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Rund ums Rathaus
Landtag statt Stadtrat

Rund ums Rathaus: Landtag statt Stadtrat
Der Diplom-Sportlehrer Stefan Wiedon (CDU) saß bereits von 2010 bis 2012 im Landtag und will 2017 erneut kandidieren. FOTO: CDU
Düsseldorf. Bereits jetzt bringen sich Interessenten für die Landtagswahl 2017 in Stellung. Besonders spannend ist das bei der CDU, weil in mehreren Wahlkreisen Kampfkandidaturen anstehen. Viele wollen ihren Sitz im Rathaus gegen den Landtag tauschen. Von Denisa Richters

Nach Wahlen von Bundes- oder Landtag kommt meist auch Bewegung ins Rathaus: Denn Stadträte kandidieren gerne für die Parlamente, in denen Mandate nicht nur ehrenamtlich, sondern durchaus gut dotiert sind. Klappt der Einzug, wird ein Platz im Ratssaal frei, von der Reserveliste der jeweiligen Partei rückt der nächste nach. In Düsseldorf gab's in den vergangenen Jahren insbesondere bei der CDU im Rathaus ein solches Stühlerücken. Als 2005 Schwarz-Gelb die Macht im Land eroberte, verabschiedeten sich die CDU-Ratsherrn Thomas Jarzombek und Olaf Lehne vom Stadtrat Richtung Landtag (Jarzombek setzte vier Jahre später den nächsten Karrieresprung nach und zog in den Bundestag ein).

Bei der Landtagswahl 2010 siegte auch Stefan Wiedon in seinem Wahlkreis - und tauschte den Sitz im Rat gegen einen im Landesparlament. Der landespolitische Exkurs währte für ihn nur zwei Jahre: Bei der vorgezogenen Landtagswahl 2012 holte die SPD alle vier Wahlkreise, nur ein Düsseldorfer Christdemokrat - Peter Preuß - konnte sein Mandat über die Reserveliste sichern, Wiedon und Lehne kehrten in den Schoß der Kommunalpolitik zurück.

Rechtsanwältin Angela Erwin (CDU) hat für die Landtagswahl ihren Hut in den Ring geworfen - und wird wohl gegen Wiedon kandidieren. FOTO: Bretz

Beide gelten nun als heiße Anwärter für die Landtagswahl 2017. Doch zunächst gilt es, überhaupt als Kandidaten aufgestellt zu werden. Sollte Wiedon erneut im Wahlkreis Mitte/West (Oberbilk bis Heerdt) antreten, bekommt er starke weibliche Konkurrenz: Angela Erwin, Tochter des verstorbenen Oberbürgermeisters hat bereits vor Monaten ihren Hut in den Ring geworfen. Das hat sie jetzt auch noch mit einer mächtigen Position unterfüttert, denn Ende Juni wurde die Rechtsanwältin auch zur Vize-Vorsitzenden der Düsseldorfer CDU gewählt. Zwar wird Erwin auch als mögliche Herausforderin des amtierenden Oberbürgermeisters Thomas Geisel (SPD) gehandelt. Diese Wahl steht aber erst 2020 an - ein Landtagsmandat wäre eine gute Möglichkeit, sich bis dahin weiter politisch zu profilieren.

Lehne trat bei der Landtagswahl zuletzt im Norden Düsseldorfs an - ein für die CDU äußerst attraktiver Wahlkreis, weil stark bürgerlich geprägt. Allerdings zeigt auch Lehnes Ratskollege Andreas-Paul Stieber deutliches Interesse, dort zu kandidieren. Noch werden Lehne die größeren Chancen eingeräumt - immerhin hatte er bei den Wahlen für den Parteivorstand vor einigen Wochen von den Delegierten ein deutlich besseres Votum als Stieber bekommen. Der kann jedoch als Schützenkönig im Jubiläumsjahr der Sebastianer sicherlich Popularitätspunkte sammeln. Es bleibt also spannend. Mit Kampfkandidaturen ist bei der CDU vor der Landtagswahl auch im Süden zu rechnen, wo Preuß trotz seiner Niederlage im parteiinternen Machtkampf wieder antreten will, und im Osten der Stadt, wo Marco Schmitz und Birgit Schentek als Interessenten gelten.

Der Unternehmensberater Andreas-Paul Stieber (CDU) hat Interesse an einer Kandidatur im Düsseldorfer Norden. FOTO: CDU

Im Osten wird es auch bei der SPD kurzweilig. Denn es ist der einzige, in dem sie sich neu aufstellt. Gehandelt werden SPD-Vorstandsmitglied Michael Okrob und Fabian Zachel, persönlicher Referent von Geisel. Wobei offen ist, ob Zachel seinen Posten im OB-Büro tatsächlich aufgeben wird. In den anderen drei Wahlkreisen treten, so ist zu hören, die derzeitigen Abgeordneten Marion Warden (Mitte/West), Walburga Benninghaus (Süd) und Markus Weske (Nord) erneut an.

Auf bewährte Kräfte setzen auch die Grünen, die mit Monika Düker, Stefan Engstfeld und Martin-Sebastian Abel im Landtag vertreten sind. Dass es 2017 erneut drei Düsseldorfer per Reserveliste schaffen, gilt als unwahrscheinlich. Möglicherweise wechselt Düker aber an die Spitze der Bezirksregierung. Dann wäre für Abel doch ein relativ sicherer Listenplatz denkbar.

Im Norden will auch Rechtsanwalt Olaf Lehne erneut für die CDU kandidieren. Er saß von 2005 bis 2012 bereits im Landtag. FOTO: CDU

Ein guter Platz auf der Reserveliste wäre für die Liberalen der einzige Weg, um wieder ein Mandat im Landtag zu erringen. Nach dem Rückzug von Robert Orth ist die Düsseldorfer FDP nicht mehr vertreten. Als ein möglicher Kandidat wird der Ratsherr Mirko Rohloff gehandelt.

Noch völlig offen ist die K-Frage bei der Linkspartei und den Piraten. Bei beiden geht es 2017 vor allem um eins: den Wiedereinzug.

Quelle: RP
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