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Serie "So wohnt Düsseldorf"
Leben in alten Meisterhäusern

Serie "So wohnt Düsseldorf": Leben in alten Meisterhäusern
Wie vor über 100 Jahren: Äußerlich haben sich die vier Meisterhäuser im Stadtteil Kalkum - nahe dem Flughafen - kaum verändert. FOTO: Jens Kirchner
Düsseldorf. In einem versteckten Winkel von Kalkum hat ein Architektenpaar sein Wohnparadies entdeckt: Martin Ritz-Rahman und Melanie Neuhaus restaurierten die ehemaligen Gebäude der Graf-Recke-Stiftung aus dem Jahr 1905. Von Ute Rasch

In der Küche hängt an prominentem Platz ein Plakat, auf dem die heimische Vogelwelt abgebildet ist. Damit sich auf einen kurzen Blick überprüfen lässt, was da draußen gerade am Fenster vorüber flattert. "Hier gibt's eine unglaubliche Vielfalt", schwärmt das Architektenpaar Martin Ritz-Rahman und Melanie Neuhaus. Neulich haben sie einen Eisvogel in seiner schillernden Farbpracht gesehen. Und im Garten schauen oft Rehe und Füchse vorbei. Schon deshalb haben sie sich in diesen Ort verliebt. Und dann erst in das Haus.

Das Naturparadies des Paares liegt im Norden von Düsseldorf, in einem versteckten Winkel von Kalkum. Der Flughafen ist nicht weit entfernt, man sieht die Maschinen landen, aber zu hören sind sie glücklicherweise nicht. Vorn an der Straße schirmt die Hauptverwaltung der Graf-Recke-Stiftung jedes Geräusch. Hier ist Martin Ritz-Rahman vor drei Jahren mit einem Freund über die Felder gelaufen und dann sah er sie neben dem Schwarzbach: vier Häuser, in einer Reihe eng aneinander geschmiegt, ein bisschen herunter gekommen, von Brombeergestrüpp umwuchert. "Aber das alles konnte ihren Charme nicht überdecken."

Aus einem Stück: Den Waschtisch hat Melanie Neuhaus entworfen, er musste dann allerdings durch das Fenster ins Bad gehievt werden. FOTO: Jens Kirchner

Der Architekt erfuhr, dass die so genannten Meisterhäuser der Graf-Recke-Stiftung gehörten, von 1905 datierten und nun unter Denkmalschutz gestellt werden sollten. Einst hatten hier Schlosser, Tischler, Schuster und Maler gelebt, die den Jugendlichen, die von der Stiftung betreut wurden, ihr Handwerk beibrachten. Jetzt sollte das Ensemble verkauft werden, und Ritz-Rahman entschloss sich, mit seinem Freund diese zu erwerben: "Uns war gleich klar, dass wir in das Eckhaus selbst einziehen würden." Die übrigen Häuser sind mittlerweile vermietet.

Aber erst musste der Komplex kernsaniert werden, ohne den Charakter der Fassade zu verändern. So wurden die Haustüren aus dunklem Holz, die aus der Gründerzeit stammen, aufwendig restauriert. Nach alten Plänen rekonstruierten Fachleute neue Sprossenfenster. Die ehemaligen frei stehenden Schweineställe, die jede Meisterfamilie besaß, wurden durch Glasfugen mit den Häusern verbunden. Hier hat sich Melanie Neuhaus ein Arbeitszimmer eingerichtet, ein kleines Separee mit schrägen Holzbalken.

Ein glänzendes Stück: Durch diese Tür traten die Bewohner der Meisterhäuser schon 1905. FOTO: Jens Kirchner

Ursprünglich waren die Häuser im Erdgeschoss in vier kleine Zimmer und eine Speisekammer unterteilt. Daraus entstand ein großer Raum mit offener Küche, Holzbalken und Dielenboden. Der Esstisch des Architektenpaares will seine Herkunft nicht verbergen, seine Platte war mal ein altes Holzpodest. Im Wohnraum harmonieren starke Farben miteinander: ein schokoladenbraunes Sofa neben einem türkisen Sessel. Das alte Original-Treppenhaus führt in den ersten Stock, auch hier Schneeweiß gekalkte Wände, viel Licht, sparsames Mobiliar. Den Waschtisch im Bad hat Neuhaus entworfen (sie hatte auch die Bauleitung des Projekts). Nur dass der Schreiner das voluminöse Teil in einem Stück herstellen würde, damit hatte sie nicht gerechnet. "Es passte jedenfalls nicht durch unsere schmalen Türen und musste durchs Fenster an seinen Platz gehievt werden."

Das geschwungene Treppenhaus stammt noch aus der Gründerzeit. FOTO: Jens Kirchner

Heute sind diese Mühen längst vergessen, vor allem wenn das Paar den Blick in seinen Garten mit der angrenzenden Streuobstwiese genießt: Hier gedeihen über 40 teils geschützte Baumarten. Gerade haben sie die Apfelernte beendet, Pflaumen und Kirschen gab's in diesem Jahr auch reichlich. Im nächsten Jahr soll der Schwarzbach, natürliche Grenze ihres Grundstücks, renaturiert werden, dann wollen sie das Bachbett verbreitern und die Ufer abflachen.

Jenseits der Hecke, die den Garten begrenzt, beginnt das Landschaftsschutzgebiet. Aus der Stille kommt ein täglicher Gast und spaziert über die Wiese: ein Graureiher. Martin Ritz-Rahman kann die Uhr danach stellen, denn er taucht jeden Abend um 18.30 Uhr. Und kann gewiss sein, dass sein rätselhaft pünktlicher Auftritt vom Fenster eines alten Meisterhauses beobachtet wird.

Quelle: RP
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