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Gastbeitrag Walter Brune
Leuchtstangen für die Schadowstraße?

Gastbeitrag Walter Brune: Leuchtstangen für die Schadowstraße?
FOTO: End
Düsseldorf. Wir haben Experten gebeten, uns ihre Sicht auf die Zukunft der Einkaufsmeile aufzuschreiben. Heute: der Architekt Walter Brune.

Ich bin Architekt und Städteplaner und habe mich mit Stadtstrukturen in Verbindung mit dem Einzelhandel 60 Jahre beschäftigt und kann die damit zusammenhängenden Probleme aus eigener Erfahrung gut einschätzen. Viele Städte hatten mit ihrer neu eingerichteten Fußgängerzone Schwierigkeiten und man sollte versuchen, diese von vornherein zu vermeiden.

Die Schadowstraße ist nicht nur eine Flanierstraße für Fußgänger, sondern sie ist in erster Linie eine Einkaufsstraße. Die Struktur der Straße muss den dort angesiedelten Geschäften so erhalten bleiben, dass durch Umwandlung kein Nachteil entsteht. Die Straßen und die Platzzonen um den Kö-Bogen 1, zukünftig verstärkt durch den Kö-Bogen 2 - Kreuzpunkt Königsallee / Altstadt / Schadow Arkaden - bilden einen derartigen Einzelhandelsschwerpunkt, dass sich zukünftig die meisten Besucher und Konsumenten dort aufhalten werden.

Bilder: Die Gestaltungsideen für die Schadowstraße FOTO: Stadt Düsseldorf

Aus dem Grunde ist es notwendig, dass die Schadowstraße nicht langweilig, sondern so attraktiv wie möglich gestaltet wird. Es muss immer noch reizvoll sein, über die Schadowstraße zu flanieren. Tödlich wäre es für die Schadowstraße, würde man die Mittelzone einer solchen Fußgängerzone völlig frei lassen. Jeden Samstag würden Demonstrationen von "Linken", "Rechten" und weiteren Gruppen stattfinden, die gerne öffentliche Aufmerksamkeit erreichen möchten. Eine solche Straße fehlt in Düsseldorf. Man sollte sie aber auch nachhaltig entbehren.

Wenn die Besucher in der Mitte der Straße laufen, würden sie die Auslagen der Schaufenster nicht mehr erkennen. Würde man einem Ladenlokal das Schaufenster zumauern, würde das Geschäft 15 bis 20 Prozent weniger Umsatz machen, d. h. die Schaufenster stützen im Wesentlichen auch den Erfolg des Geschäfts. Wenn aber die Besucher in der Mitte der Straße laufen, also fast 15 Meter von den Schaufenstern entfernt, erkennen sie keine Ware mehr und der Kaufreiz, der eben diesen Umsatzanteil bewirkt, ist verloren. Es muss also erreicht werden, dass die Fußgängerzone vor den Schaufensterreihen maximal sechs Meter breit sein darf, um dem Kunden die Möglichkeit zu geben, die Ware zu erkennen. Würde man den Geschäften diesen Umsatzrückgang zumuten, würden viele Geschäfte schließen und die Straße würde veröden. Die elegante Modestraße würde sich zu einer Nahversorgungsstraße mit Aldi, Penny etc. entwickeln. Was macht man nun mit der Mitte der Straße? In der Häuserreihe einer solchen Straße findet man keine Gastronomie. Cafés und Restaurants können nicht die Miete zahlen, die ein Textilgeschäft oder Juwelier zahlen können. Deshalb geht auch eine gewisse Langeweile von einer gastronomielosen Straße aus. Hier bietet sich die hervorragende Chance, diese Gastronomie vielfältig in der Mitte der Straße anzusiedeln. Sowohl Restaurants als auch Cafés oder Lounges und sogar Diskotheken kann ich mir in der Straßenmitte vorstellen. Auf alle Fälle viele Terrassen mit Stühlen, Tischen und Sonnenschirmen. Die Terrassen sollten breit sein, so dass sie eben nur die sechs Meter zuzüglich Fußgängerwege auf beiden Seiten gleichwertig frei lassen. In der berühmten Kärtnerstraße in Wien geschah es anfänglich, dass die Cafés zu schmal und die Bürgersteige zu breit waren. Dies hat man dann später geändert.

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Da die Straße der Öffentlichkeit und somit der Stadt gehört, kann die Stadt die Mieten auf dieser Straße so gestalten, dass die Cafés damit ihre Wirtschaftlichkeit erreichen können.

Ein großes Lob gilt den Politikern und der Verwaltung, dass sie für die Unterstützung der Gestaltung dieser Straße Künstler eingesetzt haben. Es wurden große Lichtkästen an den Hausfassaden vorgesehen, vom Grundsatz her eine gute Idee. Nur werden die großen und breiten Kästen besonders bei Wind statische Probleme machen und wahrscheinlich mit der Zeit durch mangelnde Pflege verunstaltet. Aber die Idee muss man nicht kritisieren. Im Gegenteil. Ich könnte mir auf Basis der Weiterentwicklung der Idee vorstellen, dass man auf 20 oder 30 Häuserfassaden Leuchtstangen anbringt, 15 bis 20 Meter hoch, mit 10 Zentimeter Durchmesser und mit LED bestückt, in verschiedenen Farben, selbstleuchtend und zu Weihnachten in den Farben eines Kerzenlichtes. Ich halte das für eine fantastische Idee. Eine solche beleuchtete Straße wäre eine Weltsensation. Es wird sicher viele Hauseigentümer geben, die das gerne mitmachen. Die Finanzierung ist natürlich eine berechtigte Frage, aber wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. Die Straße durch künstlerische Straßenpflaster zu gestalten, finde ich begrüßenswert. Ein langweiliges Betonpflaster wird die Attraktivität dieser Straße nicht unterstützen.

FOTO: Hans-Jürgen Bauer

Ich würde die gesamte Pflasterebene der Straße von A-Z von Künstlern gestalten lassen und der jetzt gezeigte Entwurf mit diagonal- grafisch gestalteten Bodenplatten hat seinen Charme. Wenn man dann für Fahrräder vorgesehene Straßen in gleicher Art, aber vielleicht in einer anderen Farbe, z. B. deutlich heller erstellen würde, könnte durchaus eine Harmonie entstehen. Schließlich finde ich auch die Idee eines Künstlers sehr gut, das "Grün der Straße" nicht nur durch endlose Baumreihen zu gestalten, sondern eine Begrünung durch einzelne Baumgruppen, vielleicht in Verbindung mit Buschwerk oder blühenden Pflanzen in gewissen Bereichen vorzunehmen. Auch dies hat was und sollte als "guter Gedanke" mit in die Überlegung aufgenommen werden. Was mir bei den Künstlervorschlägen fehlt, ist die Idee, auch noch Skulpturen oder Skulpturen-Gruppen mit in die Fußgängerzone einzubeziehen. Hier könnte man doch einen Wettbewerb veranstalten. Vorbild für diese Standbilder können z. B. die vielen historischen Kulturschöpfer der Stadt Düsseldorf sein, wie z.B. Heinrich Heine, Schumann etc. Wichtig ist mir auf alle Fälle, dass man die Schadowstraße nicht nur als namenlose Einkaufsstraße ideenlos zulässt, sondern hier eine attraktive Straße gestaltet, die ein Höhepunkt der Stadt wird und die sich auch um den neuen Bereich am Kö-Bogen herum behaupten kann.

Quelle: RP
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