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Gastro-Tipp
Zwischen Sylt und Hofgarten

Düsseldorf. Die Sansibar ist die einzige Dependance des Sylter Originals. Dort kocht seit kurzem Christian Schmidt, ein Mann aus der Sterneküche. Von Birgit Wanninger

Fangen wir mit dem Merkwürdigen an. Es ist schon seltsam, für einen Restaurantbesuch zunächst durch ein Kaufhaus zu gehen, vorbei an Designersachen, die Rolltreppe hoch und auf die Schuhabteilung blickend. Denn nur so gelangt man in die Sansibar - die Sansibar by Breuninger, dem Edelkaufhaus in den Libeskindbauten.

Im Restaurant angelangt, herrscht dort eine lockere Atmosphäre. Die Einrichtung ist leicht rustikal, das Publikum im Großen und Ganzen typisch Düsseldorf. Es sind Gäste, die auf ein paar Sylter Austern und ein Glas Champagner vorbei kommen, um sich vom Einkaufsstress zu erholen.

Abends geht es allerdings gemächlicher zu, und nicht nur das Publikum hat sich geändert, sondern auch der Weg ins oder aus dem Restaurant. Nach Geschäftsschluss führt ein Aufzug nach oben, beziehungsweise nach unten - direkt zum Ausgang.

Noch hat Düsseldorf ein Alleinstellungsmerkmal, nämlich die einzige Dependance der Sansibar in Deutschland zu sein. Zwar fehlen die Sanddünen und der Blick aufs Meer, wie es das Original auf Sylt bietet, dafür punktet die Sansibar by Breuniger mit etwas anderem: Wer einen Tisch am Fenster ergattert, hat einen der schönsten Blicke der Stadt auf den Hofgarten.

Das Service-Personal ist aufmerksam und betont mit seiner modischen Kleidung: hier geht es locker zu. Das gilt auch für den F&B-Manager Lorenz Morgenschweis, der in etablierten Häusern wie dem Schiffchen und dem Victorian (noch unter Günter Scherrer) gearbeitet hat und der nicht nur bei der Weinauswahl bestens berät.

Seit August weht auch ein frischer Wind in der Küche: Mit Christian Schmidt steht ein Küchenchef am Herd, der ebenfalls in hochdekorierten Häusern kochte - zuletzt bei Nelson Müller in der Schote in Essen. Und Schmidt muss jeden Tag den Spagat schaffen zwischen ambitionierter Küche und den Standards, die die Sansibar-Stammgäste wünschen.

Keine Frage, die berühmte Currywurst ist ein Muss, auch wenn zunächst der Preis (12 Euro) überrascht. Doch er ist angemessen. Die Wurst ist fast doppelt so groß wie andere. Pikant gewürzt ist die Mischung aus Kalb- (80 Prozent) und Schweinefleisch. Außerdem hat die Wurst keine Haut. Die XXL-Wurst wird mit reichlich Sauce und selbst gemachten Pommes serviert- und man hofft, nie satt zu werden. Auch das Wiener Schnitzel (26 Euro) und der Caesar's Salad mit Hähnchenbrust (19,50) zählen zu den Klassikern und sind die Renner. Das alles muss Schmidt wie beim Original der Sylter Strandbude zubereiten. Das gilt auch für die Bolognese (16,50), nicht mit Hackfleisch, sondern mit Thunfisch. Heiß begehrt und fein im Geschmack sind die Trüffel-Pommes (8,90) - die kommen nicht mit Mayonnaise, sondern mit Parmesan auf den Tisch. Seine eigene Handschrift kann Schmidt auf der Tageskarte zeigen - beispielsweise bei den Gerichten vom küchenfrischen Fisch. Wie die feine Fischsuppe (15,50) mit Rouille, das allerdings ein wenig mehr Würze vertragen kann. Das Ganze muss sich noch entwickeln.

Bei der Meeresfrüchte-Aktion (läuft bis zum 31. Oktober) hat Christian Schmidt nicht allzu viel Spielraum. Halber Hummer, Austern, Kaisergranaten und Crevetten sind obligatorisch (ab 59 Euro). Doch bei den Saucen kann er dann seiner Phantasie freien Lauf lassen.

Schon jetzt freut sich Schmidt auf den November. Dann ist traditionell Gänsezeit.

Quelle: RP
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