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Nachhaltigkeitspreis in Düsseldorf
"Leonardo di Caprio hätte ich gerne in Düsseldorf"

Nachhaltigkeitspreis in Düsseldorf: "Leonardo di Caprio hätte ich gerne in Düsseldorf"
Der Organisator des Deutschen Nachhaltigkeitspreises, Stefan Schulze-Hausmann, freut sich auf die Verleihung am 8. Dezember. FOTO: Andreas Bretz
Düsseldorf. Der Schöpfer des Nachhaltigkeitspreises, Stefan Schulze-Hausmann, spricht über Chancengleichheit, Verzicht auf Mobilität, Weltstars und politische Bündnisse. Von Jörg Janssen

Der deutsche Nachhaltigkeitspreis gehört zu den Veranstaltungen im Düsseldorfer Jahreskalender, die weltweit Beachtung finden. Nicht zuletzt wegen der enormen Präsenz von Stars, die man rund um den Globus kennt. Am 8. Dezember wird er vor 2000 Gästen im Maritim-Hotel am Flughafen zum zehnten Mal in verschiedenen Kategorien überreicht.

Herr Schulze-Hausmann, wenn Sie zehn Passanten auf der Straße fragen, was sie unter Nachhaltigkeit verstehen, werden Sie vermutlich zehn verschiedene Antworten erhalten. Können Sie den Markenkern des Begriffs in einen Satz fassen?

Schulze-Hausmann (lacht) Lassen Sie es mich versuchen. Nachhaltige Politik und nachhaltiges Wirtschaften wollen die Welt Stück für Stück lebenswerter machen. Und zwar für jeden Menschen, egal in welcher Region des Globus' er lebt. Dabei gilt es, Ressourcen zu schonen und unsere Erde für künftige Generationen lebenswerter zu machen.

Es geht also auch um Teilhabe an Wohlstand und um Gerechtigkeit.

Nachhaltigkeitspreis 2016 in Düsseldorf mit Nicolas Cage FOTO: Endermann, Andreas

Schulze-Hausmann. Ja, Nachhaltigkeit ist eben nicht nur grün.

Aber tut es dem Globus gut, wenn Millionen Inder und Chinesen genau diese Teilhabe über ein eigenes Auto definieren. In den Metropolen dieser Länder kann man kaum noch atmen. Auf der anderen Seite sagen die Chinesen und Inder: Wir wollen doch nur das, was die Menschen im Westen ganz selbstverständlich haben.

Sängerin Annie Lennox bei ihrem Auftritt im Jahr 2008 mit Scorpions-Frontmann Klaus Meine. FOTO: Stiftung Deutscher Nachhaltigkeitspreis

Schulze-Hausmann Das klingt tatsächlich nach einem klassischen Zielkonflikt. Ich nenne es lieber einen Konflikt um den richtigen Weg. Ziel ist, das globale Klima nicht endgültig aus dem Ruder laufenzulassen. Weswegen nicht alles bleiben kann, wie es ist. Vordergründig führen wir deshalb beim Auto eine Verzichtsdiskussion. Das viel weiter gehende Thema ist aber, dass wir grundsätzlicher umdenken müssen. So sollte es beim Wachstum künftig nicht mehr um größer, schneller, dicker, weiter gehen, sondern um die Kategorien intensiver, tiefer, wärmer, sinnvoller.

Und was machen wir bis dahin mit den Dreck spuckenden Billigautos in Peking und Mumbai?

Schulze-Hausmann Die ersetzen wir durch bezahlbare, hoch innovative deutsche Elektroautos.

TV-Koch Jamie Oliver nahm 2010 einen Preis für sein Engagement entgegen. FOTO: Stiftung Deutscher Nachhaltigkeitspreis/Christian Lietzmann

Das ist aber noch nicht Stand der Dinge.

Schulze-Hausmann Genau deswegen gibt es ja unseren Preis. Weil in vielen Branchen, dazu zähle ich ganz sicher die Autoindustrie, Entwicklungen bislang verschlafen und somit Chancen verpasst wurden. Vor diesem Hintergrund haben wir zusätzlich den Next Economy Award (NEA) geschaffen, mit dem wir am Abend vor der eigentlichen Preisverleihung Start-ups auszeichnen, die mit ihren innovativen Ideen die Zukunft nachhaltig gestalten wollen.

Zehn Jahre Nachhaltigkeitspreis sind eine große Erfolgsgeschichte. Ganz wesentlich haben Prominente und Stars dazu beigetragen, die Ihrer Einladung nach Düsseldorf nur allzu gerne folgen. Der Bogen reicht von Königin Silvia über Musiker wie Art Garfunkel, Supermodels wie Alek Wek bis hin zu Schauspielern wie Iris Berben. Für dieses Jahr haben die Sängerin Annie Lennox, die Primatenforscherin Jane Goodall und der gebürtige Düsseldorfer Marius Müller-Westernhagen zugesagt. Was ist das Geheimnis Ihres Netzwerks?

Schulze-Hausmann Das Thema Nachhaltigkeit und damit auch unser Preis sind positiv besetzt. Es geht um nicht weniger als das Überleben des Globus'. Das öffnet Türen, weil Stars sich gerne mit Projekten, die dabei helfen können, identifizieren. Hilfreich war sicher auch, dass der damalige Bundespräsident Horst Köhler Schirmherr gleich bei der ersten Veranstaltung gewesen ist. Am Ende ist es aber vor allem harte Arbeit eines sehr engagierten Teams von Mitarbeitern. Manche Anfragen laufen fünf Jahre, bevor es - mit etwas Glück - eine Zusage gibt. Und bei anderen warte ich auch im zehnten Jahr noch auf irgendeine Reaktion.

Wann kommt Leonardo di Caprio nach Düsseldorf? Die von ihm gegründete Foundation investiert Millionen Dollar in Umweltschutz und Nachhaltigkeit.

Schulze-Hausmann (lacht) Die Anfragen laufen. Ich hätte ihn wirklich gerne hier.

Immerhin stammt seine Großmutter aus Oer-Erkenschwick. Das liegt in nicht weit von Düsseldorf entfernt.

Schulze-Hausmann Leider ist die Großmutter inzwischen verstorben. Und seine Mutter hat er nach Hollywood geholt. Aber vielleicht schaffen wir diesen Coup trotzdem.

Die Stadt hat ihre früher gewährte finanzielle Förderung für Ihre Veranstaltung eingestellt. Täuscht der Eindruck, dass das Rathaus - ungeachtet der enormen Ausstrahlung des Events - mit dem Preis irgendwie fremdelt?

Schulze-Hausmann Nein. Man kann tatsächlich den Eindruck haben, dass Oberbürgermeister Thomas Geisel kein ausgeprägtes Interesse an diesem Thema hat.

Kenner Ihres Engagements meinen ohnehin, das Ereignis gehöre längst auf das Berliner Parkett. Wird der Nachhaltigkeitspreis auch in zehn Jahren noch in Düsseldorf verliehen?

Schulze-Hausmann Wir nutzen den runden Geburtstag in diesem Jahr für eine Bestandsaufnahme. Und werden jede mögliche Option dabei bedenken. Nicht zuletzt, weil wir mit 2000 Gästen definitiv an unsere Grenzen stoßen. Dass ein nationaler Preis in Düsseldorf verliehen wird, ist bislang allerdings auch ein Alleinstellungsmerkmal und spricht für einen Verbleib. Ob man ihn tatsächlich aufwertet, wenn er in Berlin näher an die Bundespolitik rückt, muss gut durchdacht werden. Grundsätzlich gilt: In und mit Düsseldorf haben wir bislang die allerbesten Erfahrungen gemacht.

Apropos Bundespolitik. Wäre das geplatzte Jamaika-Bündnis aus Grünen, CDU/CSU und Liberalen gut für eine möglichst nachhaltige Politik gewesen?

Schulze-Hausmann Es hätte Chancen bieten können. Zumal Grüne und größere Teile der CDU da gar nicht weit auseinanderliegen. Die Kanzlerin ist offen für das Thema, hat Grundsätze der Nachhaltigkeit unter anderem bei ihrer Flüchtlingspolitik und dem Klimaschutz in konkretes politisches Handeln umgesetzt und dafür ihren Kopf hingehalten.

Welche Partei hat denn den nachhaltigsten Politikansatz?

Schulze-Hausmann Also DIE Nachhaltigkeitspartei gibt es nach meiner Einschätzung nicht.

Gilt das auch für Bündnis 90/Die Grünen?

Schulze-Hausmann Ja. Auch Jürgen Trittin hat als Umweltminister keine meterbreiten Furchen in den politischen Acker ziehen können - wenn wir mal vom vieldiskutierten Dosenpfand absehen. Wirklich nachhaltig zu agieren, heißt einen Dreiklang zu schaffen aus Ökologie, sozialer Verantwortung und einer Ökonomie, mit der Menschen unter dem Strich auch Geld verdienen können. Hier haben die politischen Parteien ganz unterschiedliche Stärken.

Quelle: RP
 
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