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Serie Düsseldorf In Kunstwerken
Wo einst die Kunstakademie stand

Düsseldorf. Wir stellen Kunstwerke vor, in denen Düsseldorf eine Rolle spielt. Den Auftakt macht ein berühmtes Gemälde von Andreas Achenbach. Von Bertram Müller

Manchmal erschrickt man beim Lesen, zum Beispiel bei "Die Betrogene", der letzten Erzählung von Thomas Mann. Ohne das man damit gerechnet hätte, spielt die Geschichte nämlich in Düsseldorf; in Schloss Benrath, um genau zu sein. Als Bewohner dieser Stadt freut man sich darüber und hat sogleich das Bedürfnis, anderen davon zu erzählen. So kann es einem mit vielen Werken gehen, in denen Düsseldorf vorkommt, und wir widmen diesem Phänomen nun eine kleine Serie. In jeder Episode stellen wir einen Film, ein Bild, ein Lied oder einen Text vor, in dem unsere Stadt eine Rolle spielt. Manche Entdeckung ist dabei (Wer wusste schon, dass Düsseldorf in "Kir Royal" vorkommt?) und mancher Klassiker (Grass! "Blechtrommel"!). Im ersten Teil geht es um "Die alte Akademie in Düsseldorf" von Andreas Achenbach.

Bis zum Brand des Jahres 1872 befand sich die Düsseldorfer Kunstakademie im einstigen Galeriegebäude des Kurfürstlichen Schlosses. Im Erdgeschoss waren Bibliothek, Wohnungen und Arbeitsräume untergebracht, im ersten Obergeschoss hatten die Professoren ihre Ateliers. Zu weiteren Arbeitsräumen und zum Raum der Landschaftsklasse gelangte man auf der zweiten Etage. Wie das Gebäude von außen aussah, davon hat Andreas Achenbach (1815-1910) ein Bild überliefert. "Die alte Akademie in Düsseldorf" misst 65 mal 81 Zentimeter, zählt zum Bestand des Museums Kunstpalast und gehört zu den Werken, auf die kein Kurator verzichten mag, der die Kunst der Düsseldorfer Malerschule zu inszenieren hat.

Das könnte zu dem Schluss verleiten, dass Achenbach ein malender Chronist der Stadt war, von der sein Ruhm ausging und in die er immer wieder zurückkehrte. Doch das war er nur nebenbei. Er malte Motive des Rheinlands wie etwa eine Landschaft mit Kirche in Schwarzrheindorf im heutigen Bonn, die Landschaft an der Erft und einen "Gottesdienst in St. Lambertus", doch den Schwerpunkt seines Lebenswerks bilden die Landschaften und Seestücke, die er von seinen Reisen mitbrachte: aus den Niederlanden, Skandinavien, den Alpen, der Campagna und von Capri.

In Düsseldorf dagegen hatte Achenbach sich mit der "Alten Akademie" ein Denkmal gesetzt, bevor sein Erfolg als Kopf der Malerschule zu erahnen war. Bereits als Kind hatte er Zeichenunterricht bekommen, mit zwölf begann er unter anderem bei Wilhelm von Schadow seine Kunstausbildung. In einer Ausstellung des "Kunstvereins für die Rheinlande und Westfalen", den Schadow mitgegründet hatte, erzielte Achenbach 14-jährig seinen ersten Erfolg: Aus einer Ausstellung wurde eines seiner Gemälde verkauft. Weitere Verkäufe folgten.

In "Die alte Akademie in Düsseldorf" wählte der erst 16-jährige Akademieschüler den Ausblick von einem Fenster der Wohnung seiner Eltern im Haus Burgplatz 152. Das war untypisch für die damalige, romantisch ausgerichtete Düsseldorfer Malerei, auch unerwünscht von den Lehrern der Akademie. Ihnen galt die Schilderung der Wirklichkeit als unkünstlerisch, das Gebäude-Motiv als bildunwürdig. Und auch, dass der ehrgeizige junge Achenbach so selbstbewusst war, sich in seinem in zwei Monaten entstandenen Gemälde in der Mitte des Vordergrunds mit einer Zeichenrolle zu postieren, wird den Lehrern nicht gepasst haben. Zumindest der Kunstverein aber wusste das Bild zu schätzen. Noch im Entstehungsjahr erwarb er es für seine Verlosung.

Als Achenbach 94-jährig starb, waren die Störfeuer von einst vergessen. Halb Düsseldorf, so wird berichtet, war auf den Beinen, um im Haus des Malkastens an der Jacobistraße Abschied zu nehmen. Sein frühes Bild von der alten Akademie bietet mit seinen Figuren auch einen Einblick in den damaligen Alltag der Stadt. Der repräsentative südliche, durch helles Sonnenlicht hervorgehobene Trakt des Schlosses mit seinen großen Atelierfenstern setzt sich gegen den durch französische Truppen 1794 beschädigten Schlossflügel in der rechten Bildhälfte ab. Im verschatteten linken Teil erstreckt sich diagonal bis zur Bildmitte die Hauptwache als Abschluss des Platzes, der auch als Trödelmarkt genutzt wurde. Gesellig war Düsseldorf schon immer.

Quelle: RP
 
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