| 11.29 Uhr

Düsseldorfer Schauspielhaus
Wir-Gefühl im Theaterzelt

Düsseldorfer Schauspielhaus: Wir-Gefühl im Theaterzelt
Sönke Wortmann, Wilfried Schulz und Isabelle von Rundstedt sowie Hans-Michael Strahl und Michael Bröcker (v.l.) im Theaterzelt. FOTO: Anne Orthen
Düsseldorf. Mehr als 450 Menschen kamen am Donnerstagabend zu den Rheinterrassen, um ein energiegeladenes Shakespeare-Spektakel zu erleben. Von Dorothee Krings

Gerade haben sich die Queen's Men noch die Degen zugeworfen, haben einander die Klingen um die Ohren gehauen, dass es scheppert, sind mit akrobatischer Lust gesprungen, gefallen, über den hölzernen Bühnenboden gerollt. Action analog funktioniert auch im Computerspiel-Zeitalter. Doch schon wird es still in der Manege, Lou Strenger und Stefan Gorski treten ins Licht und singen zart und berührend einen Song über Romeo und Julia, das berühmte Liebespaar, die Rollen, die sie sonst als Schauspieler verkörpern. Und für einen Moment ist da dieser glückliche Gedanke: Wie viel Talent und wie viel Energie doch in so einem Ensemble stecken!

Lange Schlangen an den Rheinterrassen

Das Schauspielhaus hat das Rondell im Theaterzelt für einen Abend den Schauspielern überlassen - für ein Spektakel inspiriert von Werken des großen William Shakespeare. Und schon lange vor Einlass bildeten sich Schlangen vor der hell erleuchteten Spielstätte an den Rheinterrassen. Die Zuschauer waren diesmal nicht nur gekommen, um ein spielwütiges Ensemble in ungewohnten Rollen und die erste Shakespeare-Monolog-Battle der Theatergeschichte zu erleben, sondern auch, um ein Zeichen für ihr Theater zu setzen. Der Erlös aus den Tickets für das einmalige Spektakel, zu dem die Rheinische Post eingeladen hatte, unterstützt die Spendenaktion "Schauspielhaus2020". Bis zum Jahr des 50-jährigen Bestehens des Theaters am Gustaf-Gründgens-Platz sollen die Publikumsbereiche des Hauses wieder Orte werden, an denen Menschen sich wohlfühlen. Dazu wollen Bürger sechs Millionen Euro sammeln. Wird das Spendenziel erreicht, legen die Stadt knapp zwei und das Land vier Millionen Euro dazu.

Spektakel fürs Schauspielhaus: Hanna Werth als Queen Elizabeth, begleitet von Sven Gey an der Blockflöte. FOTO: Anne Orthen

"Die Stadt macht also ein gutes Geschäft", sagte Intendant Wilfried Schulz in einer kurzen Gesprächsrunde, die sich vergnüglich ins Programm fügte. Ob er Oberbürgermeister Thomas Geisel nicht eigentlich dankbar sein müsse, dass dieser mit seinen Gedankenspielen über eine Fremdnutzung des Theaters das Engagement der Bürger angestachelt habe, wollte Michael Bröcker, Chefredakteur der Rheinischen Post, wissen. "Gemeine Frage", konterte Schulz und zeichnete den Verlauf der Debatte als Drama in mehreren Akten nach, das sich hoffentlich als Komödie mit gutem Ausgang entpuppen werde. Für sie sei das Schauspielhaus ein Ort, der Identität stiftet - architektonisch wie durch das, was im Theater geschieht, sagte Isabelle von Rundstedt, Mitglied im Kuratorium "Schauspielhaus2020". Auch der Vorsitzende des Freundeskreises, Hans-Michael Strahl, betonte die Bedeutung des Hauses, "das ist unser Eiffelturm", und erinnerte daran, dass die Zuschauer mit ihrer Spende ihr eigenes Theater verschönerten. "Das Foyer ist unser aller Wohnzimmer, und das soll wieder gastfreundlich werden", so Strahl. Den ersten Schritt dafür hat Regisseur Sönke Wortmann getan. Er erzählte, wie er mit Darstellern des Ensembles in nur wenigen Tagen die Werbefilme zur Spendenaktion produziert hat. "Normalerweise gibt's mehr Zeit", sagte Wortmann. Doch als die Filme dann gezeigt wurden, zeigte die Reaktion des Publikums, dass Zeitdruck manchmal gar nicht schadet.

 "Sommernachtstraum" 

Dramaturgischer Höhepunkt des Abends war der Monolog-Wettstreit der Shakespeare-Helden und -Schurken, der sich als ziemlich ausuferndes Unterfangen erwies. Gleich neun Darsteller ergriffen die Chance, die Manege einmal ganz für sich zu haben. Als Preis hatte Hanna Werth, die in Gestalt der Virgin Queen Elizabeth charmant durch den Abend führte, die Krone aus der berühmten Macbeth-Inszenierung von Jürgen Gosch ausgelobt. Die landete am Ende auf dem Haupt einer Darstellerin des jungen Ensembles aus dem "Sommernachtstraum" - und zwar ganz ohne Abstimmung. Die üblichen Casting-Routinen wollte das Theater nicht mitspielen. Dafür ein Wir-Gefühl erzeugen - wenn auch mit ironischer Note. So übte Serkan Kaya mit dem Publikum einen Akkord ein, blockweise sollten Töne gesummt werden - und gerade als das funktionierte, gab er bekannt, dass es sich um die Töne a, f, d gehandelt habe. Lachen im Zelt. An diesem Abend gab es keine unsichtbare Wand zwischen Schauspielern und Publikum - die auf der Bühne machten denen auf den Bänken nichts vor. Diesmal feierte man gemeinsam das Theater - in Vorfreude auf die Rückkehr in ein Haus mit großer Tradition - und Zukunft im Herzen der Stadt.

Quelle: RP
 
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