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Düsseldorf
Kulturbahnhof hat neuen Betreiber

Düsseldorf. Carsten Reinhold Schulz will dem Objekt in Gerresheim neues Leben einhauchen. Das Nutzungskonzept sieht nicht nur Ausstellungen, sondern auch ein Café sowie private Buchungsmöglichkeiten für Hochzeiten oder Messen vor. Von Marc Ingel

Nach jahrelangem Hin und Her gibt es für den Gerresheimer Kulturbahnhof jetzt endlich einen festen Betreiber. Carsten Reinhold Schulz hat ein dezidiertes Nutzungskonzept erarbeitet, das Piet Neiser, Eigentümer des denkmalgeschützten und seit einigen Jahren als Kulturzentrum im Stadtteil genutzten Objekts, offensichtlich überzeugt hat. Hinter Schulz steht als Träger der Verein Jason Rø, der sich vor drei Jahren gegründet hat, um vor allem Outsider-Kunst von geistig Behinderten oder psychisch Erkrankten zu fördern. Diese Richtung solle weiterhin verfolgt werden, sagt Schulz, sei aber nur eines von vielen Standbeinen für die Zukunft. Jason Rø, das sind neun weitere Mitstreiter - Schauspieler, Musiker, aber auch Manager - die sich ebenfalls an der Arbeit im Gerresheimer Bahnhof beteiligen wollen.

Die ohnehin aufwendig sanierten Veranstaltungsräume auf rund 300 Quadratmetern sollen jetzt noch den letzten Schliff erhalten und können dann auch weiterhin für private Partys, Hochzeiten oder andere Events angemietet werden. Und: "Mitte Mai soll ein täglich geöffnetes Café mit separatem Eingang, Mittagstisch und der Mitnahmemöglichkeit von Speisen eröffnen", sagt Schulz. Einen geeigneten Gastronomen habe er dafür bereits an der Hand. In der Kalkulation des neuen Betreibers enthalten sei ebenfalls die Anschaffung von Audio-, Licht- und Bühnentechnik für Konzerte.

In den Anfangswochen habe er mit Neiser die Vereinbarung getroffen, die finanziellen Aufwendungen "überschaubar" zu halten, "später kommt es dann aber natürlich zu einer ganz normalen Mietsituation", sagt Schulz, der zwar in Flingern wohnt, aber in Gerresheim aufgewachsen ist. Eben dieses Risiko hatten in der Vergangenheit andere Interessenten stets gescheut, wenn es um eine dauerhafte Nutzung ging. Noch in der Februar-Sitzung der Bezirksvertretung hatte Professor Niklaus Fritschi vom Förderverein Industriepfad Gerresheim, der laut Schulz auch weiterhin seine Veranstaltungen im Kulturbahnhof werde durchführen können, an die Stadt plädiert, sich finanziell zu beteiligen, um das Gebäude auf Dauer für eine kulturelle Nutzung in Gerresheim zu sichern. Schulz will hingegen ohne Fördermittel auskommen. Er werde aber dennoch das Gespräch mit der Politik und auch dem Kulturamt suchen, um abzuwägen, wer sich wie in die Arbeit einbringen könne. Auch Kooperationen mit Uni oder Fachhochschule seien angestrebt. Das Programm für den Bahnhof nehme zunehmend Formen an, solle zum Beispiel auch Kino integrieren, und werde Ende Mai offiziell vorgestellt.

Carsten Reinhold Schulz sinniert darüber hinaus bereits darüber, das Außengelände zu nutzen, etwa als Biergarten. Und er träumt von dem Potenzial des Standortes, wenn erstens der S-Bahnhof modernisiert und zweitens das benachbarte Glasmacherviertel in einigen Jahren einmal fertig sein wird. Ein Traumtänzer ist er aber nicht und sich der wirtschaftlichen Tragweite des Vorhabens durchaus bewusst, daher will er die Location nicht zuletzt für Messen, Seminare oder Präsentationen öffnen, die Vereine in Gerresheim dabei aber auf keinen Fall vergessen.

Priorität genießt bei Schulz, selbst Künstler und Autor, der sich inzwischen aber primär als Kurator sieht, jedoch die Kunst. Seine Absicht - und die des Vereins Jason Rø, in dem er einer von drei Vorstandsmitgliedern ist - sei zunehmend, den Begriff Teilhabe auf den Kunstbetrieb auszuweiten und Möglichkeiten aufzuzeigen, wie auch bislang ausgrenzte Personengruppen einbezogen werden können.

Quelle: RP
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