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Prozess in Düsseldorf
Ladendiebin flüchtet: Verkäuferin hängt auf Motorhaube

Düsseldorf. Szenen wie in einer Stunt-Show gab es vor einem Jahr auf einem Supermarkt-Parkplatz in Gerresheim: Um eine Ladendiebin beim Wegfahren im Auto zu stoppen, hing eine Verkäuferin auf der Motorhaube, die andere kämpfte bei der Fahrt mit der Diebin ums Lenkrad.

Die Kundin hat verloren, musste an ihrem 41. Geburtstag gestern vors Amtsgericht und entging nur mit Rücksicht auf ihre unmündigen Kinder einer Haftstrafe. Den Führerschein ist die mehrfach vorbestrafte Frau aber los.

Mit "Panik" und "Kurzschluss" versuchte der Verteidiger zu erklären, wieso die Angeklagte samt Beute (Lebensmittel für 213,80 Euro) unbedingt wegfahren wollte. "Ich habe nicht nachgedacht, jetzt habe ich Angst vor mir selber, dass ich zu sowas fähig bin", ergänzte die Diebin mit hängendem Kopf. Sie habe "nur noch weggewollt", die Folgen nicht bedacht. Sie gestand, dass sie mit prall gefülltem Einkaufwagen und Handy am Ohr einfach die Kasse passiert hatte, ohne zu zahlen. Ihr Anwalt: "Sie hat die günstige Gelegenheit gesehen und genutzt". Auf dem Parkplatz lud sie die Beute ins Auto, fuhr schon los, als eine Verkäuferin (53) ihren Weg versperrte. Statt anzuhalten, gab die Angeklagte Gas. Die Verkäuferin: "Die hätte mich überfahren. Also dachte ich: Besser obendrauf als untendrunter."

Sie habe sich auf die Motorhaube des BMW geworfen, sei 15 Meter mitgeschleift worden, dann abgerutscht. Ihre Verletzungen waren so schwer, dass sie mit Schädel-Hirn-Trauma, Platzwunden, Prellungen und einem eingerissenen Schultergelenk sechs Monate lang arbeitsunfähig war. Glimpflicher kam ihre Kollegin (32) davon. Sie hatte bei der Flucht der Angeklagten deren Fahrertür aufgerissen, mit der Diebin bei der Fahrt ums Lenkrad gekämpft. Dann blockierte ein anderes Auto die Flucht der 41-Jährigen.

Das Gericht ließ die sechsfach als Ladendiebin vorbestrafte Frau wieder gehen. Eine Strafe von 18 Monaten wurde wegen ihrer Kinder zur Bewährung ausgesetzt. Der Führerschein wurde einkassiert, und der verletzten Verkäuferin muss sie jetzt 1500 Euro Schmerzensgeld zahlen. Die Staatsanwältin hatte den Fall härter beurteilt, hatte für die Diebin Bewährung ausgeschlossen.

(wuk)
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