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Düsseldorf
Lange Kita-Zeiten: Eltern sollen Bedarf künftig belegen

Düsseldorf. Die Stadt will bei der Betreuung von Kindern unter drei Jahren künftig genauer hinschauen, ob Eltern, die ihr Kind 40 Stunden oder länger pro Woche betreuen lassen wollen, diesen Bedarf auch belegen können. Grund ist die immer stärkere Nachfrage nach solchen Plätzen. "Es gibt in Düsseldorf inzwischen mehr als 600 Kinder unter einem Jahr, die bereits ganztägig, also 45 Stunden pro Woche, betreut werden", sagte Jugendamtsleiter Johannes Horn gestern im Jugendhilfe-Ausschuss. Von Jörg Janssen

Der Haken aus Sicht des Jugendamts: Diese sogenannten U1-Kinder haben - anders als Kinder von eins bis sechs - keinen Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz in einer Kita oder bei einer Tagesmutter. "Jedes dieser U1-Kinder belegt einen Platz, der unter Umständen für ein Kind mit Rechtsanspruch fehlt. Deshalb wollen wir prüfen, ob in diesen Fällen tatsächlich beide Partner berufstätig sind oder ein Elternteil noch einer Ausbildung nachgeht", meinte Horn.

Die genauere Bedarfsprüfung wird aber nicht auf die Jüngsten beschränkt bleiben, sondern auch bei Kindern von ein bis drei Jahren eine Rolle spielen. Der Hintergrund: Bei 83 Prozent der U3-Kinder wünschen sich Düsseldorfer Eltern 45 Wochenstunden, also eine Ganztagsbetreuung.

Wie die Bedarfskriterien für Jungen und Mädchen bis drei Jahre (Ü3-Kinder sind nicht betroffen) aussehen werden, ist noch offen. Bis zum Kita-Jahr 2018/19 will die Stadt gemeinsam mit den freien Trägern einen genauen Kriterien-Katalog formulieren.

Bei der Platzvergabe im Bereich der unter Dreijährigen für mehr Transparenz zu sorgen, fanden die meisten Jugendpolitiker gestern grundsätzlich richtig. Kritik übte die Linke. Kinder hätten immer ein Recht auf frühkindliche Bildung, "da muss man nicht prüfen, wie die Eltern ihren Alltag im Einzelnen gestalten". Für die freien Träger, die mehr als zwei Drittel der rund 350 Düsseldorfer Kindertagesstätten betreiben, sagte Diakoniepfarrer Thorsten Nolting: "Wir werden die Kriterien im Dialog mit allen Beteiligten entwickeln."

Und noch eine Neuerung ist geplant: Um den Übergang von der Tagesmutter in die Kita möglichst reibungslos zu gestalten, wird es künftig einen neuartigen Familiengruppen-Typ geben. In diesen Gruppen wird es sechs Plätze für Kinder unter drei und zwölf Plätze für Kinder über drei Jahren geben.

Quelle: RP
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