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Düsseldorf
Yaron Herman spielt bei "Jazz im Goethe-Museum"

Düsseldorf. Der 35-jährige Pianist lebt seit 15 Jahren in der Jazzmetropole Paris. Am Donnerstag spielt er Stücke aus dem Album "Everyday". Von Barbara Steingießer

Die Geschichte vom sensationellen Start seiner Musikerkarriere wurde schon oft erzählt. Und obwohl die Ankunft des israelischen Pianisten Yaron Herman in der Jazzmetropole Paris bereits 15 Jahre zurückliegt, sorgen Zufälle - oder sind es Launen des Schicksals? - immer wieder dafür, dass man sich erinnert. An Stationen eines Lebens, die kein Roman-Autor besser hätte erfinden können.

Eigentlich hatte Yaron Herman Basketball-Profi werden wollen und erste Erfolge in der israelischen Junioren-Nationalmannschaft gefeiert. Doch dann kam alles anders. Eine schwere Knieverletzung setzte seiner Sportlerlaufbahn ein vorzeitiges Ende. Was tun? Herman suchte eine neue Herausforderung, einen Weg, seine Energien in sinnvolle Bahnen zu lenken, und begann, Klavier zu spielen. Und das, obwohl sonst niemand in seiner Familie Musik machte und obwohl er bereits 16 Jahre alt war.

Sein bisher unentdecktes Talent, sein von ihm selbst als "obsessiv" bezeichnetes Üben und die ganzheitliche Unterrichtsmethode seines Lehrers, der auch als Business-Coach für die Wirtschaft arbeitet, führten dazu, dass der junge Pianist schon nach zwei Jahren bereit war, zum Studium an das renommierte "Berklee College of Music" nach Boston zu gehen. Weil jedoch das leistungsorientierte Studiensystem in den Vereinigten Staaten mit seiner freiheitlichen Auffassung vom Jazz nicht zu vereinbaren war, entschloss er sich nach zwei Monaten, nach Tel Aviv zurückzukehren.

Bei einem Zwischenstopp in Paris verzögerte ein Schneesturm den Weiterflug. Herman ging zur Jam-Session in einen Jazzclub, wurde vom Fleck weg engagiert und blieb. So kam es weder in Tel Aviv noch in Boston zum Kennenlernen mit seinem Landsmann, dem heute in New York ansässigen Schlagzeuger Ziv Ravitz, der am Berklee College studierte und den Herman heute als seinen "musikalischen Bruder" bezeichnet.

Sie trafen sich später in Europa. Im Duo haben die beiden das Album "Everyday" eingespielt, das sie am kommenden Donnerstag im Düsseldorfer Goethe-Museum vorstellen. Der verblüffendste Song von "Everyday" geht auf eine Begegnung zurück, für die wieder einmal eine Naturgewalt verantwortlich war. Diesmal kein Schneesturm, sondern ein Vulkanausbruch. Eine weitere spannende Anekdote in der Lebensgeschichte des jungen Pianisten, die er vielleicht beim Konzert erzählen wird. Seine Musikerlaufbahn indes ging von Paris aus weiter bergauf, bis sich für ihn 2015 ein Traum erfüllte: ein Vertrag mit der legendären Plattenfirma "Blue Note".

Yaron Hermans Musik kann man als Jazz des 21. Jahrhunderts bezeichnen. Neben eigenen Kompositionen spielt er Musik von Skrjabin bis Gershwin, von Björk bis Britney Spears. "Wenn es etwas gibt, was ich für die Zukunft bewahren will", sagt er, "dann ist das die Essenz des Jazz, die auf Spontaneität beruht, auf Freiheit und auf der Möglichkeit, etwas zu wagen. Niemals sollten wir die Freude vergessen, die wir bei solcher Musik empfinden."

Quelle: RP
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