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Vor dem Pokalgipfel
Launiges Gipfeltreffen zweier rheinischer Karnevalsgrößen

Vor dem Pokalgipfel: Launiges Gipfeltreffen zweier rheinischer Karnevalsgrößen
Mochten sich auf Anhieb: Düsseldorfs Hoppeditz Tom Bauer (l.) und Bernd Gothe, Vorsitzender des Mönchengladbacher Karnevalsverbandes FOTO: Andreas Bretz
Düsseldorf. Düsseldorfs Hoppeditz Tom Bauer und Bernd Gothe, Vorsitzender des Mönchengladbacher Karnevalsverbandes und Ehrensenator der Weißfräcke, lieben das Brauchtum und den Fußball. Wir haben vor dem Derby mit ihnen gesprochen.

Düsseldorf hat den Rosenmontag, Mönchengladbach den Veilchendienstag. Eigentlich ideal, weil Sie diese Sessions-Höhepunkte doppelt auskosten können. Liege ich da richtig?

Tom Bauer Ich weiß von vielen Vereinsvertretern und deren Mitgliedern, dass Sie gerne Mönchengladbach besuchen. Für mich persönlich ist am Dienstag nach meinen persönlichen Höhepunkten 11.11., Altweiber, Karnevalssonntag und Rosenmontag Ruhe angesagt, und am Abend wird gebührend das Prinzenpaar am Rathaus verabschiedet.

Bernd Gothe Alleine schon wegen unserer "Elefantenrunde" mit den Karnevals-Chefs von Mönchengladbach, Neuss und Düsseldorf bin ich selbstredend an Rosenmontag in der Landeshauptstadt. Man kann dabei auch viel lernen.

Das klingt nach großer Bewunderung, was kann Düsseldorf Mönchengladbach geben, Herr Gothe?

Gothe Düsseldorf ist in der einmaligen Situation, den Satire-Künstler Jacques Tilly zu haben. Das ist ein Mann, der nicht kopiert werden kann. Wir haben das jahrelang versucht, dann wurde uns klar, dass wir uns anders aufstellen müssen. Wir setzen zum Beispiel auf Fußgruppen, fünf bis sechs aus verschiedenen Gesellschaften, mit 100 Personen in gleichen Kostümen. Das kommt sehr gut an. Diese gehen auf die Menschen am Rande zu, schaffen Nähe, das ist auch Karneval.

Bauer Das finde ich auch sehr gut. Als Hoppeditz auf meinem Wagen begleitet mich ja auch meine Garde, die Hoppediz-Wache, als Fußgruppe, die Tausende von Tulpen unter das Volk bringt. Ich verlasse diesen Wagen häufig. Türchen auf und Schwups bin ich draußen. Dann mache ich genau das, was auch Bernd Gothe gut findet: Ich drücke den Jecken was in die Hand, wir machen Selfies. Es ist ein schönes Miteinander, und so was ist menschlich. Ich mag diese Volksnähe.

Ihren Worten entnehme ich, dass Karneval eine große gesellschaftliche, vielleicht sogar politische Dimension hat?

Gothe Auf jeden Fall. Wunderbarer Weise tun die Karnevalszüge ja auch viel für die Integration. Egal, woher man kommt und welche Nationalität man hat, es wird einfach mitgeschunkelt. Für die Verständigung der Völker gibt es sicher nichts Besseres. Im besten Fall wollen sich Menschen unserer Kultur anpassen. Und da schaffen wir, was der Fußball oft nicht schafft: Viele sind leider gewalttätig. Karnevalisten sind ausgelassen, und trotz Alkohol gibt es zum Glück nicht die Masse an Eskalation wie beim Fußball etwa.

Bauer Der große Unterschied ist, dass die Menschen beim Karneval nicht gegeneinander sind, sondern das Brauchtum soll gemeinschaftlich Freude bereiten. Beim Fußball verfallen Fans gerne mal dem Stolz-Wahn. Das ist falsch.

Sie beide zählen zu den stärksten Charakteren im rheinischen Karneval. Wie reizvoll wäre ein Rollentausch für Sie?

Bauer Herr Gothes Job ist sicher aufwendiger, organisatorischer und zeitintensiver. Ich hingegen habe eine Rede, es gibt final jemanden mit Ex-Hoppeditz Jürgen-Hilger Höltgen, der diese Rede schreibt, und sie ist in der Regel erst in der Nacht des 10./11.11. fertig. Somit ist nach dem Hoppeditz-Erwachen mein wichtigster Job gemacht, und ich kann mich dann an der Orga anderer erfreuen.

Gothe Ich nehme auch für mich in Anspruch, Dinge zu sagen, die sich andere nicht trauen, muss auch den Ärger aushalten können. Ich habe selbst Ex-Kanzler Gerhard Schröder gesagt, was ich von ihm und russischen Firmen denke. Einmal den Hoppeditz geben, das wäre ein spannendes Experiment.

Als was gehen Sie eigentlich?

Bauer Ich darf ehrlich sein, meine liebsten "Verkleidungen" sind der Smoking oder der Frack, ich sehe mich weniger als Cowboy und Indianer und tue mich tatsächlich mit klassischen Motto-Partys etwas schwer. Als leidenschaftlicher Tänzer bevorzuge ich Bälle und Sitzungen ohne Zwang.

Gothe Verkleiden macht mir Spaß, ich gehe jetzt auch zu Sankt Martin als Bettler. Und es kann auch ganz ausgefallen sein, dafür bin ich auch zu haben. Es gibt aber auch Grenzen: Ich bekam zum Beispiel mal High Heels geschenkt in meiner Größe 46, wenn ich die auf der Bühne anziehen müsste, falle ich auf die Nase. Garantiert.

Bauer Meine höchsten Absätze waren mal 14 Zentimeter hoch. Man weiß schon, was die Mädels aushalten müssen. Waden, Rücken, kein Spaß manchmal.

Wie ist das mit der Mentalität? Ist Düsseldorf noch Niederrhein-Mentalität?

Bauer Für mich gibt es keinen großen Unterschied. Ich fahre 20 Minuten und bin in Mönchengladbach. Ich finde, wir sind uns sehr ähnlich. GOTHE Ich bin gebürtiger Rheydter und habe auch eine Wohnung in Düsseldorf, es ist meine zweite Heimat und auch meine Mentalität. Mit dem Kölner Karneval habe ich nicht viel zu tun, obwohl viele Niederrheiner stark nach Köln schauen.

Ist Köln vielleicht ein gemeinsamer "Feind"?

Gothe Den Kölner Zoch nehmen wir hin.

Bauer Du musst immer einen haben, der der Depp ist, damit sich der andere etwas besser fühlt. So kann man sich reiben. Jeder kann happy sein, dass es die andere Mentalität gibt. Das kann man ausleben und Spaß dabei haben.

Laufen die Vorbereitungen bei Ihnen schon auf Hochtouren?

Gothe Die Planungen für die Umzüge laufen, die Zuschauer sind uns sicher. Das neue Sicherheitskonzept ist aber schwer zu erfüllen, alles ist teuer. Auch ich plädiere sehr dafür, die Tour-de-France-Werbekarawane in den Zug zu integrieren. Die Gespräche laufen noch. Mich beschäftigen aber viel mehr die Saalveranstaltungen. Die Leute müssen spitze sein, damit die Leute kommen. Eine unserer dringlichsten Aufgaben ist die Jugendarbeit.

Bauer Wir fangen kommende Woche an, uns über die Themen in meiner Rede Gedanken zu machen. Nach einer Bundestagswahl muss das Ergebnis und auch die AfD natürlich eine Rolle spielen. Ein Blick über den großen Teich zum Beispiel zu Trump oder Korea ist sicher auch eine der Überlegungen und wie immer: das generelle Lokalkolorit.

Nun haben Sie sich kennengelernt. Was schätzen Sie aneinander?

Gothe Ein Hoppeditz soll immer das rüberbringen und sagen, was sich viele Menschen nicht trauen. Ich bin sicher, Tom Bauer ist ein sehr guter Vertreter seiner Zunft.

Bauer Ich habe große Hochachtung vor solchen Lebenswerken. Man merkt Bernd Gothe an, dass er ausgesprochen viel mit dem Kopf arbeitet.

BRIGITTE PAVETIC FÜHRTE DAS INTERVIEW.

Quelle: RP
 
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