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Straßenlaternen in Düsseldorf
Leuchte, Gaslaterne, leuchte!

Straßenlaternen in Düsseldorf: Leuchte, Gaslaterne, leuchte!
Ein Licht wie Weihnachten macht die Gaslaterne. Wenn Berlin nun seine Laternen tatsächlich abbaut, könnte das auch hier ihr Ende sein. FOTO: Bußkamp, Thomas
Düsseldorf. Düsseldorf besitzt das größte zusammenhängende Gaslaternen-Netz der Welt. In absoluten Zahlen hat Berlin noch mehr, aber das könnte sich bald ändern, denn die Hauptstadt baut derzeit radikal ab. Viele Düsseldorfer fürchten nun auch hier eine härtere Vorgehensweise gegen die Leuchten Von Torsten Thissen

Georg Schumacher redet von gotischen Kathedralen, von seltenen Briefmarken und klassischen Automodellen. Er redet auch von Villen mit hohen Decken, ob man die denn auch einfach so abreißen, ob man vielleicht nur noch eine oder zwei Kathedralen stehen lassen wolle? Und wenn man verneint, sagt Georg Schumacher: "Sehen Sie, genauso ist es mit den Gaslaternen!" Deshalb sei es eine Schande, was in Düsseldorf passiere.

Schumacher liebt seine Stadt, doch habe er lange nachgedacht und nichts gefunden, dass Düsseldorf auf der Welt einzigartig mache. Außer eben jenem zusammenhängenden Netz aus jetzt noch gut 15 500 Gaslaternen, nachdem zuletzt etwa 1400 auf Strom umgerüstet wurden. "Traurig ist das, einfach traurig", sagt Schumacher und erinnert nur an das "Massaker auf der Hansaallee": wo "139 makellose Gasleuchten an Ort und Stelle zerstückelt wurden".

In Berlin werden nun 8400 alte Gaslaternen durch LED-Leuchten ersetzt. Die Hauptstadt hat mit etwa 45 000 die meisten Gaslaternen der Welt, allerdings verteilen sie sich auf eine viel größere Fläche und stellen eben kein "zusammenhängendes Ensembles einzigartiger Industriekultur" dar, wie ihre Schwestern in Düsseldorf.. Dennoch: Der Abbau der Laternen mit so klingenden Namen wie "Kleiner Charlottenburger Doppelgalgen" oder "Großer Bündelpfeiler Typ Alexanderplatz" stimmt auch die Düsseldorfer Freunde der Gaslaterne traurig. "Je weniger Gaslaternen es gibt, desto teurer werden die Ersatzteile", sagt Georg Schumacher, dessen Initiative "Pro Gaslicht" um jede Flamme trauert, die endgültig erlischt.

"Ich habe noch von niemandem gehört, der sich an einer ausgetauschten Laterne aufgehängt hat", sagt hingegen Felix Serick, Physiker von der Technischen Universität Berlin, Fakultät Elektrotechnik und Informatik, Fachgebiet Lichttechnik. Serick ist eben Ingenieur, fragt man ihn nach schönem Licht, nach Wärme, nach Kindheitserinnerungen, dann sagt er, dass Gaslaternen 2 Lumen Licht pro Watt erzeugen, moderne LED-Leuchten hingegen 100 Lumen, wobei Lumen die Maßeinheit für die Lichtstärke ist. "Der Wirkungsgrad einer modernen Leuchte ist also mindestens 50 Mal höher", sagt Serick. Er und seine Kollegen von der TU Berlin haben den Berliner Senat beraten: Weg mit den alten, her mit den neuen Laternen war das Ergebnis. Serick redet vom geringeren Energieverbrauch der neuen Laterne, die in Berlin übrigens "Jessica" heißt. Er lobt Jessica, weil sie weniger oft gewartet werden muss, helleres Licht erzeugt, "schließlich steigt ja auch die Kriminalität bei schlechterer Beleuchtung", sagt er, "der Abbau läuft auf Hochtouren." Hinzu käme etwas anderes. Es gibt auf der Welt nur noch einen Hersteller von Glühstrümpfen für Gaslaternen. Der sitzt in Indien, und sollte der irgendwann einmal ausfallen, werde es eh eng für die Gaslaternen.

Ja, auch in seinem Fachbereich gebe es Nostalgiker, doch auch die müssten die Argumente anerkennen. "Schließlich brennen ja auch keine Pechfackeln mehr auf den Straßen und nur selten noch werden moderne Maschinen mit Dampf betrieben." Zuletzt erzählt er die Anekdote der reichen Westdeutschen, die versuchten, die Gaslaternen zurückzubekommen, als sie nach Potsdam in ihre Gründerzeit-Villen zogen. Zu DDR-Zeiten waren sie abgebaut worden. "Zum Glück hat man sich darauf nicht eingelassen", sagt Serick. Wer das wolle, solle dann eben selbst dafür zahlen.

Georg Schumacher will die Argumente nicht gelten lassen. Ökologisch betrachtet sei der Betrieb mit Strom nicht besser, sagt er, da müsse man sich nur die Effizienzrechnung eines Kraftwerkes ansehen. Und teurer seien die Gaslaternen auch nicht, bedenke man die Modernisierungskosten von etwa 4000 Euro pro Stück. So müsse man die Straße aufreißen, Stromkabel verlegen, Schumacher entwirft ein Szenario aus Stau und Dreck und Baustellen im gesamten Stadtgebiet. Doch sein Hauptargument bleibt dieses Licht, das für ihn untrennbar mit seiner Heimatstadt Düsseldorf verbunden ist. Allerdings steigen die Wartungskosten, je weniger Gaslaternen es auf der Welt gibt. Und wenn Berlin seine nun abbaut, wird es für Düsseldorf teuer.

(RP/jco)
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