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Regina Ray
Zehn Jahre für einen Roman

Düsseldorf. Die Düsseldorferin Autorin hat eine ganz besondere Beziehung zu Indien. Dort spielt ihr erster Roman "Das Mottenprinzip". Von Saskia Nothofer

Seit 1988 lebt Regina Ray in Düsseldorf. 1955 in Bretten (Baden-Württemberg) geboren, hat es die gelernte Atem-, Stimm- und Sprechtrainerin auch aus beruflichen Gründen an den Rhein verschlagen. Den Großteil ihres Lebens verbringt sie jedoch mit dem Schreiben.

Frau Ray, stimmt es, dass Ihr Weg zum Schreiben mit einem Naturerlebnis begann?

Ray Ja. Es hat begonnen, als ich in einer kleinen Hütte auf dem Feld, ohne Strom und ohne fließendes Wasser gelebt habe. Dort habe ich mir Notizen über das Leben und die Natur gemacht - und dabei gemerkt: Ich bin eine Schreibende.

Ist das Schreiben für Sie mittlerweile ein Hauptberuf geworden?

Ray Ich würde das Schreiben jedenfalls nicht als Nebenberuf bezeichnen, da es viel Zeit meines Lebens einnimmt. Aber ich gehe auch meinem eigentlichen Beruf als Atem-, Stimm- und Sprechtrainerin noch nach. Denn von der Belletristik allein zu leben, ist schwierig.

Was macht Ihnen denn mehr Spaß?

Ray Das ist schwierig zu sagen. Ohne das Drumherum ist beim Schreiben aber der rein kreative Prozess das Schönste; es sind Momente, die man nicht bemerkt. Man bekommt ein Gefühl von Zeitlosigkeit, man ist vollkommen absorbiert. Im Unterricht können solche kreativen Momente aber auch entstehen.

Wann und wo schreiben Sie am liebsten?

Ray Meistens mache ich das frühmorgens in meinem Bett.

Und wie lange arbeiten Sie dort?

Ray Es kommt darauf an, was der Rest des Tages bringt, wie viel Zeit ich mit dem Schreiben verbringe. Maximal schaffe ich aber vier Stunden. Dann sind die Batterien einfach leer.

Ihr Roman "Das Mottenprinzip" ist über 300 Seiten lang. Wie lange haben Sie daran gearbeitet?

Ray Knapp zehn Jahre hat das gedauert. Es gab einige Unterbrechungen, es gab Phasen des Liegenlassens, und ich musste einen Verlag finden.

Wieso spielt "Das Mottenprinzip" in Indien? Haben Sie eine Verbindung zu dem Land?

Ray Ich habe Indologie und Ethnologie studiert. Auf dieser Basis hat sich eine ganz enge Beziehung zwischen mir und Indien entwickelt. Ich habe einige Zeit meines Lebens dort verbracht und mich viel mit Land und Leuten beschäftigt. So habe ich zum Beispiel Subkulturen untersucht und intensiv kennengelernt sowie Literaturbesprechenungen über indische Literatur verfasst. Zudem war ich mit einem Inder verheiratet.

Ihr Roman erzählt die Geschichte einer Frau zwischen zwei Männern. Hat das auch autobiografische Hintergründe?

Ray Ich habe auch eigene Erfahrungen verarbeitet. Es gibt also an manchen Stellen Parallelen zu meinem Leben, aber man kann es nicht eins zu eins gleichsetzen. Vor allem muss klar gesagt werden: Ein Roman funktioniert anders als das echte Leben, unter ganz anderen Prämissen. Er muss als Roman funktionieren.

Gab es Momente, in denen Sie aufgeben wollten?

Ray Ich habe nie daran gedacht, meinen Roman aufzugeben. Gleichzeitig wusste ich allerdings auch nie, ob er tatsächlich werden würde, ob ich ihn wirklich gedruckt in meinen Händen halten würde. Das hat Durchhaltevermögen gekostet.

Was haben Sie vor dem Roman geschrieben, und was planen Sie für die Zukunft?

Ray Vor dem Roman habe ich vor allem Lyrik und Erzählungen geschrieben. Bald möchte ich einen Erzählband veröffentlichen. Er ist eigentlich so gut wie fertig, ich möchte ihn aber noch einmal neu zusammenstellen.

Spielt Düsseldorf in ihren Werken auch eine Rolle?

Ray Es gibt eine Erzählung, die auf der Kö spielt und die ich, im Rahmen der Düsseldorfer Literaturtage, auch genau dort gelesen habe. Sie ist vor kurzem in der NRW-Anthologie erschienen.

Quelle: RP
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