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Düsseldorf
Virologe entschuldigt sich für falsche Lassa-Tests

Die wichtigsten Informationen zu Lassafieber
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Düsseldorf. Der Leiter der Virologie am Hamburger Tropeninstitut hat sich für fehlerhafte Befunde entschuldigt - zwei Patienten der Düsseldorfer Uniklinik waren auf Lassa untersucht und als positiv eingestuft worden.  Von Semiha Ünlü

Die E-Mail, die Stephan Günther am Samstag um 3:16 Uhr an die Düsseldorfer Uniklinik, das Düsseldorfer Gesundheitsamt, aber auch an mehrere Kliniken, Ämter und das NRW-Landeszentrum für Gesundheit schickte, ist lang und voller Bedauern. "Wir bitten unsere Kollegen in Düsseldorf um Entschuldigung für den beträchtlichen Aufwand, der sich aus der Hochstufung der Isolierung der Patienten seit Donnerstagnacht ergeben hat", schreibt der Leiter für Virologie am Hamburger Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BIN). Dort waren zuvor Proben von zwei Düsseldorfer Uniklinik-Patienten auf Lassa untersucht und fälschlicherweise als positiv eingestuft worden. "Wir entschuldigen uns auch bei den beiden Patienten und ihren Angehörigen, die unnötig in Angst versetzt wurden", schreibt der Chef-Virologe.

Wegen des Verdachts auf eine Lassa-Infektion hatte die Düsseldorfer Uniklinik die beiden Patienten auf ihrer Sonderisolierstation aufgenommen, die auf die Behandlung von Menschen mit hochansteckenden Krankheiten wie zum Beispiel Ebola ausgerichtet ist und daher aber auch sehr kostspielig ist. Infolge der fehlerhaften Befunde aus Hamburg sei der Klinik daher ein personeller und materieller Mehraufwand entstanden, sagt der Leiter des Infektionszentrums, Dieter Häussinger, auf RP-Anfrage. Häussinger drückt für seine Virologen-Kollegen in Hamburg aber auch Verständnis aus: Bislang habe es in Deutschland nur vereinzelt Lassa-Fälle gegeben, deswegen sei man eben auch noch nicht sehr geübt in deren Nachweis.

Infos: So sieht die Sonderisolierstation in Düsseldorf aus FOTO: dpa, fg

Im Hamburger Hochsicherheitslabor hatte man die diagnostische Methode der Immunfluoreszenz angewendet: Dabei habe man "kleine leuchtende Signale in Lassa-Virus-infizierten Zellen interpretiert, die durch die Antikörper im Blut des Patienten hervorgerufen werden", erklärt Günther auf RP-Anfrage. Das alles sehe "ein wenig aus wie ein Sternenhimmel". Beobachtungen wie bei den Düsseldorfer Proben habe man zuvor noch nie gesehen: Zwei Ärzte hätten sich bei deren Deutung "getäuscht". Günther: "Wir versuchen gerade nachzuvollziehen, wie es zu diesem Problem kommen konnte und wie wir das in Zukunft verhindern können."

Bei dem Befund, den man der Düsseldorfer Uniklinik übermittelte hatte, habe es sich um einen vorläufigen gehandelt, teil Günther mit. Diagnostische Tests würden zudem nie eine hundertprozentige Sicherheit bieten.  "In dieser Situation mussten wir zwischen den möglichen Konsequenzen einer späteren Übermittlung und dem Risiko, das ein vorläufiger Befund möglicherweise nicht korrekt ist, abwägen", so Günther. Hätte sich der Befund nach einer weiteren Überprüfung einen Tag später als richtig herausgestellt, hätte sich währenddessen "eventuell ohne Therapie die Situation der Patienten verschlechtert". 

Als "sehr ehrenwert" bezeichnet Dieter Häussinger die E-Mail samt Erklärung und Entschuldigung aus Hamburg: "Die wäre eigentlich nicht nötig gewesen."

(semi)
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