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Düsseldorf
Lernen, den Sinnen zu vertrauen

Düsseldorf. Mit einem "Sinnesklassenzimmer" gehen Motopäden in die Grundschulen.

Ein besonderer Kursus soll Grundschülern vor allem in sozialen Brennpunkten beibringen, auf ihre Sinne zu vertrauen und Körperkontakt zu lernen. "Sinnesklassenzimmer" nennt sich das Projekt, das als Teil der SMS-Initiative ("Sei schlau. Mach mit. Sei fit.") des Deutschen Diabetes-Zentrums der Heine-Uni schon mehrere Schulen in Düsseldorf besucht hat. Motopädie-Schüler der Weber-Weiterbildungsschule bringen dabei besondere Spiele mit in die Klassenräume oder Turnhallen. Die jungen Teilnehmer können so ihren Gleichgewichtssinn kennenlernen oder lernen, wie Kräuter riechen.

"Viele Kinder wachsen mit wenig Körperkontakt auf, einige ertragen es kaum, berührt zu werden", sagt Karsten Müssig vom Diabetes-Zentrum. Beim "Sinnesklassenzimmer" müssen sich die Grundschüler deshalb mit verbundenden Augen durch andere Schüler an der Hand führen oder sich mit Luftpumpen oder Federn kitzeln lassen und sollen dabei ein besseres Gefühl für ihren Körper bekommen. Wer in der Stadt aufgewachsen sei, habe oft kaum noch Erfahrungen mit Klettern, Balancieren, Rückwärtslaufen und anderen Geschicklichkeitsübungen. "Das ist heute nicht mehr selbstverständlich", meint Müssing. Motopäden lassen die Grundschüler deshalb auch auf Pedalo, das gute Balance erfordert, fahren und dabei Frisbees fangen. Der Geruchssinn wird durch kleine Prüfungen geschärft, bei dem die Grundschüler Minze oder Laub erriechen sollen. Die Methodik sollen die Lehrer dann auch in den normalen Schulalltag integrieren.

"Hoher Handlungsbedarf" besteht laut Müssig dort, wo sozial benachteiligte Kinder leben. Dies falle häufig mit jenen Schulen zusammen, in denen viele Kinder einen Migrationshintergrund haben. In Düsseldorf hatte unter anderem die St.-Michael-Schule in Lierenfeld das "Sinnesklassenzimmer" zu Besuch, demnächst sind mit der GGS Adam-Stegerwald- und der KGS Josef-Kleesattel-Straße zwei Grundschulen in Garath an der Reihe.

(bur)
 
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