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Kolumne Mein Düsseldorf
Leben am Rande eines Hunde-Klos

Tag des Hundes: Die schönsten Fotos unserer Leser
Tag des Hundes: Die schönsten Fotos unserer Leser FOTO: Facebook/Stephi Pietsch
Düsseldorf. Fangen wir - ausnahmsweise - mal mit einem Zitat an: "Hier beginnt die Salatschüssel meiner Kuh und nicht das Klo ihres Hundes". Das hat neulich ein Bauer auf ein Stopp-Schild gedruckt und am Rand einer Wiese aufgestellt. Von Hans Onkelbach

Der Anlass ist klar: Dass Dackel, Dobermänner, Dalmatiner und Co. seine Weide für ihre Hinterlassenschaften nutzen, stinkt dem wackeren Landmann. Bauern in Hamm, Flehe, Niederkassel, Lohausen und Lörick wehren sich mit ähnlichen Schildern gegen die Kontaminierung ihrer Felder.

Und man kann es (obwohl wir selbst Eigner eines Hundes sind) verstehen. Wir wohnen nahe den Rheinwiesen, die ein großer Teil der Düsseldorfer Hundehalter als Latrine für die Lieblinge nutzt. Vor allem berufsmäßige Ausführdienste sind ein Übel: Sie karren ihre vierbeinigen Kunden in kleinen Lieferwagen heran und lassen sie hier alles loswerden, was sich im Laufe bewegungsarmer Stunden angesammelt hat. Shit happens, sozusagen. Bei uns vor der Haustür.

Ein beschissener Zustand

Hundesteuer in NRW FOTO: Christian Mueller / Shutterstock.com

Klar, die Rheinwiesen und die benachbarten Wohngebiete sind grün, es gibt reichlich Auslauf, und der soll für alle offen sein - aber auch eine solche Fläche ist irgendwann einmal in buchstäblich beschissenem Zustand, wenn täglich einige hundert Hunde dort in die Hocke gehen, um die Reste des üblen Zeugs abzudrücken, das man ihnen daheim verabreicht hat. Der moderne Hundehalter füllt nämlich ein Gemisch in die fein designte Stahl- oder Porzellanschüssel, das Trockenfutter heißt. Praktisch ist es vor allem für den Hersteller und den Zweibeiner am oberen Ende der Leine (so er eine benutzt).

Letzterem erspart es die unangenehme Auseinandersetzung mit dem Gedanken, ein Raubtier süß zu finden. Normale Hunde fressen Fleisch, gerne das Gute vom Muskel oder Filet. Sie brauchen Fett und alles, was in Knochen und Knorpel steckt. Weil sie auch pflanzliche Nährstoffe zu sich nehmen müssen, sind (volles!) Gedärm, der noch gefüllte Magen eines Beutetieres und der Kot von Pflanzenfressern für sie pure Delikatessen.

Neusser Tierheim: Diese Tiere suchen ein Zuhause FOTO: Woitschützke, Andreas

Das ist zwar absolut natürlich, aber nicht so hübsch anzusehen. Daher pressen findige Firmen das, was Hundchen braucht, in trockene Brocken, mixen - gut für den Umsatz - reichlich Ballaststoffe rein und verkaufen für viel Geld dieses sogenannte Futter in riesigen Säcken.

Fäulnisbakterien und Geschmacksverstärker

Das Ergebnis ist eine auf Hochtouren laufende Verdauung, mit der jeder Mensch panisch zum Proktologen eilte - die armen Vierbeiner aber sondern vier, fünf Mal am Tag unfassbare und keinesfalls gesunde Mengen für sie unverdauliche Reststoffe ab. Dafür ist das, was vorne reinkommt, klinisch rein, riecht schlimmstenfalls ein wenig streng und ist mit ein bisschen Wasser schnell zu kredenzen. Fäulnisbakterien und Geschmacksverstärker, für Menschen nicht wahrnehmbar, lassen die Vierbeiner begeistert sabbernd an die Näpfe eilen. Scheinbar alles gut, also.

Wir jedoch treten täglich in (wenn wir Glück haben: knapp neben) das Ergebnis: Große Haufen einer Substanz, die vorne Sche und hinten iße heißt - und davon nicht zwei, drei oder zehn, sondern Dutzende auf ein paar Hundert Meter. Sie hinterlassen es leider nicht nur diskret in den Wiesen (was für spielende Kinder oder picknickende Erwachsene schon schlimm genug wäre), sondern auch mitten auf den Wegen- Der Gipfel aber sind jene Hundehalter, die den Dreck in Plastikbeutelchen sammeln - und diese achtlos wegwerfen. Geht's noch? Der Kot würde immerhin in einigen Tagen verschwinden, die Beutel jedoch verrotten erst in Jahren.

Eine Lösung? Da es Hunde mit chronischem Darmverschluss nicht gibt (und wir als Hundfreund die Tiere nicht verantwortlich machen), bitten wir um Rücksicht: Die Hinterlassenschaft einsammeln, in der Tonne entsorgen! Und: Bitte füttert tiergerecht! Es gibt reichlich billiges Fleisch bei klugen Metzgern. Wem das zu antiquiert klingt, der sei getröstet: diese Art naturnaher Fütterung, ergänzt mit pflanzlichen Stoffen, hat einen coolen Namen - man nennt es "barfen".

Quelle: RP
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