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Stille Helfer: Eine Aktion von Rheinischer Post und Provinzial
Lesepaten nehmen sich Zeit für Kinder

Stille Helfer: Eine Aktion von Rheinischer Post und Provinzial: Lesepaten nehmen sich Zeit für Kinder
Uta Wahl (r.) ist Lesepatin im "Mentor"-Verein von Carmen Winterberg (l.). Regelmäßig liest sie mit Grundschülern wie der achtjährigen Melina. FOTO: Andreas Bretz
Düsseldorf. Seit fünf Jahren helfen Uta Wahl und Carmen Winterberg Schülern ehrenamtlich dabei, erste Erfahrungen mit Büchern zu sammeln. Von Oliver Burwig

"Still, stiller, Ali", habe es über einen Grundschüler der GGS Rolandstraße geheißen. Dann kam Uta Wahl, Lesepatin beim Leselernverein "Mentor". Die Bücherstunden der Rentnerin sollen nicht nur die Lesekompetenz des Schülers verbessert, sondern auch eine Entwicklung bewirkt haben, die aus dem schüchternen Drittklässler einen selbstbewussten Jungen machten.

"Meine Mutter hat immer gesagt, dass ich meinen Kopf in Bücher stecken soll", sagt Wahl. Als Kind habe sie gerne gelesen, seit nunmehr fünf Jahren engagiert sie sich dafür, den Schülern in Düsseldorf ebenfalls die Freude an Büchern zu vermitteln. Einmal in der Woche besucht sie die Golzheimer Schule, in der sie nicht nur selbst Lesepatin ist, sondern auch die Einsätze der anderen elf Ehrenamtler koordiniert, die den Schülern Lesestunden geben. Was in dieser Zeit passiert, bestimmen die Schüler größtenteils selbst. Die Paten lesen vor, lassen sich von den Kindern und Jugendlichen vorlesen und spielen mit ihnen verschiedene Spiele, die neben Wortschatztraining vor allem eines sind: ein Mittel, um Spaß am Lesen und der Sprache aufzuzeigen.

"Wir sind keine Nachhilfelehrer", betont Carmen Winterberg, die das bundesweit verbreitete Konzept der Lesepaten vor fünf Jahren gemeinsam mit Carla Meurer nach Düsseldorf brachte. "Der Spaß mit Büchern steht eindeutig im Vordergrund." Die Lesepaten hätten weder die Qualifikation noch die Zielorientierung, die professionelle Nachhilfekurse an Schulen auszeichne. Alle Ehrenamtler, die über ihren "Mentor"-Verein an Schulen in ihrer Nähe lesen, täten dies mit dem Anspruch, den Kindern Zeit zu lassen und sie zu Wort kommen zu lassen, was sie sich von den Lesestunden wünschen.

Wahl arbeitete für den Vorstand eines großen Unternehmens, ehe sie in den Ruhestand ging. Sie wollte sich gleich nach dem Job sozial engagieren, am liebsten für Kinder. Die Arbeit an der Grundschule sei etwas, bei dem sie schnell "Ergebnisse" wahrnehmen könne. "Man bekommt viel Feedback", sagt Wahl. Die Kinder sehen in den Lesestunden keinen Unterricht, freuen sich, wenn sie ihren Lesepaten wiedersehen. Eine Stigmatisierung als "lernschwach" erlitten die Schüler nicht, es komme immer wieder vor, dass auch andere Kinder einen Paten haben wollen.

"Es ist eine luxuriöse Situation, einen Erwachsenen zu haben, der sich eine Stunde auf ein Kind konzentrieren kann", sagt Winterberg. Mehr als 500 Menschen gibt es in der Stadt, die sich wie Wahl an einer Schule als Lesepaten gemeldet haben. Fast die Hälfte von ihnen ist neben der ehrenamtlichen Tätigkeit erwerbstätig, auch Studenten und Rentner meldeten sich freiwillig als "Mentoren". Trotz der vielen Helfer suche Winterberg immer nach weiteren engagierten Menschen: "Die Nachfrage ist größer als das Angebot." Die 36-Jährige arbeitet hauptberuflich in der Öffentlichkeitsarbeit, als Koordinatorin des Vereins vermisse sie oft den direkten Kontakt mit den Schülern: "Das Schönste an der Arbeit als Mentor ist, dass man seine eigene Persönlichkeit in die Lesestunden einbringen kann."

Quelle: RP
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