als eine Meisterin der fotografischen Choreographie, wenn es darum ging, welche Rolle der Einzelne in der Gruppe spielen soll. Sie hat Bilder arrangiert, die wie ein einziger Schuss aussehen, wie eine authentische Aufnahmen anmuten - doch in Wirklichkeit Digital-Montagen einer Vielzahl von Fotos sind.

In ihren neuesten Arbeiten jedoch tauchen - wie schon der Ausstellungs-Titel "PerSe" signalisiert - Mensch, Tier und Pflanzen als Unikate auf. "Ich bin immer noch erstaunt, wie lange ich gebraucht habe, bis ich mich zum ersten Mal dem Einzelnen genähert habe", sagt die 50-Jährige.

Und nicht nur das - sie hat sich auch formal weg bewegt von den wuchtigen 2,15 Meter auf 1,65 Meter großen Hochglanz-Formaten hin zum Triptychon und den wie Schaukästen anmutenden zwölfteiligen Installationen.

Da ist das wie eingefroren wirkende Porträt der jungen Frau mit der strengen Flechtfrisur, dem dunklen Kleid und der schimmernden Perlenkette um den Hals. Erhaben, stolz, aufrecht, würdevoll wirkt sie in ihrer Pose und lässt mit ihrem strengen Blick den Betrachter nicht aus den Augen.

Gleiches gilt für ihr Pedant: das Eichhörnchen - auf der rechten Tafel des dreiteiligen Ensembles als ausgestopftes Tierpräparat präsentiert. In der Mitte des sakral tradierten Formats ist der Akt eines in sich kauernden Menschen dargestellt. Doch was verbindet diese Drei?

"Liebe und Tod, Natürlichkeit und Künstlichkeit, Ornament und Ordnung sind seit jeher meine Themen", erklärt Rogge. Nur diesmal treibt sie die Frage, wo die Grenzen zwischen Kunst und Wirklichkeit, wo sich das lebende Modell vom Präparat unterscheidet, auf die Spitze. Wie ein surrealistischer Filmregisseur komponiert Rogge dabei ihre Fotos, die alle eines gemeinsam haben: den schwarzen Hintergrund.

Innerhalb der triadischen Struktur hält jedes einzelne Bild einen Moment fest, der vom Betrachter individuell weitergedacht oder hinterfragt werden kann. Warum ist denn beispielsweise ein Eichhörnchen zu sehen? "Weil ihm zahlreiche weibliche Charaktereigenschaften wie flink, neugierig und Multitasking nachgesagt werden", erklärt die Künstlerin. Und warum steht dem diabolisch blickenden Mann mit der roten Fliege ein Schakal gegenüber? Weil der Wolf in der altägyptischen Liebeslyrik als Kosename für den Liebhaber auftrete, so die Künstlerin.

Während der zwei Jahre dauernden Arbeit an ihrem "PerSe"-Projekt -vom Drehbuch schreiben über die Kostüme, Objekte und Maskenbildner bis zu praktischen Arbeiten im Fotostudio - sei sie schon zu einer Expertin in Sachen Tier-und Pflanzenwelt geworden, meint Claudia Rogge.

Denn neben den aus einer privaten Sammlung ausgeliehenen Tierpräparaten wie Schakal, Büffel oder Erpel blättert die Künstlerin in ihren Schaukästen auch eine Fülle erotisch, lasziv wirkender Pflanzen auf. "Die meisten habe ich während der Fotosession in meinem Dorf in Frankreich gefunden", sagt Rogge. Darunter die leuchtend rote Sukkulente, die wie Dornenkronen wirkenden Kakteen oder der Rotkappen-Pilz, die tropische Kannenpflanze und die Wolfsmilchgewächse.

Zwar stärker als bisher geht Claudia Rogge vom Einzelbild und vom Individuum aus und verwendet dabei streng formale, nahezu puristische Aspekte. Aber auch in ihrer jüngsten Serie knipst sie sehr wirkungsvoll beim Betrachter das Kopf-Kino an.

Quelle: RP
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